Bundesliga
Aus für Funkel in Düsseldorf - Rösler übernimmt

Die Trainer-Ära von Friedhelm Funkel ist zu Ende. Nach insgesamt mehr als 500 Bundesliga-Spielen auf der Bank war Düsseldorf Funkels letzte Station. Der Tabellenletzte stellt den bei den Fans beliebten 66-Jährigen frei und setzt im Abstiegskampf auf Uwe Rösler.

Mittwoch, 29.01.2020, 14:22 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 14:26 Uhr
Soll die Fortuna vor dem Abstieg retten: Uwe Rösler.
Soll die Fortuna vor dem Abstieg retten: Uwe Rösler. Foto: Bernd Thissen

Düsseldorf (dpa) - Erst geehrt, dann vertrieben. Fortuna Düsseldorf hat Friedhelm Funkel früher als erwartet in die Fußball-Rente geschickt und Uwe Rösler den ersten Trainerjob in der Bundesliga beschert.

Nur einen Tag nach der Auszeichnung von Funkel als Düsseldorfs Trainer des Jahres gab der Club die Trennung von dem 66 Jahre alten Routinier bekannt. Lediglich ein Sieg in den vergangenen neun Spielen und der Sturz auf den letzten Tabellenplatz besiegelten das in Fan-Kreisen umstrittene Aus. Nachfolger Rösler soll die Düsseldorfer vor dem Abstieg bewahren und erhielt einen auch für die 2. Liga gültigen Vertrag bis Sommer 2021.

«Ich bin seit 16 Jahren Trainer und einige Male in solchen Situationen gewesen. Ich habe die Energie, das mit der Mannschaft zu schaffen», sagte der 51-Jährige. Für ihn sei die Bundesliga immer «ein Riesenziel» gewesen: «Ich habe bei der Fortuna unterschrieben, das ist für mich eine einmalige Chance in Deutschland.» Mit Blick auf das nächste Spiel am Samstag gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr) forderte Rösler: «Die Hütte muss brennen. Wir müssen mehr Tore schießen und Spiele gewinnen.»

Die Freistellung von Funkel dürfte den Club vor eine schwere Belastungsprobe stellen und den Vorstand massiv unter Druck setzen. Schließlich genoss der Coach bei den Fans bis zuletzt hohes Ansehen, weil er die Mannschaft nach seinem Amtsantritt 2016 zunächst vor dem Zweitliga-Abstieg bewahrt, sie 2018 zurück ins Oberhaus und in der vergangenen Saison auf Rang zehn geführt hatte. Doch auch diese Solidarität des Anhangs konnte das Aus nicht abwenden. Dabei hatten sich beide Seiten noch nach dem 2:1 über Union Berlin am 17. Spieltag im Falle des Klassenverbleibs auf eine Vertragsverlängerung geeinigt.

«Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Aber wir haben uns entschieden, mit dem Trainerwechsel einen neuen Impuls zu setzen», kommentierte Lutz Pfannenstiel. Nach Einschätzung des Sportvorstands war eine Trennung von Funkel unumgänglich: «Wir stellen mit 18 eigenen Treffern die torärmste Offensive und mit 40 Gegentoren die drittschwächste Defensive der Bundesliga. Das führt dazu, dass wir in der Konstellation nicht mehr an den Turnaround für den Klassenerhalt glauben.»

Funkel machte aus seinem Unverständnis keinen Hehl. «Man hat nach der Winterpause gesehen, dass die Mannschaft anders auftritt. Die Leistungskurve ging nach oben», kommentierte er bei Sky Sport News, nachdem er sich am Morgen von der Mannschaft verabschiedet hatte. Dieser Einschätzung widersprach Pfannenstiel wenige Stunden später: «Für mich war in den vergangenen Wochen keine Weiterentwicklung da.»

Für Funkel ist es ein endgültiger Abschied vom Profi-Fußball. Er hatte schon mehrmals angekündigt, seine Karriere nach seiner Düsseldorfer Amtszeit beenden zu wollen. «Da gibt es nichts dran zu rütteln. Ich sage das ohne Wehmut. Ich hätte das gern am Ende meiner Vertragslaufzeit verkündet. Das ist jetzt nicht so», sagte er.

Damit verliert die Bundesliga einen beliebten Protagonisten, der nach langer Profikarriere in über 500 Partien als Trainer diverser Vereine auf der Bank saß. Pfannenstiel würdigte die Verdienste von Funkel: «Er hat den Club vor dem Abstieg in die 3. Liga gerettet und ihn bis in die Bundesliga geführt. Zudem hat er mit seiner ruhigen und authentischen Art für eine menschliche und ehrliche Kultur gesorgt, die im und um den Verein zu spüren war.»

Mit dem fünfmaligen DDR-Nationalspieler Rösler setzt die Clubspitze auf einen Nachfolger ohne Bundesliga-Erfahrung als Trainer. Obwohl er bisher nur im Ausland tätig war, geht der 51-Jährige mit Zuversicht in seine neue Aufgabe: «Ein Trainerwechsel setzt Energien frei. Spieler, die zuletzt nicht gespielt haben, schöpfen neue Hoffnung.»

Als aktiver Profi machte sich Rösler vor allem in seiner Zeit beim englischen Erstligisten Manchester City (1994 bis 1998) und dem Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern (1998 bis 1999) einen Namen. Beendet wurde Röslers aktive Karriere, als er beim norwegischen Club Lillestrøm SK 2003 an Krebs erkrankte. Nach seiner Genesung debütierte Rösler bei Lillestrøm SK als Trainer. Weitere Stationen waren Viking Stavanger, Molde FK, FC Brentford, Wigan Athletic, Leeds United, Fleetwood Town und Malmö.

Rösler ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst: «Friedhelm hat hier Geschichte geschrieben und hinterlässt große Fußstapfen. Ich versuche, mit der Mannschaft und dem Funktionsteam Geschichte zu schreiben und die Klasse zu halten. Ich glaube, das wäre im Sinne von Friedhelm.» Funkel selbst wünschte seinem Nachfolger viel Erfolg: «Was wir uns in den vier Jahren aufgebaut haben, darf nicht in den nächsten Monaten kaputtgehen.»

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