Fußball: Bundesliga
Alle lieben Werder-Ikone Claudio Pizarro

Münster -

Jeder liebt Claudio Pizarro. Der Peruaner ist ein echtes Phänomen der Bundesliga. Er steht längst in alle Rekordbüchern. Und er macht weiter. Am 3. Oktiber wird er 41. Florian Kohfeldt, Trainer von Werder Bremen, schätzt nicht nur sein Wesen.

Mittwoch, 22.05.2019, 16:26 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 17:13 Uhr
Everybody’s Darling: Claudio Pizarro hat nicht nur in Bremen die Herzen der Fans erobert.
Everybody’s Darling: Claudio Pizarro hat nicht nur in Bremen die Herzen der Fans erobert. Foto: dpa

Seit dem 30. September 1953 zieren die „Bremer Stadtmusikanten“, jene Märchenfiguren der Brüder Grimm, die Stirnseite des Bremer Rathauses. Im Laufe der Jahre ist die Bronzeplastik zum heimlichen Wahrzeichen der Hansestadt geworden. Viele Bremer hätten bestimmt nichts dagegen, wenn die Stadtväter genau an jener Stelle Werders Angreifer Claudio Pizarro ein Denkmal setzen würden. Für ein modernes (Fußball-)Märchen taugt seine Lebensgeschichte allemal.

Am vergangenen Samstag brachte der Peruaner das Weserstadion gleich mehrfach zum Beben. Das begann schon kurz vor Spielbeginn, als Pizarro seine Entscheidung, auch in der kommenden Saison für Werder zu spielen, per Videobotschaft auf einer Leinwand überbrachte. „Ich werde weitermachen“, war dort in großen Lettern zu lesen. Und als der 40-Jährige kurz nach seiner Einwechslung in der 88. Minute Bremens 2:1-Siegtreffer gegen RB Leipzig erzielte, brachen alle Dämme. Sämtliche Werder-Fans hatten sich längst von ihren Plätzen erhoben. Bremen brodelte. Es war der Auftakt zur ultimativen „Piza-Party“ in den Farben grün und weiß.

„Claudio ist in seinem hohen Alter immer noch ein wichtiger Faktor für uns“, sagte Pizarros Teamgefährte Johannes Eggestein . „Er entscheidet Spiele. Wenn er eingewechselt wird, weckt das große Emotionen. Das reißt die gesamte Mannschaft mit.“ Bemerkenswert sind diese Worte schon deshalb, weil Eggestein gerade einmal ein Jahr alt war, als Pizarro das erste Mal für Werder auflief. Das war am 12. September 1999 beim 5:0-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Standesgemäß führte sich der damals 20-Jährige gleich mit einem Treffer bei seinem neuen Club ein.

Damals war kaum absehbar, dass die Beziehung zwischen Werder und Pizarro eine unendliche Geschichte wird. Der 1,84 Meter große Rechtsfuß wechselte in den folgenden zwei Jahrzehnten gleich zweimal zum FC Bayern und spielte zwischenzeitlich auch für den FC Chelsea. Doch die grün-weiße Liebe in ihm erlosch nie. Fünf Mal kehrte er zurück an die Weser, zuletzt im Sommer 2018 vom Absteiger 1. FC Köln.

„Was will Werder nur mit diesem alten Mann?“, fragten sich viele Fans damals. Heute wissen sie es. Pizarro hat es allen gezeigt. Sein Siegtreffer gegen Leipzig war zugleich eine neue Rekordmarke, denn mit 40 Jahren und 227 Tagen ist die Club-Ikone ältester Bremer Spieler der Bundesliga-Geschichte. Geblieben sind in all den Jahren sein Optimismus, seine Leidenschaft und seine Gier, unbedingt Tore für seine Bremer zu schießen. Als er unlängst im Spiel gegen Borussia Dortmund in der Nachspielzeit eine hundertprozentige Torchance ausgelassen hatte, spiegelte sich die Enttäuschung in seinem Gesicht wider: Tränen kullerten ihm über die Wangen.

Florian Kohfeldt weiß, was er am Bremer Publikumsliebling hat. „Claudio ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Wenn er eingewechselt wird, bekommt das Spiel eine andere Richtung.“ Werders Trainer kann in der kommenden Saison weiter auf die Dienste des Südamerikaners bauen.

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