Bundesliga-Probleme
Stichtag 30. Juni - Das Vertragsdilemma in der Corona-Krise

FIFA-Präsident Gianni Infantino setzt auf «Solidarität und Kompromissbereitschaft». Doch ganz so einfach ist das Dilemma um Fußball-Verträge in der Corona-Krise wohl nicht zu lösen. Auch nach der Empfehlung des Weltverbands sind reichlich Fragen ungeklärt.

Mittwoch, 08.04.2020, 17:17 Uhr
Die Bundesliga steht vor reichlich Problemen rund um den 30. Juni, dem Tag des bislang vereinbarten Endes der Spielzeit.
Die Bundesliga steht vor reichlich Problemen rund um den 30. Juni, dem Tag des bislang vereinbarten Endes der Spielzeit. Foto: Robert Michael

Zürich (dpa) - Mit neuen Richtlinien für den Transfermarkt will die FIFA für Klarheit in der Corona-Krise sorgen. Doch auch nach der Empfehlung, die Verträge von Spielern weltweit an den wirklichen Abschluss der aktuell unterbrochenen Saison anzupassen, sind noch viele Fragen offen.

Der Bundesliga stellen sich weiter reichlich Probleme rund um den 30. Juni - den Tag des bislang vereinbarten Endes der Spielzeit in fast allen europäischen Topligen.

Ist die FIFA-Empfehlung rechtlich bindend?

Nein. Der Weltverband sagt selbst, dass er hoffe und erwarte, dass die Richtlinien «weltweit befolgt werden». Auslaufende Verträge sollen nach Wunsch des Weltverbands solange gelten, bis die Saison wirklich beendet ist. Vereinswechsel sollen ebenfalls erst danach vollzogen werden. «Die Empfehlung ist aus meiner Sicht purer Aktionismus», sagte Gregor Reiter , Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV), der Deutschen Presse-Agentur. «Die Frage der Laufzeit von Verträgen wird nicht von einem Weltverband entschieden, sondern von den Vertragsparteien.»

Wie viele Spieler sind betroffen?

Alleine in der Bundesliga mehr als 100. So läuft bei über 70 Profis aus der deutschen Spitzenklasse der Vertrag aus, bei knapp 40 Spielern endet eine Leihe zum 30. Juni. Zudem sind bereits Wechsel im Sommer vereinbart, wie der Transfer von Schalke-Keeper Alexander Nübel zum FC Bayern. Die Deutsche Fußball Liga setzt bislang darauf, die aktuell unterbrochene Saison bis Ende Juni abschließen zu können. Die FIFA-Empfehlung kommentierte die DFL auf Anfrage mit Verweis auf den derzeitigen Fahrplan nicht.

Droht zum 30. Juni dann das große Chaos?

Es gibt auch Rechtsexperten, für die dieses Datum nicht das allein entscheidende Kriterium ist. So würden sich die Verträge aus Sicht von Arbeitsrechtler Philipp Fischinger von der Universität Mannheim automatisch über den 30. Juni hinaus verlängern und erst mit dem tatsächlichen Saisonende enden. Im Mustervertrag des Deutschen Fußball-Bunds ist beispielsweise eine Laufzeit bis zum 30. Juni vorgesehen, in Klammern ist jedoch der Zusatz «Ende des Spieljahres» vermerkt. «Natürlich ist trotz dieser Einschätzung zu empfehlen, dass sich die Beteiligten abstimmen und rechtssichere Vereinbarungen treffen», sagte Fischinger zuletzt dem «Kicker».

Wie kann eine Lösung aussehen?

Die Spielervermittler-Vereinigung, die nach eigenen Angaben mehr als 75 Mitglieder zählt, geht davon aus, dass Profis eine Einigung mit ihren bisherigen Vereinen finden. «Wenn es Gründe geben sollte, die ein Saisonende am 30. Juni verhindern, halte ich es für möglich, dass die Betroffenen für die Bundesliga bereit wären, über den rechtlichen Rahmen ihrer Verträge zu diskutieren, um dort Lösungen zu finden», sagte Reiter. «Es wäre ein Kraftakt, das durchzuverhandeln, aber man könnte es schaffen.»

Was ist aber mit der Europapokalsaison?

Die Europäische Fußball-Union UEFA hat den nationalen Ligen Vorrang erteilt. Champions League und Europa League könnten noch bis August ausgespielt werden, sagte Kontinentalchef Aleksander Ceferin zuletzt. Was mit den Spielerverträgen der Europapokalteilnehmern nach dem möglichem Ende der nationalen Saison geschieht, ist aber noch ungeklärt. Zudem liegt ein regulärer Abschluss der Ligen beispielsweise in Spanien und Italien in noch weiterer Ferne als in Deutschland. Dies hat auch Einfluss auf das Transferfenster, in dem Spieler wechseln dürfen - auch hier gibt sich die FIFA offen für «flexible Lösungen».

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