Fußball: Deutsche Elf im Viertelfinale
Löw-Elf unglaublich souverän

Lille -

Das war eine klare Sache: Die DFB-Auswahl ließ sich von der Slowakei nicht aufhalten und kam zu einem souveränen 3:0-Sieg. Es war der bislang beste Auftritt der Jungs von Bundestrainer Joachim Löw.

Sonntag, 26.06.2016, 21:06 Uhr

Ich heb’ ab: Nichts hält Jerome Boateng am Boden, nachdem er nicht nur das 1:0, sondern auch seinen ersten Länderspieltreffer erzielt hat.
Ich heb’ ab: Nichts hält Jerome Boateng am Boden, nachdem er nicht nur das 1:0, sondern auch seinen ersten Länderspieltreffer erzielt hat. Foto: Witters

Das hatte niemand anders erwartet: Deutschland bleibt im EM-Turnier. Mit einem 3:0 (2:0)-Erfolg über Debütant Slowakei qualifizierten sich die Schützlinge von Joachim Löw am Sonntagabend in Lille einigermaßen eindrucksvoll für das Viertelfinale. Das nächste K.o.-Spiel führt den Turnierfavoriten am Samstag nach Bordeaux.

Dort kommt es ab 21 Uhr zum Knüller gegen Italien oder Spanien, die erst am Montag ihr Achtelfinale im brisanten direkten Aufeinandertreffen bestreiten. Die deutsche Mannschaft wird mit großem Interesse und vergleichsweise ausgeruht zuschauen. Ihre Partie gegen überforderte Slowaken hatte in der letzten halben Stunde dann doch Züge eines Spaziergangs.

EM-Achtelfinale: Deutschland - Slowakei

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  • Die Startformation der DFB-Elf (hintere Reihe, v.l.): Manuel Neuer, Toni Kroos, Jonas Hector, Mats Hummels, Mario Gomez, Sami Khedira, Jeroma Boateng; (vordere Reihe vl.) Julian Draxler, Joshua Kimmich, Thomas Müller und Mesut Özil.

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  • Die Mannschaft hinter der Mannschaft...

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  • Deutschlands Mittelfeldakteur Sami Khedira umzingelt von Gegenspielern - trotzdem kommt er zum Kopfball.

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  • Sitzfußball mit dem deutschen Abwehrmann Mats Hummels (r.) und seinem Gegenspieler Michal Duris.

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  • Bereits in der achten Spielminute zappelte der Ball im Netz der Slowakei.

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  • Torschütze Jerome Boateng freut sich über seinen Führungstreffer zum 1:0.

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  • Trotz der großen Bedeutung der Partie: Faires Miteinander zwischen dem Slowaken Milan Skriniar (l.) und dem Deutschen Thomas Müller.

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  • Die undankbare 13. Spielminute: Der deutsche Mittelfeldstratege Mesut Özil scheitert mit einem Elfmeter am slowakischen Keeper Matus Kozacik.

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  • Seht her - ich war‘s: Der deutsche Stürmer Mario Gomez freut sich über sein Tor zum 2:0.

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  • Kollektiver Jubel: Torschütze Mario Gomez (2.v.l.) wird von seinen Teamkollegen beglückwünscht.

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  • Arbeitsnachweis: Deutschlands Torhüter Manuel Neuer fängt einen Ball ab.

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  • In dieser Szene hadert der deutsche Stürmer Thomas Müller entweder mit sich, dem Schiedsrichter oder vielleicht auch mit der Gesamtlage...

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  • Der glänzend aufgelegte Julian Draxler (l.) trat auch als Torschütze zum 3:0 positiv in Erscheinung.

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  • Abgeschirmt hat in dieser Szene Matus Kozacik, der Keeper der Slowakei, den Ball vor dem anstürmenden Mario Gomez.

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  • Fortsetzung des Fair Plays: Thomas Müller (l.) reicht seinem Gegenspieler Jan Durica die Hand...

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  • ...und wird von Juraj Kucka (l.) selbst mit einer fairen Geste bedacht.

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  • Erster EM-Auftritt in Frankreich von „Prinz Poldi“: Lukas Podolski (2.v.r.) wurde für Julian Draxler (l.) eingewechselt.

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  • Gut gemacht! Die DFB-Elf freut sich über den souveränen 3:0-Erfolg über die Slowakei.

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Sonderlich viel ließ der Bundestrainer in diesen ersten zweieinhalb EM-Wochen noch nicht rotieren. Wirkliche Bewegung gab es nur auf der linken Angriffsseite. Zwei Mal stand dort Julian Draxler in der Startelf, einmal Mario Götze. Nun durfte wieder der Wolfsburger auf die Wiese und empfahl sich als „Man of the match“ eindrucksvoll für weitere Nominierungen.

