Bundesliga-Serie: Hannover 96
Hannover ist gekommen, um zu bleiben

Hannover -

Als „alternativlos“ bezeichnete Präsident Martin Kind den sofortigen Wiederaufstieg, nachdem Hannover 96 am Ende der Saison 2015/16 als Tabellenletzter in die 2. Bundesliga abgestürzt war. Der Druck war groß, die verjüngte Mannschaft von Trainer André Breitenreiter hielt ihm stand.

Mittwoch, 16.08.2017, 11:08 Uhr

Hannovers Coach André Breitenreiter blickt zuversichtlich auf die neue Spielzeit.
Hannovers Coach André Breitenreiter blickt zuversichtlich auf die neue Spielzeit.

►  Ist Rückkehrer Hannover 96 mehr als nur ein Abstiegskandidat?

„Es gibt meiner Meinung nach keine Mannschaft, die man schon von Anfang an auf den Abstiegsplatz setzen kann“, sagt 96-Coach Andre Breitenreiter . Die Buchmacher sehen das anders. Bei Wettanbieter Mybet steht Hannover zusammen mit Mainz auf dem letzten Platz, wenn es um die Quote für den Titelgewinn geht. Wer 100 Euro auf die Niedersachsen setzt, bekäme im (unwahrscheinlichen) Fall des Falles bei einer Quote von 750 satte 75 000 Euro zurück. Mitaufsteiger VfB Stuttgart (Quote 250) wird deutlich mehr zugetraut. Immerhin lässt sich mit Hannover Geld verdienen – im Gegensatz zu Bayern München. Wer 100 Euro auf den Rekordmeister setzt, bekommt gerade mal 14 Euro Gewinn ausgezahlt. Zwei Stadionwürste und zwei Bier – dann ist das Geld schon wieder weg.

►  Was sind Hannovers große Trümpfe?

Heimstärke und Abwehrstärke. In der vergangenen Saison glänzten die Niedersachsen mit der besten Heimbilanz und den wenigsten Gegentoren der 2. Liga. Zum Rundenausklang gab es gleich sechs Zu-Null-Heimerfolge in Serie. Darauf lässt sich aufbauen.

►  Lässt Breitenreiter seinen Spielern außerhalb des Platzes zu viele Freiheiten?

Hannovers Trainer wirkt bisweilen wie der Gegenentwurf zu den Asketen und Ernährungsdogmatikern, die in den vergangenen Jahren die Liga eroberten. Spieler, die Nutella zum Frühstück essen oder gelegentlich eine Zigarette rauchen? „Das juckt mich nicht. Da bin ich völlig entspannt und gelassen“, sagt Breitenreiter. Auch Cola ist nicht verboten. Aber die Freiheit hat Grenzen: „Die Spieler können ja mal zwei Flaschen Cola am Abend vor einem Spiel trinken. Dann sehen sie ja, ob sie damit marschieren können“, warnt der Coach und setzt auch schon mal Testspiele über 120 Minuten an. Da können Nutella-Esser, Cola-Trinker und Raucher ihren Fitnesszustand überprüfen.

►  Was ist dran an den Gerüchten um Hamburgs Pierre-Michel Lasogga?

Richtig ist, dass Hannover noch einen Stürmer sucht. Falsch ist laut Horst Heldt, dass Lasogga ein Kandidat sei. Der 96-Manager hatte das Gerücht um den Angreifer, den der Hamburger SV gerne von der Gehaltsliste hätte, ein paar Tage auf niedriger Flamme köcheln lassen. Dann dementierte er: „Nichts dran.“ Dabei hätte sich Lasogga, der weltlichen Genüssen abseits des Platzes nicht abgeneigt scheint, bei Nutella, Cola und Zigaretten in Hannover sicher ziemlich wohl gefühlt.

►  Kann sich der Aufsteiger auf seine Fans verlassen?

Dass die 96er schon fünf Wochen vor dem Saisonstart 22 000 Dauerkarten verkauft hatten – so viel wie in ihrer letzten Bundesliga-Saison – spricht für lautstarke Unterstützung von den Rängen. Doch ausgerechnet im Aufstiegsjahr droht ein Stimmungsboykott, wie ihn die Ultras in der Saison 2014/15 schon einmal praktizierten. Zwischen Club-Boss Martin Kind und den Hardcore-Anhängern verläuft ein tiefer Graben. Kinds Basta-Politik erinnert immer mehr an den 96-Aufsichtsratschef und Altkanzler Gerhard Schröder. Im Herbst will der starke Mann endgültig die ganze Macht im Verein an sich reißen. Dann ist er 20 Jahre Präsident, kann mit dem Segen der DFL die 50+1-Regel umgehen und die Mehrheit des Clubs übernehmen. Es wird bereits mit harten Bandagen gekämpft. Jüngst lehnte der Verein die Aufnahmegesuche von 119 neuen Mitgliedern ab. „Im Interesse des Vereins“, wie Kind wortkarg verlauten ließ. Die Antragsteller wurden allesamt der Opposition zugerechnet.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Julian Korb (25 Jahre, Borussia Mönchengladbach, Ablöse: 3 Millionen Euro); Michael Esser (29, SV Darmstadt, 2 Mio.); Pirmin Schwegler (30, TSG 1899 Hoffenheim, ablösefrei); Matthias Ostrzolek (27, Hamburger SV, ablösefrei); Yousef Emghames (19, U 19 FC Bayern München, ablösefrei); Tom Baller (18, U 19 Borussia Mönchengladbach, ablösefrei); Lars Ritzka (19, U 19 Hannover 96), Mete Kaan Demir (19, U 19 Hannover 96); Babacar Gueye (22, SV Zulte-Waregem/Belgien, Leih-Ende); Mevlüt Erdinc (30, FC Metz, Leih-Ende)

Abgänge: Artur Sobiech (27, VfL Bochum, ablösefrei); Babacar Gueye (22, VV St. Truiden/Belgien, Leihe), Elias Huth (RW Erfurt/Leihe), Mevlüt Erdinc (Basaksehir/Türkei, ablösefrei), Stefan Strandberg (Krasnodar/Russland, Leih-Ende)

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