Fußball: Revierderby
Favre wackelt – Wagner fiebert

Münster -

So ändern sich die Zeiten: Als Schalke 04 im April dieses Jahres mit 4:2 bei Borussia Dortmund gewann, zogen sich die Knappen mit dem „Dreier“ ein wenig mehr aus dem Abstiegssumpf. Der BVB jedoch war regelrecht bedient: Die Niederlage ausgerechnet gegen den Nachbarn brandmarkte das Aus im Titelkampf.

Samstag, 26.10.2019, 10:00 Uhr
Ganz entspannt – David Wagner (l.) und gewaltig unter Druck – Lucien Favre: Die Trainer stehen im Revierderby unter besonderer Beobachtung.
Ganz entspannt – David Wagner (l.) und gewaltig unter Druck – Lucien Favre: Die Trainer stehen im Revierderby unter besonderer Beobachtung. Foto: dpa

An diesem Samstag begegnen sich beide Revierrivalen in einer total veränderten Tabellenkonstellation. Und das hat auch etwas mit den Trainern zu tun. Der eine gerät zunehmend in die Kritik. Lucien Favre hat, nachdem die Dortmunder unverhohlen ihre Titelambitionen artikulierten und nun sogar in der Champions League unter Druck geraten sind nach dem 0:2 bei Inter Mailand , in Dortmund einen schweren Stand. Der andere wird – nach der desolaten zurückliegenden Saison und daraus resultierender niedriger Fallhöhe – gefeiert. Auch wenn der Sprung an die Tabellenspitze zuletzt zweimal „verbaselt“ wurde nach dem 1:1 gegen Köln und dem 0:2 bei 1899 Hoffenheim.

Die Frage ist vor dem richtungweisenden Spiel, ob Lob hier und Kritik dort berechtigt sind. Und da helfen interessante Matchdaten: Borussia Dortmund erspielte sich im Laufe der zurückliegenden acht Bundesligaspielen die meisten (!) Torchancen aller Clubs. Zumindest das ist ein Beleg dafür, dass Favre eben keinen „Angsthasenfußball“, wie ihn die „Süddeutsche Zeitung“ dem Coach einmal attestierte, spielen lässt.

Chancenverwertung des BVB hat nachgelassen

Im Gegenteil. In der zurückliegenden Spielzeit hielt einzig die Borussia die bajuwarische Übermacht über weite Strecken in Grenzen. Mit Favre-Fußball, in dem Defensivarbeit mit Ballbesitz übersetzt wird und ein exaktes Positionsspiel für Offensivpower sorgte. Fußball made by Favre. Dennoch: „Wir durchleben im Moment keine einfache Phase“, bekannte Sebastian Kehl, Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, vor dem Derby. Der Tabellenvierte liegt mit einem Punkt Rückstand auf Primus Mönchengladbach gut im Meisterschaftsrennen.

Klar ist aber auch, dass der BVB in dieser Saison im Vergleich zur vergangenen in der Chancenverwertung nachgelassen hat. Lag die laut einer „Kicker“-Statistik zuletzt bei 38 Prozent, ist sie nun auf 33,3 Prozent geschrumpft. Was sicherlich weniger mit Favre zu tun hat als vielmehr dem mehrmaligen Fehlen des Stürmerpersonals geschuldet ist. Und wahr ist auch, dass der BVB in der Abwehr zurzeit unsolide spielt. An Favre geht diese Erkenntnis nicht vorbei, aber auch unter Druck hatte er eine Lösung: Bei Inter Mailand stellte er kurzerhand auf eine Dreierkette mit Hummels, Weigl und Akanji um, stabilisierte die um Nico Schulz (links) und Hakimi (rechts), sah aber auch deren Fragilität beim 0:1 durch Martinez.

Schalke mit schnellem Umschaltspiel

Und: In Mailand wurde das Offensivspiel durch harmloses Ballgeschiebe konterkariert. Aber: Borussia Dortmunds Spiel, auch das zeigt die Statistik, hat sich in nahezu allen relevanten Spieldaten kaum verändert. Warum steht Favre also nun und ausgerechnet vor dem Derby in der Kritik, dass sich Michael Zorc genötigt sah, ein Gerücht zu dementieren, das um José Mourinho „Wir führen keine Trainerdiskussion und sind froh, Lucien Favre zu haben.“

Ganz anders ist die Situation nebenan, ein paar Kilometer weiter westlich. Unter David Wagner haben die Schalker ihre statistischen Werte und auch die Tabellensituation ganz klar verbessert: Chancen und Chancenverwertung, Laufleistung und Anzahl der Tore. Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider mag recht haben, als er bei Wagners Vorstellung sagte: „Er kann den Laden anzünden.“

Wagner lässt offensiver spielen, Schalke unterhält das Publikum mit Pressing und schnellem Umschaltspiel, und: Die Malocher-Mentalität ist zurückgekehrt; der Kader indes hat sich gegenüber der Vorsaison kaum verändert. Dass Dortmund in Mailand schwächelte: „Das ist mir relativ latte. Daraus kann man nicht automatisch Vor- oder Nachteile ableiten. Im Derby ist es immer unerheblich, was vorher war“, sagte Wagner im Revierfieber und weiß um seine eigene Baustelle im Team: Die Torgefahr leidet immer noch. Eine Chancenverwertung von 29,8 Prozent ist indiskutabel. Ändert sich das im Derby nicht, könnte Favre der große Derbysieger sein.

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