Fußball: Euro 2016
Musterschüler Joshua Kimmich  

Évian -

Joshua Kimmich hat sein Abi mit einem Schnitt von 1,7 gemacht, da kann man nicht meckern. Auch bei der Nationalmannschaft gibt der junge Mann glaubwürdig den Musterschüler.

Freitag, 24.06.2016, 17:06 Uhr

Joshua Kimmich hat es bei den Bayern geschafft – und glänzt jetzt im Adler-Dress des DFB, gegen die Slowakei vielleicht zum dritten Mal in seiner Karriere.
Joshua Kimmich hat es bei den Bayern geschafft – und glänzt jetzt im Adler-Dress des DFB, gegen die Slowakei vielleicht zum dritten Mal in seiner Karriere. Foto: Arne Dedert

Unaufgeregt, fokussiert, cool - Novize Joshua Kimmich bewegt sich bei diesem EM-Turnier wie einer, der noch nicht Alles, aber schon Vieles erlebt hat. Der Bundestrainer hat sich da einen fleißigen Musterschüler ins Boot geholt, den schon auf dem Gymnasium der Ehrgeiz antrieb. Klassensprecher, Abi mit Schnitt 1,7, der Rektor – und das ist verbrieft – erinnert sich gern an den ganz jungen Kimmich. Ganz jung ist er nun nicht mehr, aber ziemlich schnell ganz weit gekommen. Tatsächlich spricht nichts dagegen, dass der 21-jährige gebürtige Schwabe am Sonntag (18 Uhr/ ZDF ) beim EM-Achtelfinale gegen Kroatien in Lille sein drittes Länderspiel bestreitet.

Kimmich stammt aus Rottweil, er wechselte mit zwölf in die Kaderschmiede des Bundesligisten Stuttgart, der VfB lieh ihn sechs Jahre später an den damaligen Zweitligisten RB Leipzig aus und verkaufte ihn schließlich im Sommer 2015 an den FC Bayern. Sieben Millionen Euro nahmen sie im Ländle ein, ein hübsches Sümmchen dachte der sparsame Schwabe, dabei übersah er offenbar die Qualitäten des Talents. Als sich Kimmich in München die ersten wahren Meriten verdiente, gingen in Stuttgart mit (Ex-)Trainer Alex Zorninger die Gäule durch. Er könne wirklich jeden erschlagen, der an dieser Entscheidung beteiligt war, sagte er aufgebracht.

Auf der Überholspur in die Nationalmannschaft

Man kann Zorningers verbale Explosion durchaus verstehen, schließlich ist Kimmich bei den großen Bayern schnell zu einem wertvollen Spieler gereift und kurz vor der EM dann auch noch Nationalspieler geworden. In München hat ihm Coach Pep Guardiola („Ich liebe diesen Jungen“) offen die besondere Zuneigung gestanden, so weit ist Joachim Löw noch nicht, aber das ist bekannt: Der Bundestrainer hält große Stücke auf den vielseitig verwendbaren Profi.

Vergleiche mit dem jungen Philipp Lahm

Kimmichs Welt hat sich in den vergangenen drei Jahren rasant verändert. Zurzeit könne er in München noch nahezu unerkannt über die Straße gehen, sagte er gestern. Das wird bald nicht mehr so sein. Jeder Einsatz auf der Wiese schiebt ihn näher ans Licht, der Bursche mit ausgeprägter Familienverbundenheit, hat, wenn er die teuren Füße auf dem Boden hält, noch sehr viel vor sich. Bayerns Talentschmied Hermann Gerland, ein Mann mit feinem Gespür für besondere Befähigungen, verglich Kimmich nach dessen erstem EM-Einsatz am Dienstag gegen Nordirland sogar mit dem jungen Philipp Lahm. Ein Ritterschlag, dem sich der Spieler unverzüglich entzog. „Nein, wir sind nicht vergleichbar. Philipp ist der beste Außenverteidiger der Welt.“

Kimmich hat im DFB-Tross rasch viele Freunde gewonnen. Besonders unter den bayrischen Mitspielerin. Beim Müller Thomas holt er sich „Tipps“, mit Manuel Neuer spielt er Tennis; allerdings weniger erfolgreich als Fußball auf dem Platz. Neuer beschreibt den „Neuen“ als verlässlich: „Ich habe ein gutes Gefühl, wenn Josu auf dem Platz steht.“ Vor der Partie mit den Slowaken fordert der Welttorhüter Seriösität ein: „In einem Spiel kann alles passieren.“

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