FC Bayern München
Ohne Thiago geht «nix»: Bayern-Taktgeber mit neuem Status

Im kleinen, aber feinen Bayern-Kader verfügt Niko Kovac über einen sehr speziellen «Pool» an Mittelfeldspielern. Einer sticht auf der USA-Reise heraus und hat sich so unverzichtbar gemacht wie sonst nur Torwart Neuer und Torjäger Lewandowski.

Montag, 22.07.2019, 21:28 Uhr aktualisiert: 22.07.2019, 21:38 Uhr
FC Bayern München: Ohne Thiago geht «nix»: Bayern-Taktgeber mit neuem Status
Foto: Matthias Balk

Kansas City (dpa) - Als Pep Guardiola 2013 seine Arbeit beim FC Bayern München aufnahm, da tat das der katalanische Starcoach mit einer ultimativen Transferforderung. Sie lautete: «Thiago oder nix!»

Niko Kovac ist ein anderer Trainertyp. Es scheint illusorisch, dass der 47 Jahre alte Kroate selbst jetzt als Double-Gewinner vor die Medien treten und sagen würde: «Leroy Sané oder nix!» Der deutsche Fußball-Nationalspieler von Manchester City ist bekanntlich die 1a-Lösung bei der Suche der Münchner nach einem weiteren Topspieler für die offensiven Außenbahnen. Sané ist übrigens Peps Spieler.

Der legendäre Guardiola-Satz «Thiago oder nix» kann beim deutschen Serienmeister inzwischen aber auf Kovac umgemünzt werden. Und zwar so: «Ohne Thiago geht nix!» Der inzwischen 28 Jahre alte Spanier ist zum Fixpunkt in Kovacs 4-3-3-System geworden mit einem zentralen Sechser vor der Abwehr und zwei Achtern auf den Halbpositionen davor.

In Houston schwärmte Kovac von seinem Chef im Mittelfeld. «Was soll ich zu Thiago sagen? Top! Das, was Thiago letztes Jahr gespielt hat, war sensationell gut.» Der einst 25 Millionen Euro teure Zugang vom FC Barcelona hätte viel mehr öffentliche Anerkennnung verdient, meinte Kovac. «Er ist unser Taktgeber im Mittelfeld, ein Spieler, der mit dem Ball alles kann. Er kann das Spiel beschleunigen, er kann es beruhigen, er denkt auf dem Platz wie ein Trainer. Das ist das, war sich jeder Trainer wünscht», schwärmte Kovac über Thiago.

Der Edeltechniker füllt seine Führungrolle auf der USA-Reise wie beim 3:1 im Test gegen Real Madrid herausragend aus. Thiago ist so unverzichtbar geworden wie sonst nur Torwart Manuel Neuer und Torjäger Robert Lewandowski. Neuer, Thiago, Lewi - das ist die zentrale Bayern-Achse für die anstehende Saison 2019/20.

Vor dem Real-Spiel sprach Thiago ausnahmsweise bei einer Pressekonferenz. «Es geht nicht darum, Leader zu sein», sagte er. «Ich bin hier, um die Mannschaft besser zu machen, ihr zu helfen.» Von einer besonderen Beziehung zu Kovac mochte er nicht reden. Viel zu lange haftete ihm in München das Etikett des Pep-Zöglings an, um dann jetzt als Kovac-Günstling dargestellt zu werden.

Er spiele da, wo der Trainer ihn aufstelle, «auch im Tor», scherzte Thiago. Aber die neue Rolle behagt ihm natürlich schon. «Ich habe die Sechser-Position erstmals bei Pep gespielt. Ich fühle mich dort gut.» Von dort aus kann er mit seiner technischen Rafinesse das Spiel lenken, zugleich hat er das Grätschen und Verteidigen gelernt.

Thiago ist der Fixpunkt im Mittelfeld. Kovac verfügt dort über «einen großen Pool an Topspielern», aber nur einen Thiago. Javi Martínez ist ein klassischer Abräumer, der in Abwesenheit des noch nicht fitten Neuzugangs Lucas Hernández aktuell im Abwehrzentrum aushilft. Leon Goretzka, Corentin Tolisso und Renato Sanches konkurrieren um die zwei Achter-Positionen vor dem gesetzten Thiago.

Ausfallen sollte der Spanier nun ebenso wenig wie Neuer im Tor oder Lewi im Sturm. Der spanische U21-Europameister Marc Roca (22) von Espanyol Barcelona wird darum als Zugang gehandelt. Kostenpunkt: 40 Millionen Euro. Gegen Real testete Kovac eine interne Variante: Weil Neuzugang Benjamin Pavard auch rechts verteidigen kann, rückte Joshua Kimmich in den zweiten 45 Minuten vor auf Thiagos Position. In der Nationalelf spielt Kimmich dort fix seit dem WM-Desaster 2018.

«Ich war auch überrascht, dass ich in der zweiten Halbzeit auf der Sechs ran durfte», sagte der 24-Jährige: «Ich fand es aber cool, ich habe Bock darauf.» Kimmich auf der Thiago-Position, Thomas Müller als Ersatz-Lewandowski im Sturm - Kovac will für den Ernstfall gewappnet sein. «Wir versuchen, mit dem Kader, den wir im Moment zur Verfügung haben, auszuloten, was möglich ist, für eventuell zukünftige Spiele.»

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