Fußball: Bundesliga
Schalker Elferpech – „Knurrer“ Stevens rastet aus

Gelsenkirchen -

Der FC Schalke 04 kassierte ein ganz spätes Gegentor gegen Eintracht Frankfurt – und zwar per Handelfmeter. Trainer Huub Stevens brachte das dermaßen auf die Palme, dass er es am liebsten allem und jedem aufgenommen hätte.

Sonntag, 07.04.2019, 15:26 Uhr aktualisiert: 07.04.2019, 15:41 Uhr
Huub Stevens wurde nach der Niederlage gegen Frankfurt deutlich in seiner Wortwahl.
Huub Stevens wurde nach der Niederlage gegen Frankfurt deutlich in seiner Wortwahl. Foto: dpa

Da war er wieder, der grantelige, schimpfende, wütende ­ Huub Stevens . Wie in alten Zeiten, als er über den Jahrtausendwechsel und 2011/2012 schon zweimal auf Schalke gewirkt und gepoltert hatte – und zum „Jahrhunderttrainer“ aufgestiegen war. Am Samstag, nach dem höchst unglücklichen und diskutablen 1:2 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt knöpfte sich der 65-Jährige aus Sittard erst die Schiedsrichter, dann einen Journalisten und schließlich die ganze Welt vor: Ruhe kennt der Niederländer Hubertus Jozef Margaretha Stevens nicht, auch wenn er eigentlich im Trainerruhestand ist und nur wegen der Freistellung von Domenico Tedesco als Interimscoach seiner „Herzenssache“ nachgeht. Die Begegnung gegen die nun seit sechs Spieltagen hintereinander siegreichen Frankfurter (Vereinsrekord) gab alles her, um den Coach auf die Palme zu bringen, von der er auch Stunden nach dem Spiel nicht wieder herunterkam.

Frankurter Sturmlauf, Schalker Ausgleich

Die Partie begann mit einem furiosen Sturmlauf der Eintracht, Schalke hatte Probleme sich zu sortieren und dann fiel auch schon das 0:1 (13.) durch Ante Rebic. Frankfurt hatte Chancen, die Partie früh zu entscheiden. Vielleicht hätte Stevens, der einst wegen einer Herzerkrankung den Job an den Nagel hing, dann einen ruhigeren Nachmittag verlebt. So kam alles denkwürdig anders. Erst glich Suat Serdar für Schalke nach einem Patzer von Frankfurts Keeper Kevin Trapp aus (21.), der einen Kopfball von Breel Embolo zu kurz abwehrte. Dann wurde die kampfbetonte Partie ausgeglichener mit wenigen, aber hochkarätigen Chancen vor allem für Frankfurt, die Alexander Nübel im Schalker Tor gegen Goncalo Paciencia (52.) und Jetro Williams und anschließender Kopfball-Verirrung von Daniel Caligiuri aufs eigene Tor (54.) herausragend parierte.

Der späteste Strafstoß der Bundesliga-Geschichte

Das 1:1 wäre dennoch ein gerechtes gewesen. Aber sich überschlagende Ereignisse auf dem Platz sorgten für böse Stimmung im Schalker Lager. Weil Serdar sich in der Nachspielzeit ein Foul an der Strafraumgrenze leistete, flog der Mittelfeldspieler mit Gelb-Rot vom Platz. Alles schlüssig bis dahin. Jetro Williams beförderte das Spielgerät in den Strafraum, wo Schalke erst klären konnte, Caligiuri den „zweiten Ball“ vom Frankfurter Filip Kostic aber mit dem Unterarm berührte.

Caligiuri war in der entscheidenden Szene von David Abraham geschubst worden. Schiedsrichter Sascha Stegemann, der in der ersten Halbzeit Frankfurt einen klaren Elfmeter nach Videostudium versagt hatte, sah sich auch diese Szene auf dem Monitor an und entschied auf den spätesten Strafstoß der Bundesliga-Geschichte in der 99. Spielminute. Jovic traf – und Stevens rastete aus.

„Hör doch auf. Du bist nur lächerlich“

Erst redete er mit geschwollener Halsschlagader auf den Unparteiischen ein, dann bekamen alle, wirklich alle, ihr Fett weg: „Die ganze Welt ist gegen uns. Diesen Kampf müssen wir annehmen. Das ist geil“, sagte der Coach. „Wenn ich jetzt die Wahrheit sage, bekomme ich eine Strafe vom Verband.“ Seine Beherrschung bei der Pressekonferenz glich einem Ritt auf der Rasierklinge. Später, im vertrauten Gespräch mit den Sportjournalisten, vergaß Steven seine gute Erziehung. „Hör doch auf“, blaffte er „Kicker“-Redakteur Toni Lieto an, der wissen wollte, ob Serdar in der entscheidenden Situation nicht ein gehöriges Maß an Mitschuld treffe. „Hör doch auf. Du bist nur lächerlich. Auf deine Fragen antworte ich nicht mehr.“ Und einmal in Fahrt: „Nach dem Spiel am Mittwoch (0:2 im Pokal gegen Bremen) waren die Jungs nicht frisch. Und dann passiert aus einem Zweikampf heraus so ein Fehler. Dann sag ich dir klipp und klar: grandios! Super, dass du diese Frage stellst.“ Stevens war nun nicht mehr zu bremsen, zu sehr ging ihm der Abstiegskampf an die Nerven: „Du bist lächerlich. Du stehst hier und spielst den großen Jungen. Hast du kein Gefühl für das Spiel? Ich schon. Geh’ weg“. Und dann blickte er in die Runde, geradeaus und jedem in die Augen: „Ich bin eben so.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6524750?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F50820%2F
Berliner Platz: „Natürlich haben wir Angst“
Diese Geschäftsleute im Bereich Berliner Platz/Windthorststraße fühlen sich nach eigenen Angaben nicht sicher.
Nachrichten-Ticker