18. Spieltag
Hertha-Krise spitzt sich zu: Trainer Labbadia vor dem Aus

Es läuft alles schief für Hertha BSC. Gegen Bremen sind die Berliner lange überlegen. Werder ist aber gnadenlos effektiv und gewinnt klar. Nach der nächsten Niederlage droht Trainer Bruno Labbadia das Aus.

Samstag, 23.01.2021, 22:06 Uhr aktualisiert: 24.01.2021, 19:55 Uhr
Trainer Bruno Labbadia (l) steht nach der Niederlage gegen Bremen vor dem Aus.
Trainer Bruno Labbadia (l) steht nach der Niederlage gegen Bremen vor dem Aus. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) - Bruno Labbadia stand bitter enttäuscht mit beiden Händen in den Manteltaschen am Spielfeldrand und schüttelte immer wieder grimmig den Kopf.

Die Zukunft des Trainers von Hertha BSC ist nach dem 1:4 (1:2) gegen Werder Bremen ungewisser denn je - der «Bild»-Zeitung zufolge steht die Trennung unmittelbar bevor. «Ich habe die Verantwortlichen in Berlin so kennen- und schätzen gelernt, dass man, bevor man an die Öffentlichkeit gehen würde, zu mir kommt», kommentierte Labbadia die Spekulationen: «So ein Verhältnis haben wir.»

Manager Michael Preetz bestätigte die vermeintlich bevorstehende Trennung im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF nicht. «Bitte, ich stehe hier im Stadion unmittelbar nach dem Spiel. Wir haben in der Kabine zusammengesessen und haben nicht über irgendwelche Entscheidungen diskutiert», sagte der 53-Jährige, der selbst schwer in die Kritik geraten ist.

Die Berliner mussten sich im Olympiastadion trotz teilweise klarer Überlegenheit deutlich geschlagen geben und warten nach der zweiten Heimniederlage binnen vier Tagen nur knapp vor der Abstiegszone seit vier Spielen auf einen Sieg. «Eine brutale Enttäuschung», sagte Labbadia sichtlich angefasst. «Es wäre ein Fehler, der Mannschaft vorzuwerfen, sie will nicht.»

Kapitän Niklas Stark äußerte sich zur Trainerfrage nicht. «Das ist nicht meine Entscheidung, nicht meine Sache. Ich komme jeden Tag und gebe 100 Prozent und versuche, mit der Mannschaft da rauszukommen», sagte er. Die Mannschaft müsse dringend punkten. «Und das muss an erster Stelle stehen. Egal wie. Wenn wir die Punkte nicht holen, sehen wir uns unten wieder.»

Der ehemalige Herthaner Davie Selke (10. Minute) per Foulelfmeter, Ömer Toprak (29.), Leonardo Bittencourt (56.) und Joshua Sargent (78.) erzielten zum Rückrunden-Auftakt der Fußball-Bundesliga die Tore für Werder, das sich durch den clever wie effizient herausgespielten Sieg auf Platz zwölf vorschob. «Wir waren sehr effektiv heute», sagte Maximilian Eggestein. Im Moment gehe es nur darum, Punkte zu holen.

Für die Hertha konnte Jhon Cordoba (45.+2) in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nur verkürzen. Matheus Cunha (20.) scheiterte mit einem Foulelfmeter an Werder-Schlussmann Jiri Pavlenka. Hertha bleibt somit vorerst zwei Punkte vor dem Relegationsrang auf Platz 14 und ist meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt.

Rund 250 Hertha-Fans hatten vor dem Anpfiff vor dem Olympiastadion für eine Ablösung von Preetz und Präsident Werner Gegenbauer demonstriert. In ihrer extrem negativen Grundstimmung musste sich die kleine Oppositionsgruppe durch den Spielverlauf schnell bestätigt fühlen. Für die Berliner ging wieder einmal alles schief. Maximilian Mittelstädt holte unnötig Romano Schmidt von den Beinen. Ausgerechnet Selke, von der Hertha im Vorjahr nach Bremen abgeschoben, verwandelte den Strafstoß sicher. Später musste der Angreifer mit bandagiertem Oberschenkel vom Platz.

Cunha versuchte, das Hertha-Spiel anzukurbeln, bestätigte aber auch seinen Ruf als Mini-Neymar. Theatralisch wälzte er sich nach einem Foulspiel von Bittencourt (15.). Jean-Manuel Mbom gab dem Brasilianer kurz darauf im Strafraum einen Schubser. Selbstbewusst schnappte sich der Gefoulte den Ball, verschoss den Strafstoß aber ebenso wie jüngst Krzysztof Piatek beim 0:3 gegen Hoffenheim.

Mehr Ballbesitz, klare optische Überlegenheit. All das nutzte nichts. Denn Toprak entwischte Lucas Tousart beim Eckball und köpfte mit der zweiten Bremer Chance zum zweiten Tor ein. Labbadia konnte sich nur die wie immer bestens gelegten Haare raufen. Kurz vor der Pause kam aber noch das Hoffnungszeichen: Cordoba wuchtete einen Kopfball ins Tor. 325 Minuten torlose Hertha-Zeit waren beendet.

Die Berliner starteten schwungvoll in die zweite Halbzeit. Cunha (47.) bot sich gleich eine Chance zum Ausgleich. Sein Schuss war aber nicht platziert genug. Wie es geht, zeigte wenig später Bittencourt. Elegant nahm er den Ball im Drehen an und schob zum 3:1 ein. Ein Nackenschlag für die Berliner, die die Offensive weiter verstärkten. Erneut Cunha (66.) konnte aber eine klare Chance nicht nutzen. Cordoba (74.) köpfte zu zentral. Bremen legte durch Sargents Fernschuss nach und brachte den Sieg routiniert über die Zeit.

© dpa-infocom, dpa:210123-99-144239/6

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7781248?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F50820%2F
Nachrichten-Ticker