„Ich bin froh, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe und der Mannschaft helfen konnte“, sagte der Spieler. Götze, auch schon in der Spitze eingesetzt, flog komplett raus. Gewiss eine Reaktion auf die bislang mäßigen Leistungen des wuseligen Dribblers.

Fußball-EM: Deutschland vs. Slowakei - die Spieler-Einzelkritik

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  • Manuel Neuer - Note 1,5:

    Der Kapitän trug Schwarz, hatte aber keinen Grund zur Trauer. Zeigte die komplette Palette seiner hohen Torhüterkunst: Sprints in höchster Not sowie eine spektakuläre Luftrettung, als er nach einem Kucka-Kopfball den Ball über die Latte wischte. Unbezwingbar wie Fort Knox: Seit 450 Minuten ohne Gegentor. 

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  • Joshua Kimmich - Note 3:

    Hat jetzt zwei Drittel seiner Länderspiele gegen die Slowakei gemacht. Musste erfahren, dass auch für ihn die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Engagiert und laufstark, aber in der Abwehr kam er beim Kopfball von Kucka zu spät. 

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  • Jérôme Boateng - Note 2:

    Boah, Peng! Erstes Länderspiel-Tor im 63. Spiel mit einem satten Rechtschuss. Sprang danach vor Freude so hoch wie ein Rehbock auf der Flucht. Erster Adressat des Jubellaufs war Doc Müller-Wohlfahrt, der Boatengs Wade gesundgepflegt hatte. Und weil Boateng es gerne spektakulär macht, klärte er auch mal mit der Hacke. 

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  • Mats Hummels - Note 2,5:

    Der Neu-Bayer oder Alt-Dortmunder war erneut ein guter Dirigent der Abwehr. Konzentriert. Kraftvoll. Kopfballstark. Ohne Fehl und Tadel. 

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  • Jonas Hector - Note 3:

    Der Linksverteidiger ist der Dauerbrenner: Seit dem 25. März 2015 stand der 26-Jährige in sämtlichen 17 Länderspielen als Einziger in der deutschen Startformation. Belohnt das Vertrauen durch konstant gutes Spiel. Nur die Flanken sind zu unpräzise. 

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  • Sami Khedira - Note 2,5:

    Die eine Hälfte der Doppel-Sechs spielte wieder souverän und gewohnt zweikampfstark. Der Abräumer, zuverlässig wie ein deutscher Finanzbeamter. 

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  • Julian Draxler - Note 2:

    Deutschland hat keine Eins-gegen-eins-Spieler? Oh doch! Der Schalk . . . äh, Wolfsburger machte eine klasse Partie und tanzte auf der linken Seite mit so manchem Slowaken aus. Bereitete mit elegantem Solo zur Grundlinie und feinem Außenristpass das 2:0 durch Gomez vor. Belohnte sich
    mit seinem zweiten Länderspieltreffer (62. Minute). 

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  • Mesut Özil - Note 3:

    Mal grazil wie beim Hackenpass auf Kimmich. Mal schlampig wie beim ein oder anderen Abspiel. Scheiterte in der 13. Minute mit einem Foulelfmeter, den der slowakische Keeper gut parierte. Wartet weiter auf den ganz großen Moment in diese Turnier. 

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  • Toni Kroos - Note 3:

    Anfangs wunderbare 50-m-Diagonalpässe auf Kimmich mit der Präzision eines Chirurgen. Tauchte im Verlauf des Spiels etwas unter, aber nahezu alles, was der Real-Kicker anstellte im Mittelfeld, hatte Hand und Fuß. Apropos Fuß: Hatte da in der Nachspielzeit das 4:0 drauf, da war der Chirurg aber schon müde: Die Operation missglückte.

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  • Thomas Müller - Note 3:

    Auch in seinem 75. Länderspiel musste sich der Stürmer seine Erfolgserlebnisse in der Defensive holen: Stibitzte mehrmals den Slowaken den Ball. Hat im Angriff aber weiterhin so viel Glück wie Donald Duck. Müller rackerte. Müller rannte. Müller rotierte. Aber am Ende blieb ihm nur das Schädelbrummen nach einem Zusammenprall mit Martin Skrtel. 

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  • Mario Gomez - Note 2:

    Er fühlt sich nach seiner Rückkehr wohl wie ein Fisch im Wasser im Nationalteam. Holte einen Elfmeter raus und erzielte eiskalt und trocken das wichtige 2:0, das ihm Draxler wunderbar serviert hatte. Sein 29. Länderspieltor. Tut, was ein Stürmer tun muss: treffen. 

