Coronavirus-Krise
Profi-Fußball setzt auf Solidarität

Weil der Ball in Deutschland weiter ruht, ergreifen die 36 Profivereine verstärkt Maßnahmen gegen die Folgen der Coronavirus-Pandemie. Dabei blickt die Fußball-Branche auch über den Tellerrand hinaus.

Donnerstag, 02.04.2020, 14:59 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 15:02 Uhr
Spieler des VfL Wolfsburg beteiligen sich an Solidaritätsmaßnahmen.
Spieler des VfL Wolfsburg beteiligen sich an Solidaritätsmaßnahmen. Foto: Jens Wolf

Frankfurt/Main (dpa) - Gehaltsverzicht, Kurzarbeit und Spendenaktionen: Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise setzt der deutsche Profi-Fußball immer stärker auf den Solidargedanken.

Nach der am vergangenen Dienstag beschlossenen Verlängerung der Zwangspause in der 1. und 2. Bundesliga bis mindestens 30. April haben weitere Vereine umgehend reagiert und Maßnahmen zur Reduzierung ihrer finanziellen Verluste ergriffen.

Nun verkündeten der VfL Wolfsburg und Werder Bremen einen Gehaltsverzicht von Profis und Trainern. Damit sind deutlich mehr als zwei Drittel der 18 Erstligisten dem Beispiel von Borussia Mönchengladbach gefolgt. Der Tabellenvierte hatte als erster Club diesen Schritt vollzogen, zu dem sich mittlerweile auch finanzstarke Vereine wie Bayern München , Borussia Dortmund, RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder die TSG 1899 Hoffenheim entschlossen haben.

«Wir haben uns dank der sportlichen Erfolge und einer weitsichtigen Planung in den vergangenen Jahren ein finanzielles Polster geschaffen», sagte Hoffenheims auch für die Finanzen zuständiger Geschäftsführer Frank Briel. «Dennoch wollten wir uns auf diese Position nicht zurückziehen. Ein "Weiter so" oder "business as usual" darf und kann es da nicht geben.»

Das ist mittlerweile Konsens bei den 36 Profivereinen, von denen die meisten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben. Vor allem in der 2. Liga, wo wesentlich weniger Geld als im Oberhaus umgesetzt wird, kommt kaum ein Club an dieser Maßnahme vorbei.

Wer es sich leisten kann, greift seinen Angestellten in der schweren Zeit aber unter die Arme. Um die Verdienstausfälle zu reduzieren, stocken viele Clubs wie Schalke 04 oder der FSV Mainz 05 das Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur - 60 Prozent des Grundgehalts für Singles bzw. 67 Prozent für Betroffene mit Kind - ordentlich auf.

Auf wie viel Geld die Fußball-Millionäre konkret verzichten, ist nicht bekannt. Beim Branchenprimus Bayern München sind es 20 Prozent des Gehalts. «Wir Profifußballer sind eine besonders privilegierte Berufsgruppe, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, finanzielle Abstriche zu machen, wenn Not herrscht», sagte Kapitän Manuel Neuer dazu.

Die Einsparungen beim finanzstärksten deutschen Club dürften sich damit locker im zweistelligen Millionenbereich bewegen - wie auch bei Borussia Dortmund. Diese Summe werde «dabei helfen, den BVB als einen der größten Arbeitgeber Dortmunds während derCorona-Krise abzusichern und zu schützen», teilte der Verein unlängst mit. Der BVB beschäftigt immerhin 850 Mitarbeiter.

Angesichts der dramatischen Lage in Europa und der Welt haben viele Profis erkannt, dass sie in der gesamtgesellschaftlichen Krise als Vorbilder über den Fußball hinaus gefragt sind. So riefen die Bayern-Profis Leon Goretzka und Joshua Kimmich die Spendenaktion «We kick Corona» ins Leben, der sich mittlerweile viele Stars auch aus anderen Sportarten angeschlossen haben. Bis zum Ende der vergangenen Woche waren bereits mehr als 3,6 Millionen Euro zusammengekommen.

Die Spieler der TSG 1899 Hoffenheim beteiligen sich an einem Hilfsfonds, den der Verein zur Unterstützung der gesamten Rhein-Neckar-Region aufgelegt hat. Die Zweitligaprofis des VfB Stuttgart spendeten 100.000 Euro an Bedürftige und Pflegekräfte. «Für mich und meine Mannschaftskollegen war klar: Wir stehen als Team zusammen und helfen dort, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird», sagte Ex-Nationalspieler Mario Gomez. Und manchmal haben Hilfsaktionen auch einfach nur Symbolcharakter. So wie beim VfL Wolfsburg, bei dem sechs Profis am Freitag in zwei Supermärkten die Regale auffüllen wollen.

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