Interview mit Manuel Neuer
Nationalkeeper über Spontaneität, das Team und Elfmeter - „Vielleicht bin ich reifer geworden“

Danzig -

Manuel Neuer gilt als einer der besten Torhüter der Welt. Bei der EM in Polen und der Ukraine bestreitet er sein zweites großes Turnier nach der WM 2010 in Südafrika. Zwei Tage vor dem Viertelfinale gegen Griechenland sprach der 26-Jährige mit unserem Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger.

Donnerstag, 21.06.2012, 13:06 Uhr

Interview mit Manuel Neuer : Nationalkeeper über Spontaneität, das Team und Elfmeter - „Vielleicht bin ich reifer geworden“
Foto: dpa

Bei der EM beginnen jetzt die K.o-Runden. Stehen Sie wieder als Schütze bereit wie im Chamions-League-Finale gegen Chelsea?

Manuel Neuer : Ach, das war eine spontane Aktion. Im Nationalteam haben wir genügend Elfmeterschützen.

Wie gut sind Sie als Torhüter auf ein Elfmeterschießen vorbereitet? Gibt es da einen Zettel wie ihn 2006 Jens Lehmann zugesteckt bekam?

Neuer: Bei mir gab es noch nie einen Zettel. Ich informiere mich im Voraus und versuche dann, mir alles zu merken.

Beschreiben Sie bitte die psychologische Situation im ultimativen Duell Schütze gegen Torwart, wie sind die entscheidenden Sekunden vor dem Schuss?

Neuer: Ich kann da ja nur für den Torwart sprechen, also: Ich mache mich groß, beobachte den Schützen ganz genau und dann gilt es, die richtige Entscheidung zu treffen.

Sie haben bei dieser EM bislang ohne Fehl und Tadel gespielt, waren aber nie „Man of the Match“. Vielleicht, weil sie noch nicht genug Arbeit hatten?

Neuer: Diese Auszeichnung ist kein Ziel, im Teamsport zählt die Mannschaft, da brauche ich kein persönliches Bonbon. Außerdem werde ich mir jetzt nicht wünschen, viel zu tun zu bekommen.

Sie hatten hier bei der EM schon mehrere Phasen mit geringer Beschäftigung. Wie wichtig ist es für einen Torwart, aktiv am Spiel teilzunehmen?

Neuer: Es ist immer gut, wenn du früh einen Ball bekommst, der dich fordert. Dann bist du im Spiel, das gibt ein gutes Gefühl. Wenn es lange dauert bis zum ersten Ball, kann das ganz unangenehm sein.

Gegen Dänemark haben Sie einen Zweikampf weit außerhalb Ihres Strafraums geführt. War das nicht ein bisschen tollkühn?

Neuer: Nein, so ist ja mein Spiel. Ich habe in dieser Szene gespürt, dass ich raus und aushelfen musste. Und es war ja alles gut.

Wie hat der Bundestrainer Ihren Ausflug beurteilt?

Neuer: Er hat mich nicht darauf angesprochen, das ist ein gutes Zeichen.

Im Viertelfinale ist nun Griechenland der Gegner: Wie haben Sie die Griechen beim EM-Triumph 2004 erlebt?

Neuer: Sie hatten eine gute Taktik. Das war zwar sehr defensiv, aber auch das gehört beim Fußball dazu.

Vielen Fans hat es dennoch nicht gefallen...

Neuer: Ich bin kein Zuschauer, der sich auf die Tribüne setzt und sich auf ein schönes Spiel freut. Ich bin Spieler und Profi. Und für uns zählt am Ende des Tages nur der Sieg. Aber natürlich freut man sich, wenn die eigene Mannschaft auch noch gut spielt.

Die Griechen sind große Defensivstrategen. Was zeichnet sie noch aus?

Neuer: Sie sind agressiv, stark im Zweikampfverhalten und sie spielen mit viel Leidenschaft. Auffällig ist zudem ihre Stärke bei Standardsituationen.

Für die Griechen hat das Spiel gegen Deutschland auch eine politische Note. Interessieren Sie sich für Politik, Wirtschaft und andere Dinge abseits des Sports?

Neuer: Natürlich, ich schaue die Tagesschau, wan immer es möglich ist.

Die EM geht allmählich in ihre entscheidende Phase. Haben Sie taktische Neuerungen gesehen?

Neuer: Nein, man kann den Fußball ja auch nicht neu erfinden. Was mir auffällt, ist, dass viele Spiele sehr eng sind.

Aber das Spiel der deutschen Mannschaft hat sich schon verändert. Die Null soll stehen ...

Neuer: Das hat ja jetzt zweimal schon nicht geklappt. Aber klar: Es ist sehr wichtig, defensiv gut zu stehen. Ich kann mich an kaum ein Spiel erinnern, das bei dieser EM gedreht wurde.

Für den Bundestrainer ist Spanien der große Favorit. Wie sehen Sie das?

Neuer: Ja, sie sind schließlich amtierender Welt- und Europameister. Aber wir werden versuchen, das zu ändern.

Vor einem Jahr haben Sie den Wechsel zum FC Bayern bekanntgegeben. Was hat sich für sie verändert?

Neuer: Ich stehe noch mehr auf eigenen Beinen und muss mehr Verantwortung übernehmen, vielleicht bin ich reifer geworden.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/939235?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F704965%2F704860%2F746722%2F1044073%2F
Nachrichten-Ticker