Zwei Spiele, zwei Niederlagen
Chaos-Tage in Mainz: Trainer Beierlorzer ohne Rückendeckung

Ein Ende der Krise ist beim FSV Mainz 05 nicht in Sicht. Erst recht nicht nach dem 1:4 gegen den VfB Stuttgart. Die Analyse und die Aufarbeitung der Hintergründe des Spielerstreiks sind im Gange. Es geht auch um die Rolle von Trainer Achim Beierlorzer. Muss er gehen?

Sonntag, 27.09.2020, 13:09 Uhr aktualisiert: 27.09.2020, 13:12 Uhr
Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer muss möglicherweise um seinen Job bangen.
Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer muss möglicherweise um seinen Job bangen. Foto: Thomas Frey

Mainz (dpa) - Achim Beierlorzer kämpfte mit Floskeln und Beteuerungen um seinen Trainerjob beim FSV Mainz 05 .

«Ob ich eine Zukunft in Mainz habe? Ja, zu 100 Prozent», versicherte er nach dem 1:4 (1:1) gegen den VfB Stuttgart , fügte jedoch im Wissen um die Gesetze des Fußballs sarkastisch hinzu: «Aber es würde jetzt ja alles wunderbar passen.» Der 52-Jährige fühlt sich eher als Sündenbock in der durch den Trainingsstreik der Spieler ausgelösten schweren Krise. Dass die Clubführung ihm schon vor der zweiten Saisonniederlage die Rückendeckung verweigerte, erweckt einen anderen Eindruck.

Sportvorstand Rouven Schröder wollte dem Coach keine Garantie geben, dass er am Freitag in der Fußball-Bundesligapartie beim 1. FC Union Berlin noch auf der Bank sitzt. «Kann ich nicht bestätigen», sagte er. «Wir werden die Gespräche dahingehend ergebnisoffen führen.»

Vereinschef Stefan Hofmann ließ aber bereits durchblicken, dass Beierlorzer wohl nicht unschuldig an dem Aufstand der Profis, die aus Solidarität mit dem vom Coach wegen mangelnder sportlicher Perspektive suspendierten Adam Szalai streikten, gewesen ist. «Zugegebenermaßen war unsere erste Kommunikation gegenüber Adam Szalai missverständlich, dies ist inzwischen klargestellt», sagte er.

Allerdings dürfte Beierlorzer auch nicht der Alleinschuldige für die «bedenkliche Gesamtlage» und schlechten Laune beim selbst ernannten Karnevalsverein sein. Insgesamt scheint das Zusammenspiel der Verantwortlichen mit der Mannschaft nicht zu passen - auch beim pikanten Thema Geld in Corona-Zeiten. So wurde den Spielern in den vergangenen Tagen mitgeteilt, dass ein im März vereinbarter Gehaltsverzicht, mit Option auf Rückzahlung, nicht zurückerstattet wird. Auch in diesem Fall räumte Hofmann ein, dem «zusätzlichen Kommunikationsbedarf der Mannschaft» nachkommen zu wollen.

Das wie ein Offenbarungseid wirkende 1:4-Debakel gegen Stuttgart, die zweite Saisonniederlage, hat die Lage weiter zugespitzt. Dabei soll das durch ihre Meuterei am Mittwoch ausgelöste Chaos nach Ansicht der 05-Profis bei der Niederlage keine Rolle gespielt haben. «Das kann zusammenhängen, muss es aber nicht», sagte Torwart Robin Zentner. «Ich kann nur für mich sprechen, in meinem Kopf war es über die 90 Minuten nicht drin.»

Dafür kassierte er gleich vier Tore, nachdem Robin Quaison immerhin die 1:0-Führung (13. Minute) erzielte. Die Treffer für die Schwaben markierten Silas Wamangituka (45.), Daniel Didavi (61.), Mateo Klimowicz (80.) und Sasa Kalajdzic (86.). «Ich habe keinen Spieler erkannt, dem das Spiel egal war», betonte Beierlorzer, der seine Beziehung zur Mannschaft als «absolut» intakt bezeichnete. «Wir haben ein konstruktives Verhältnis. Wir sind im Austausch und haben Verständnis für die jeweilige Situation.»

Die Spieler wollten keine Stellungnahmen zu den Hintergründen der Streikaktion geben. «Es ist eine Sache, die die Mannschaft betrifft. Die geht Außenstehende nichts an», meinte Torschütze Quaison. Zugleich wehrte er sich, dass die widerständigen Profis dem Club schaden wollten: «Wir haben die Entscheidungen getroffen, aber es war nicht unser Anliegen, den Verein zu beschädigen, sondern wir wollten nur unsere Meinung äußern und Dinge ansprechen.»

Während Szalai seit dem Streik schweigt, rätselt sein Berater Oliver Fischer weiter über die mutmaßlich wahren Gründe der Degradierung des ungarischen Nationalspielers. Er darf nur bei der U23 trainieren. «Wir tappen im Dunkeln», sagte er am Sonntag bei Sky90. «Adam ist Mainzer durch und durch. Er wird sich nicht verjagen lassen und sich so aus der Bundesliga verabschieden.» Szalai hat einen gültigen Vertrag bis 2021. «Er akzeptiert, nicht im Kader zu sein, aber er akzeptiert nicht, nicht im Trainingsbetrieb zu sein», ergänzte Fischer.

© dpa-infocom, dpa:200927-99-727939/2

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