Derby in Augsburg
Bayerns Prüfung vor heißem Herbst - «Stimmung richtig gut»

Das 1:2 gegen Hoffenheim und die Müller-Debatte will Bayern abhaken. In Augsburg soll eine neue Erfolgsserie beginnen, Coach Kovac ist zuversichtlich. Aber er weiß, dass ein Punktverlust die Lage schnell wieder verschärft - und dass er eh nichts richtig machen könne.

Freitag, 18.10.2019, 13:02 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 13:04 Uhr
Bayern-Trainer Niko Kovac sieht eine gute Stimmung in der Mannschaft.
Bayern-Trainer Niko Kovac sieht eine gute Stimmung in der Mannschaft. Foto: Matthias Balk

München (dpa) - Von den Erinnerungen an den ungemütlichen Herbst 2018 lässt sich Niko Kovac die Laune nicht verderben. Vor einem Jahr drohte dem Trainer beim FC Bayern nach einer Sieglos-Serie der Rauswurf.

Wie vor zwölf Monaten hat der Fußball-Rekordmeister auch diesmal einen Heim-K.o. zur Länderspielpause aufzuarbeiten - und eine Personaldebatte um Bayern-Urgestein Thomas Müller gibt es obendrauf. Sorgenvoll aber äußerte sich Kovac vor dem Derby beim FC Augsburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) nicht - im Gegenteil.

«Wir könnten gar nicht besser aufgestellt sein», verkündete der Coach vor der kurzen Busfahrt nach Schwaben. Fast alle Spieler seien fit, die Aufregung um den zuletzt zum Reservisten degradierten Müller habe sich nach einem Vier-Augen-Gespräch samt Entschuldigung gelegt. Einem erfreulicheren Herbst stehe fast nicht im Weg, hofft Kovac. «Die Atmosphäre und die Stimmung waren richtig gut», erzählte der 48-Jährige von den Trainingseinheiten nach der Länderspielpause.

Allerdings weiß der Kroate in seinem zweiten Jahr in München, dass sich die Stimmung schnell ändern kann. Im vorigen Herbst spielte der Favorit daheim gegen Augsburg nur 1:1. Die Prüfung bei dem gegen den Abstieg kämpfenden FCA wird spannend: Lässt Kovac nach fünf Partien mal wieder Müller in der Startelf ran? Und welche Reaktion zeigt das Starensemble nach der 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim und der folgenden Länderspielpause? Kovacs Schützlinge müssen liefern.

«Wir haben die meisten Tore in der Liga geschossen, kreieren die meisten Chancen und müssen die Chancen nur konsequent nutzen», sagte der Trainer vor dem erwarteten «körperbetonten Spiel» in Augsburg. Nachdem sich die Münchner den Spitzenrang in der Bundesliga zuletzt wieder haben wegnehmen lassen, setzt Kovac auf ein Ausrufezeichen zum Beginn der anstehenden Intensivphase mit sieben Spielen in 22 Tagen.

Kurios: Die Münchner haben nach elf Pflichtspielen mit sieben Siegen und je zwei Remis und Niederlagen dieselbe Bilanz vorzuweisen wie in der vorigen Saison. 2018 war die Kritik lauter, weil Dortmund als Tabellenführender etwas enteilt war. «Wir waren Sechster mit vier Punkten Rückstand. Jetzt sind wir Dritter mit zwei Punkten Rückstand», rechnete Kovac vor und grinste. «Da haben wir uns schon mal gesteigert.» Wegen einer extrem spannenden Tabellenkonstellation können am 8. Spieltag sieben Mannschaften auf Ligarang eins springen - auch die Bayern.

Bis auf Leon Goretzka (Aufbautraining nach Oberschenkel-OP) und den angeschlagenen David Alaba (Rippenblessur) und Michaël Cuisance (Adduktorenprobleme) seien alle Akteure topfit - auch Lucas Hernandez, der eigentlich gar nicht zur Nationalmannschaft fahren sollten, dann aber trotz Münchner Protesten für den Weltmeister in der EM-Qualifikation gegen die Türkei 90 Minuten spielte. Kovac freute sich über den Abwehrspieler, der «wieder einsetzbar» sei.

Dass er selbst noch mehr vor der Qual der Wahl bei der Suche nach der Startelf steht, das weiß der Bayern-Trainer. Richtig machen könne er es eh nicht, bemerkte er dazu süffisant: «Ein Trainer macht im Grunde genommen nichts richtig. Er macht es entweder nicht richtig oder er macht es komplett falsch. Das mit dem Hase und Igel kenne ich mittlerweile.»

Nicht viel richtig machten zuletzt auch die Augsburger bei den klaren und verdienten Niederlagen gegen Leverkusen (0:3) und Mönchengladbach (1:5). Trainer Martin Schmidt wollte deshalb «alles» hinterfragen, «das Team, mich, unser Trainerteam, die Herangehensweise».

Ob er Antworten fand, das wird sich am Samstag zeigen. Ein Erfolg gegen den großen Nachbarn würde vieles vergessen machen. «Mutig muss man sein, dann kann man Bayern schlagen», sagte Angreifer Florian Niederlechner dem «Münchner Merkur» (Freitag). «Wir wollen zeigen, dass in Augsburg zu spielen immer eklig ist.» Bei einer Niederlage aber droht den Fuggerstädtern der Absturz in die Abstiegszone.

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