3. Spieltag
Gladbach feiert Derby-Sieg vor leerer Kurve - Frust in Köln

Es war wie meistens, wenn sich Köln und Gladbach zum Derby treffen: Am Ende jubelt die Borussia. Nach dem elften Sieg aus den letzten 15 Derbys herrschte in Gladbach Erleichterung. Beim FC ist der Frust dagegen schon nach drei Saisonspielen groß.

Samstag, 03.10.2020, 19:05 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 19:08 Uhr
Gladbachs Torschütze Alassane Plea (l-r), Lars Stindl und Florian Neuhaus jubeln nach dem Treffer zur 1:0 Führung.
Gladbachs Torschütze Alassane Plea (l-r), Lars Stindl und Florian Neuhaus jubeln nach dem Treffer zur 1:0 Führung. Foto: Marius Becker

Köln (dpa) - Derby-Siege sind auch ohne Fans etwas Besonderes. Und so liefen die Profis von Borussia Mönchengladbach nach dem nie gefährdeten 3:1 (2:0)-Sieg im rheinischen Derby beim Lieblingsgegner 1. FC Köln in die leere Gästekurve des Kölner Stadions und feierten hüpfend und jubelnd.

«Wir wollten unseren Fans zu Hause was mitgeben, damit sie den Sieg vielleicht am Wochenende oder am Montag auf der Arbeit genießen können», sagte Mittelfeldspieler Florian Neuhaus, der wie Jonas Hofmann unter der Woche auf sein Debüt für die Nationalmannschaft hoffen darf. «Besser kann die Woche nicht laufen», sagte Hofmann.

Manch einer der 300 FC-Fans empfand den Gladbacher Jubel als Provokation und kommentierte das entsprechend. Der Frust in Köln sitzt tief nach drei Niederlagen zum Saisonstart und insgesamt 13 Spielen ohne Sieg. Nach einer deprimierenden Derby-Niederlage eben noch tiefer. «Ich konnte es nicht glauben, da fehlen einem sogar auf dem Platz die Worte», sagte Kölns Elvis Rexhbecaj über die ersten 20 Minuten. In denen die Borussia, die in der Champions League unter anderem auf Real Madrid und Inter Mailand trifft, den FC regelrecht überrollte und vorführte. Und durch Alassane Plea (14.) und Stefan Lainer (16.) auch schon vorentscheidend traf.

«Die Leistung in den ersten 20 Minuten war sehr, sehr schlecht», sagte FC-Sportchef Horst Heldt sichtlich missmutig: «Das ist ärgerlich, und wir müssen analysieren, woran das liegt. Es lag jedenfalls nicht daran, dass die Gladbacher ein Mann mehr gewesen wären. Das war Elf gegen Elf.» Auch, wenn es lange nicht so aussah. Die Frage, ob sich Trainer Markus Gisdol nach den 13 Spielen ohne Sieg - die schwarze Serie begann mit einem 1:2 in Gladbach im ersten Bundesliga-Geisterspiel am 11. März - Sorgen um seinen Job machen müsse, beantwortet Heldt aber mit einem klaren: «Nein.»

Am Samstag musste sich Gisdol aber fragen lassen, ob er mit seiner taktischen Umstellung auf eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette, die er zur Pause wieder korrigierte, die Niederlage begünstigt habe. «Wenn du so ein Zweikampf-Verhalten wie in den ersten 20 Minuten hast, kannst du mit Sechser- oder Achterkette spielen», antwortete der Coach. So sah es auch Torhüter Timo Horn, der nach den Diskussionen um seine Position zwar erneut ein Tor mitverursachte, aber auch viele Großchancen vereitelte: «Wenn der Einsatz und die Aggressivität nicht stimmen, kannst du jedes System der Welt spielen.»

Gladbachs Trainer Marco Rose war nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Spielen erleichtert, «dass wir nun richtig in der Saison angekommen sind. Das Einzige, was ich bemängele, ist, dass wir dem Gegner nochmal den Strohhalm hinhalten». Er bezog sich auf einen Rückpass von Ex-Weltmeister Christoph Kramer aus 30 Metern, der an sein legendäres Eigentor von der Mittellinie in Dortmund erinnerte (17.), diesmal wegen Sebastian Anderssons Pfostenschuss aber folgenlos blieb. Und an das 1:3 durch Rexhbecaj (84.), das nach der eigentlichen Entscheidung durch Lars Stindl (56., Foulelfmeter) hektische Schlussminuten verursachte.

© dpa-infocom, dpa:201003-99-812422/3

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7615217?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F50820%2F
Nachrichten-Ticker