Corona-Krise
Trotz Politik-Abfuhr: Rummenigge hofft auf Fan-Rückkehr

Die Gesundheitsminister der Länder wollen bis zum 31. Oktober keine Zuschauer in den Fußballstadien befürworten. Die DFL reagiert demütig auf die vorläufige Absage ihrer Pläne. Bayern-Boss Rummenigge bringt umgehend eine neue Idee ins Spiel.

Dienstag, 11.08.2020, 18:14 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 18:16 Uhr
Hofft weiter auf eine Rückkehr der Fans in die Stadien: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München.
Hofft weiter auf eine Rückkehr der Fans in die Stadien: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München. Foto: Robert Michael

Frankfurt/Main (dpa) - Die Abfuhr der Politik für eine Fan-Rückkehr in die Bundesligastadien zum Saisonstart war deutlich, doch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will weiter für die Umsetzung der DFL-Pläne kämpfen.

«Wir hoffen, dass wir trotz der ersten negativen Reaktion der Politik irgendwann trotzdem wieder mit Zuschauern spielen dürfen, weil Fußball ohne Zuschauer keinen Spaß macht», sagte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters aus München am Dienstag.

Mit dem einhelligen Votum der Gesundheitsminister der Länder, wonach eine Öffnung der Stadien für die Fans bis zum 31. Oktober angesichts der momentanen Corona-Lage nicht zu befürworten sei, will sich der mächtige Bayern-Boss nicht so einfach abfinden. Deshalb brachte Rummenigge umgehend eine Öffnung in kleinen Schritten als möglichen Lösungsansatz ins Spiel: «Vielleicht muss man da am Anfang auch konservativ denken, dass man nicht gleich 25.000 ins Stadion lassen muss.» Man könne «ja auch vielleicht langsam einen sogenannten Re-Start mit Zuschauern» garantieren.

Rückendeckung für eine schnellere Zulassung der Fans gab es am Abend von Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff. «Das Ziel sollte sein, dass wir mit dem Saisonstart allmählich den Zuschauerverkehr hinbekommen», sagte der CDU-Politiker am Dienstag der «Mitteldeutschen Zeitung» nach einer Telefonkonferenz der Ministerpräsidenten. «Wir müssen den Einstieg finden.»

Die Deutsche Fußball Liga um ihren Boss Christian Seifert dürfte von der vorläufigen Absage durch die Gesundheitsminister auch aufgrund der zuletzt wieder gestiegenen Corona-Fallzahlen wenig überrascht gewesen sein. Die Dachorganisation des deutschen Profifußballs übt sich im Polit-Poker daher weiter in Demut und reagierte äußerst milde auf die vorerst gescheiterte Teilzulassung von Zuschauern bereits ab Mitte September.

«Die DFL hat immer betont, dass die Eindämmung des Coronavirus höchste Priorität haben muss. Sie respektiert daher selbstverständlich die Position der Gesundheitsminister aus Bund und Ländern in der gegenwärtigen Situation», hieß es in einer Mitteilung. «Seitens der DFL gab und gibt es keine Forderungen in Bezug auf den Zeitpunkt der Zulassung oder die Anzahl von Stadionzuschauern.»

Das Fanbündnis «Unsere Kurve» äußerte ebenfalls Verständnis für die Position der Politik. «Der Fußball bleibt vorerst weiter entkoppelt von den Fans, aber wir als Fans beanspruchen keine Sonderrolle. Der Gesundheitsschutz hat Vorrang», sagte der 2. Vorsitzende Markus Sotirianos der Deutschen Presse-Agentur .

Auch Seifert weiß, dass die Umsetzung der Pläne von der Corona-Lage in Deutschland abhängig ist. Schon beim letztlich erfolgreichen Ringen um die Fortsetzung der vergangenen Saison mit Geisterspielen hatte sich der DFL-Geschäftsführer als geschickter Verhandlungsführer erwiesen. Mit der Umsetzung des damals erarbeiteten Konzepts hat sich die DFL in der Corona-Krise einigen Kredit erspielt.

«Wichtig ist, man muss Vertrauen in den Fußball haben. Und ich glaube, der Fußball in Deutschland hat bewiesen, dass er vertrauensvoll arbeiten kann», sagte Rummenigge dazu. Der Fußball sei in der Lage, «unter den Vorgaben etwas zu gewährleisten, ohne dass es eine Gefahr bedeutet».

Dies sieht auch RB Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche so. «Klar gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich glaube, dass die DFL ein sehr gutes Konzept vorgelegt hat», sagte er und betonte: «Natürlich ist es wichtig, dass Zuschauer wieder kommen, dass wir auch wieder Einnahmen generieren können, auch wenn es keine vollen Stadien sind.»

Das öffentliche Meinungsbild zu dem Reizthema ist gespalten. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur befürworteten 45 Prozent der insgesamt 2018 befragten Personen eine Fan-Rückkehr in die Stadien - allerdings nur neun Prozent uneingeschränkt. 36 Prozent finden die Teilzulassung von Zuschauern lediglich unter dem Vorbehalt richtig, dass die Hygiene-Maßnahmen streng kontrolliert werden. 44 Prozent der Umfrageteilnehmer sprachen sich generell gegen Spiele vor Publikum aus. Zehn Prozent wollten sich nicht festlegen.

Trotz des Rückschlags will die Liga ihre Planungen weiter vorantreiben. Die 36 Proficlubs hatten sich in der Vorwoche auf ein Konzept verständigt, das zunächst eine Rückkehr einer reduzierten Zahl von Fans ohne Stehplätze, ohne Alkohol und ohne Gästeanhänger vorsieht. «Es sollte in allen Lebensbereichen das Ziel sein, mit gezielten Konzepten, schrittweise und immer der jeweiligen Lage angemessen eine Rückkehr in Richtung Normalität anzustreben», hieß es. «Die DFL sowie die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga werden sich dementsprechend weiter bestmöglich auf eine Rückkehr von Stadionbesuchern vorbereiten.»

BVB-Profi Thomas Delaney nannte sein Heimatland Dänemark als «kleines Vorbild». «Dort gibt es wieder Spiele mit Zuschauern, manchmal sind es 5000, manchmal 8000. Ich habe mit vielen Spielern geredet, das bedeutet viel. Es kann funktionieren», sagte der Mittelfeldspieler im Trainingslager der Dortmunder in Bad Ragaz.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-125811/4

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