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  • Benedikt Höwedes - Note 3:

    Rückte in der 71. Minute für Boateng in die
    Innenverteidigung. Kein unnötiges Risiko vor dem Viertelfinalkracher gegen Italien oder Spanien. Der Schalker erfüllte die Aufgabe tadellos. 

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  • Lukas Podolski - Note 3:

    Er will ja kein Maskottchen sein, ist aber trotzdem Publikumsliebling. Die Fans feierten Poldis 129. Länderspiel (ab der 71. für Draxler) und ersten Turniereinsatz mit Gesängen bei jedem Ballkontakt. Mehr als das Hurra war aber nicht. 

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  • Bastian Schweinsteiger - Note 3:

    Löws „emotional leader“ kam in der 74. Minute für Khedira und ordnete das Spiel von der Doppelsechs aus. Für nennenswerte Akzente reichte die Viertelstunde allerdings nicht. 

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Der Weltmeister startete furios, in der siebten Minuten stellte Mario Gomez Schlussmann Matus Kozazcik auf die erste Probe, 60 Sekunden später rauschte die Kugel am machtlosen 32-jährigen Keeper vorbei ins Netz. Nach einem zunächst abgewehrten Standard hatte Jerome Boateng aus 20 Metern volley und erfolgreich Maß genommen. Erstes Tor im 63. Länderspiel , da war dann für keinen im Vier-Sterne-Trikot der Weg zum Torjubel zu weit. Schließlich musste der Mitspieler sechs Jahre, acht Monate und 16 Tage auf diesen besonderen Moment warten.

Klasse Start, frühe Führung, da hatten sich andere Favoriten deutlich schwerer getan. Und der Weltmeister legte nach. Ständige Positionswechsel bescherten den Slowaken viel Kopfarbeit und einige Unruhe. Deutschland wollte die Partie früh entscheiden und hatte Chancen. Die beste per Elfmeter (13.): Mesut Özils Schuss war für Kozacik jedoch leichte Beute.

Vielleicht ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit. Martin Skrtel hatte sich im vorangegangenen Zweikampf mit Mario Gomez zwar nicht für den Friedensnobelpreis empfohlen, doch gar so schlimm war der Kontakt dann auch nicht. Strafstoß gab es dennoch. Die DFB-Elf verarbeite den Fehlschuss mühelos, sie blieb engagiert, temperamentvoll und zielstrebig.

Gomez und Özil beklagten ein bisschen Pech bei guten Abschlüssen, Gomez schlug dann doch noch zu: Nach grandioser Vorarbeit von Draxler traf der fleißige Mittelstürmer aus kurzer Distanz zum 2:0 (43.). Ein wichtiges und wertvolles Tor, kurz zuvor hatten die spürbar eingeschüchterten Slowaken bei einem Konter in Person von Juraj Kucka überraschend aufbegehrt und Manuel Neuer zu einer Glanztat gezwungen (41.).

Der Außenseiter änderte zur Halbzeit die Taktik, 45 Minuten blieben den Slowaken, um den Aufenthalt in Frankreich zu verlängern. Draxler nahm den Blauhemden rasch den letzten Funken Zuversicht: Nach Ecke des fabelhaften Toni Kroos flog ihm der Ball über einen kleinen Umweg direkt auf den Fuß, 3:0 (63.), damit war die Messe gelesen. Auf den Tribünen wurde fortan gefeiert, die Einwechslung von Lukas Podolski gab dem Treiben sogar noch eine folkloristische Note.

Kommentar

Noch nicht gesättigt

Der Bundestrainer hat es am Sonntagabend noch einmal wiederholt. Und ihm ist natürlich Recht zu geben. Die Fußball-Mannschaften, die in Europa mit wirklich großem Kaliber schießen, kommen erst noch.

Gleichwohl ist nach dem ersten K.o.-Spiel festzuhalten, dass der Weltmeister auf Kurs ist und es sehr schwierig wird, ihn davon abzuhalten, nun auch nach der kontinentalen Krone zu greifen. Besser als die deutsche Mannschaft an diesem Abend ist in Frankreich bisher kein Team aufgetreten.

Der souveräne Erfolg über die Slowakei zeigte der Konkurrenz nachhaltig, dass die Nummer eins der Welt noch nicht gesättigt ist. Gestern gewann sie ihr Achtelfinale auch ohne den finalen WM-Torschützen Mario Götze. Und Bastian Schweinsteiger kam erst, als die Partie längst entschieden war. Dieser Kader ist auch in der Breite herausragend aufgestellt und kann sich während des Turniers noch steigern.

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