Fußball: Bundesliga
Die Gesichter, Geschichten und Momente der Saison

Münster -

Die 56. Saison der Bundesliga ist Geschichte, die Bayern sind mal wieder Meister. So weit nichts Neues, doch es gab viele Momente und Gesichter, die diese Spielzeit zu einer besonderen machten. Das waren die Geschichten 2018/19.

Sonntag, 19.05.2019, 14:20 Uhr aktualisiert: 19.05.2019, 15:02 Uhr
Eines der Gesichter in dieser Saison: Kai Havertz.
Eines der Gesichter in dieser Saison: Kai Havertz. Foto: dpa

Was bleibt hängen aus dieser Spielzeit? Eine ganze Menge:

► Spieler der Saison: In der Hinrunde war es Marco Reus. Doch als Dortmund einknickte, verlor auch das Spiel seines Kapitäns an Qualität und Farbe. Lorbeer für eine famose Gesamtleistung geht an Kai Havertz. Leverkusens Jung-Nationalspieler und Ausnahmetalent spielte eine super Serie. 17 Tore erzielte der erst 19-Jährige. Und dies als Mittelfeldspieler. Große Clubs wie Real Madrid, FC Barcelona und Bayern München haben Havertz auf dem Radar. Er könnte der erste Deutsche sein, für den eine Ablösesumme in dreistelliger Millionenhöhe gezahlt wird.

► Trainer der Saison: Niko Kovac? Lucien Favre? Ralf Rangnick? Einfach kann jeder, Friedhelm Funkel kann auch kompliziert. Der alte Haudegen, inzwischen 65, ist ein Meister seines Fachs. Mit Aufsteiger und Abstiegskandidat Fortuna Düsseldorf spielte er 3:3 in München, 1:1 in Leipzig, 4:0 auf Schalke und 2:1 gegen Dortmund. Und neben dem Platz gewann er auch noch den Machtkampf mit Vorstandsboss Robert Schäfer durch K.o. – cooler Typ, dieser zweifache Großvater.

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"Altmeister" Friedhelm Funkel (Düsseldorf) Foto: dpa

► Kanonier der Saison: Es ist keine Frage, dass Robert Lewandowski auch zum Kreis der herausragenden Spieler der Saison zählt. Besonders auffällig waren aber wieder einmal die Abschluss-Qualitäten des eiskalten Polen. Mit 22 Treffern schoss sich der 30-Jährige zum vierten Mal an die Spitze der Torjägerliste. Damit hat er seinen Boss, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (drei Kanonen), abgehängt. Zu „Bomber“ Gerd Müller (siebenmal die Nummer eins) fehlt Lewandowski allerdings noch ein Stück.

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Torjäger Robert Lewandowski (München) Foto: Christian Charisius/dpa

► Joker der Saison: In Spanien sind ziemlich viele feine Füße unterwegs. Für Paco Alcacer hatte die Primera Division keine Verwendung in exponierter Position. Also hat der 25-jährige Iberer nicht lange gefackelt, als Borussia Dortmund Kontakt aufnahm. Wenig zögerlich ist der Strafraumspieler auch auf dem Platz. Bei 26 Einsätzen, von denen er 15 (!) als Einwechselspieler bestritt, erzielte er 18 Tore. Im Schnitt traf Alcacer im 67-Minuten-Takt. Das macht ihm in der Bundesliga auf diesem Niveau niemand nach.

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Paco Alcacaer (Dortmund) Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

► Enttäuschung der Saison: Die Steigerung von Stuttgart war in dieser Saison Schalke. Der Vizemeister fand sich lange im eigenen Chaos nicht zurecht und stürzte sportlich gewaltig ab. Für Manager Christian Heidel (ging freiwillig) und Trainer Domenico Tedesco (ging nicht freiwillig) endete die Spielzeit vorzeitig. Und selbst Huub Stevens, einst Meister der Herzen mit Schalke, hatte größte Mühe, den Karren aus dem Sumpf zu ziehen. Gefeiert wurde er trotzdem – nach dem sensationellen 4:2-Derbysieg in Dortmund.

