1. FC Köln
Gisdol will nach null Punkten alles auf null stellen

Gerade einmal drei Spieltage sind in der Fußball-Bundesliga gespielt, da steht beim 1. FC Köln schon vieles auf dem Prüfstand. Vor allem Trainer Markus Gisdol nach 13 Spielen ohne Sieg und Torhüter Timo Horn nach dem dritten Fehler bei einem Gegentor stehen in der Kritik.

Sonntag, 04.10.2020, 10:55 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 10:58 Uhr
Steht nach der Heimniederlage gegen Gladbach in der Kritik: Kölns Trainer Markus Gisdol (l) tröstet Elvis Rexhbecaj nach dem Spiel.
Steht nach der Heimniederlage gegen Gladbach in der Kritik: Kölns Trainer Markus Gisdol (l) tröstet Elvis Rexhbecaj nach dem Spiel. Foto: Marius Becker

Köln (dpa) - Diese Statistik ist für Markus Gisdol inzwischen ein Zahlenspiel in Endlosschleife. Als der 1. FC Köln am 11. März zum ersten Geisterspiel bei Borussia Mönchengladbach antrat, teilten die Statistiker mit, dass Gisdol seinen 50. Sieg als Trainer in der Fußball-Bundesliga feiern könnte.

Seitdem kursiert die Zahl vor jedem weiteren Spiel der Kölner. 13 Versuche und rund sieben Monate später wartet Gisdol immer noch auf den ominösen 50. Sieg.

Der 51-Jährige selbst rechnet anders und bezieht die zehn Partien der Vorsaison nicht mit ein. «Was letzte Saison war, interessiert mich null», sagte er nach dem deprimierenden 1:3 (0:2) im Derby gegen Gladbach. Auch die drei Niederlagen zum Saisonauftakt will Gisdol am liebsten direkt vergessen. «Ich freue mich über diesen Break», sagte er mit Blick auf die bevorstehende Länderspiel-Pause: «Wir müssen jetzt einen Neustart machen.» Die Devise lautet also: Nach null Punkten alles auf null stellen.

Einen Neuanfang braucht auch Gisdol in der Tat. Nach seinem sensationellen Zwischenspurt im Vorjahr ist die Euphorie um den Coach längst verflogen. Medial wird er trotz des erst in der Sommerpause bis 2023 verlängerten Vertrages längst angezählt. Der Rückendeckung von Horst Heldt, der im November 2019 gemeinsam mit ihm nach Köln kam, kann sich Gisdol aber noch gewiss sein. Die Frage, ob sich der Coach Sorgen um seinen Job machen müsse, beantwortete der Sportchef mit einem knappen, aber nicht interpretierbaren: «Nein.»

Dass Köln über drei Spiele hinweg nicht so konfus war wie Mainz und Schalke und deshalb auch vor diesen beiden steht, ist pures Glück. Was man Gisdol zugutehalten muss, ist die Tatsache, dass seine fünf neuen Feldspieler alle erst in den vergangenen drei Wochen kamen. Weswegen Gisdol in der Pause vor allem an den Abläufen arbeiten will. Dennoch forderte Heldt auch eine Analyse, warum vor allem die ersten 20 Minuten im Derby «sehr, sehr schlecht» waren. «Es lag jedenfalls nicht daran, dass die Gladbacher ein Mann mehr gewesen waren», sagte er. Auch, wenn es lange so aussah.

Eher eine Erklärung wäre schon das missglückte Taktik-Experiment Gisdols, der zunächst auf eine Fünferkette umgestellt hatte, dies aber in der Halbzeit korrigierte. «Wenn du so ein Zweikampf-Verhalten wie in den ersten 20 Minuten hast, kannst du mit Sechser- oder Achterkette spielen», antwortete der Coach. So sah es auch Torhüter Timo Horn : «Wenn der Einsatz und die Aggressivität nicht stimmen, kannst du jedes System der Welt spielen.»

Und weil Köln neben einer Trainer-Diskussion zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison auch schon eine Torwart-Diskussion hat, gab Gisdol die Rückendeckung zurück. «Es ist zu einfach, wenn man alles auf den Torwart schiebt», sagte er über das 0:2 von Stefan Lainer (16.), dem dritten Tor am dritten Spieltag, das Horn anzukreiden ist: «Da hat vorher jemand nicht aufgepasst. Insgesamt hat Timo einen guten Job gemacht.» In der Tat: Abseits von seinem Patzer zeigte der frühere U21-Nationaltorhüter mehrere starke Paraden. Weswegen sein Fazit lautete: «Ich kann nicht alles abwehren.»

Den nächsten Versuch dazu kann Horn am 17. Oktober gegen Eintracht Frankfurt starten. Dann, wenn Markus Gisdol zum 14. Mal versucht, seinen 50. Bundesliga-Sieg zu feiern.

© dpa-infocom, dpa:201004-99-817667/2

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