Mangelnder Respekt
Ex-Referee kritisiert Profis: «Kriegsähnliche Zustände»

Berlin (dpa) - Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer hat das Verhalten von Fußballprofis und mangelnden Respekt gegenüber den Referees beklagt.

Donnerstag, 14.11.2019, 09:09 Uhr aktualisiert: 14.11.2019, 09:12 Uhr
Der ehemalige Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer beklagt den mangelnden Respekt von Fußballprofis gegenüber den Referees.
Der ehemalige Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer beklagt den mangelnden Respekt von Fußballprofis gegenüber den Referees. Foto: Uwe Anspach

«Wir haben eine unfassbare Aggression auf dem Platz. Bei jeder Hand-Entscheidung rennen sieben oder acht Spieler auf den Schiri, schreien auf ihn ein», sagte der 51-Jährige aus Herne in einem «Bild»-Interview. «Das sind mittlerweile kriegsähnliche Zustände!» Er frage sich immer, «was die genommen haben, um so von 0 auf 100 zu kommen. Mich – und viele, viele Leute, mit denen ich rede – kotzt das Verhalten auf dem Platz inzwischen an», meinte Kinhöfer .

Auch das Verhalten von Trainern an der Seitenlinie regt Kinhöfer auf - als Beispiele nennt er Friedhelm Funkel , Pep Guardiola und Jürgen Klopp. «Bei Schalke gegen Düsseldorf werden fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt. Nach zwei Minuten führt Funkel an der Linie einen Veitstanz auf, will so den Abpfiff erzwingen», sagte der ehemalige FIFA-Referee, der von 2001 bis 2015 in der Bundesliga gepfiffen hat. «Auch wie sich Guardiola im Spiel gegen Liverpool aufgeführt hat – unfassbar! Und Klopp, den jeder mag, verliert jedes Maß, wenn etwas gegen seine Mannschaft entschieden wird.»

Die siebenwöchige Sperre für Eintracht Frankfurts Kapitän David Abraham ist für Kinhöfer «das untere Strafmaß. Aber: Die Spieler schalten auf dem Platz alles aus, ihnen ist alles egal. Auch hohe Strafen. Deshalb zweifele ich an, dass höhere Strafen im Profifußball die gewünschte Abschreckung haben.»

Abraham ist für die Rote Karte wegen seiner Attacke gegen Freiburgs Trainer Christian Streich bis zum 29. Dezember gesperrt worden. Zudem muss er 25.000 Euro Geldstrafe zahlen. Eintracht Frankfurt hat Einspruch gegen das Urteil eingelegt.

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