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"Retter" Huub Stevens Foto: dpa

► Mannschaft der Saison: 0:5-Pleite gegen die Bayern im Supercup, Pokal-Debakel beim Regionalligisten Ulm – Frankfurt startete desaströs in die Saison. Das roch nach Zwietracht bei der Eintracht, und der neue Trainer Adi Hütter hatte direkt Feuer unter dem Stuhl. Gemeinsam mit Manager Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner verhinderte der Bundesliga-Novize erst einen Flächenbrand und brachte die Hessen vor allem in der Europa League ganz groß raus. Die aufregende Saison endete mit einem Happy End: Auch im nächsten Jahr zieht der Eintracht-Anhang über den Kontinent.

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Frankfurts Trainer Adi Hütter Foto: Arne Dedert, dpa

► Entdeckung der Saison: Dass Jadon Sancho in der Bundesliga landete, wundert englische Medien noch immer. Und manche Autoren ärgert es sogar. Schließlich würden sie dieses Juwel, das mit 18 schon Nationalspieler wurde, viel lieber in der Premier League bestaunen. In Dortmund lieferte Sancho gleich in seiner ersten Saison großes Spektakel. Mit einem geschätzten Marktwert von 70 Millionen Euro ist er der wertvollste Spieler seines Jahrgangs (2000) weltweit.

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Jadon Sancho (Dortmund) Foto: Guido Kirchner, dpa

► Das beste Spiel der Saison: Dortmund gegen Bayern München am elften Spieltag. Über 81 000 Zuschauer, Flutlicht, ganz große Fußball-Kunst. Die Protagonisten schöpften ihr Potenzial komplett aus und lieferten sich ein Duell, als sei schon Armageddon. Der BVB gewann 3:2, eigentlich hatte die mitreißende Partie keinen Verlierer verdient.

Ein Kommentar zum Thema

In Madrid bestreiten der FC Liverpool und Tottenham Hotspur am 1. Juni das Finale der Champions League. Diese Paarung spielt dem Ruf der Bundesliga ein bisschen in die Karten. Schließlich ist der FC Bayern den „Reds“ zum Opfer gefallen und Borussia Dortmund den „Spurs“. Da dies aber jeweils schon in der ersten K.o.-Runde geschah und das mehr zufällig reingerutschte Schalke von ManCity gedemütigt wurde, war die Bundesliga erstmals seit 2005/06 vor Beginn der Viertelfinal-Runde komplett raus. Kein schönes Bild und ein schwaches Zeugnis.

Ausrutscher oder Szenario von Dauer? Tatsächlich muss man sich ein bisschen sorgen um den deutschen Club-Fußball im internationalen Vergleich. Grundsätzlich hat nur der FC Bayern die monetären Möglichkeiten, um im Becken der ganz großen Fische mitzuschwimmen. Dortmund benötigt starke Transferbilanzen, der Rest der Liga ist sehr weit weg von den Fleischtöpfen, an denen sich zunehmend mehr milliardenschwere Investoren die Hände schütteln. Längst stehen große Clubs unter dem Einfluss russischer, katarischer oder arabischer Mäzene. Steinreiche Geldgeber aus Brunei und Hongkong werden vielleicht die nächsten sein, die im Fußball ein nettes Abenteuer suchen und sich bei großen Vereinen einkaufen. Schon lange hat der König unter den Ballsportarten seine Romantik verloren. Und eine Solidargemeinschaft ist er auch nicht mehr.

Fußball ist an der Leistungsspitze knallhartes Geschäft. Das muss niemand gutheißen, aber die Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein. Wer sich diesem Weg verweigert, hat auf Dauer keine Chance, im Konzert der Großen gehört zu werden. Und so kann man zu der Ahnung kommen, dass der deutsche Fußball auch in den nächsten Jahren in der Champions League hinterherhechelt. Die Bayern könnten da die Ausnahme sein. Der Abonnement-Titelträger ist gerade dabei, viel Geld in ein neues Meisterteam zu investieren. Für die Bundesliga bedeutet dies im Umkehrschluss, dass es an der Spitze wieder spannungsarm wird. | Wilfried Sprenger

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