Deutschland schlägt Italien im Elfmeterschießen
Spiele wie dieses machen Fußball so faszinierend

Bordeaux -

Durchatmen. Beim Sieg gegen Italien brauchte die deutsche Nationalmannschaft eine ordentliche Portion Glück. Aber ist das schlimm? Nein, im Gegenteil!

Sonntag, 03.07.2016, 11:07 Uhr

Deutschland schlägt Italien im Elfmeterschießen : Spiele wie dieses machen Fußball so faszinierend
Jonas Hector verwandelt als neunter deutscher Schütze seinen Elfmeter und bringt das DFB-Team damit ins EM-Halbfinale Foto: dpa

Und dann hatte Gary Lineker doch Recht: Am Ende gewinnen immer die Deutschen. Und sei es in der Elfmeter-Lotterie. Eine Frage der Qualität? Tatsächlich hat der viermalige Weltmeister seit dem Finale 1976, als Uli Hoeneß den Ball in die Erdumlaufbahn katapultierte, in einem WM- oder EM-Spiel keine Partie mehr vom Punkt verloren. Trotzdem bleibt der „Shootout“ weitest gehend Zufall; mit Fußball hat dieses ultimative Finale eines Spiels nur wenig zu tun.

Manuel Neuer räumte denn auch eine Dosis Glück ein. Sie gehört dazu, wenn man Großes erreichen will. Deutschland ist vor zwei Jahren Weltmeister geworden, der 7:1-Erfolg in und gegen Brasilien hat diese Vier-Sterne-Generation unsterblich gemacht. Aber auch damals gab es kritische Momente. Im Achtelfinale gegen Algerien bedurfte es einer Verlängerung. Tatsächlich fehlte nicht viel und das 7:1 wäre nie in die Geschichtsbücher geschrieben worden.

 

Deutschland - Italien: die Spieler-Einzelkritik

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  • Manuel Neuer - Note: 1,5:

    Der Viertelstundenkapitän war in seinem 70. Länderspiel meist
    als Anspielstation gefragt. Starker Ausflug auch, als einen Ball nach
    Sprint mit der Brust abfing. War beim ersten Gegentor bei dieser EM, per Elfmeter durch Bonucci, machtlos. Erstmals seit 528 Minuten wieder
    bezwungen. Wurde im Elfmeterschießen zum Helden, hielt zwei Schüsse und
    besiegte das deutsche Italien-Trauma. 

    Foto: Witters
  • Benedikt Höwedes - Note: 3:

    Löws Taktikänderung spülte den Schalker als rechtes Glied der Dreierkette wieder ins Team. Solide Schichtarbeit des Ruhrpott. 

    Foto: dpa
  • Jérôme Boateng - Note: 3:

    Das Bollwerk hielt auch gegen die Italiener lange Zeit den Laden dicht. Machte in der 78. Minute jedoch im Zweikampf die Armbewegung eines Hampelmannes. Als hätte jemand am Faden gezogen. Handspiel. Elfmeter. Machte den Fehler durch sicheren Elfmeter im Shootout fast wieder wett. Ausgleich. 

    Foto: Witters
  • Mats Hummels - Note: 2:

    Feierte sein 50. Länderspiel mit einer guten Leistung: Auffällig vor allem das erstklassige Stellungsspiel des Verteidigers, stand immer am rechten Fleck. Gesperrt im Halbfinale, erielt Gelb. Traf im Elfmeterschießen sicher. 

    Foto: dpa
  • Joshua Kimmich - Note: 3:

    Schien mit Pattex festgeklebt an der rechten Außenlinie. Hatte seine Schwierigkeiten, den offensiven Zuschnitt seiner Rolle
    auszufüllen. Teilweise etwas fahrig, als ihm die Bälle ins Aus tröpfelten, fand mit zunehmender Dauer besser ins Spiel. Entdeckte die Eckfahne für einen Doppelpass. Bewies im Elfmeterschießen Nervenstärke. 

    Foto: Witters
  • Jonas Hector - Note: 2,5:

    Der Kölner war als linker Außen gefragt, die Offensive ist aber nicht die Stärke von Löws Dauerbrenner. Immerhin, eine abgefälschte Flanke von ihm titschte Buffon fast ins Tor. Bereitete das Führungstor durch Özil mit einem klugen Laufweg vor, war gegen Ende aber unkonzentriert. Behielt die Nerven und verwandelte als neunter Schütze den entscheidenden Elfmeter. 

    Foto: Witters
  • Sami Khedira - keine Benotung:

    Der Antriebsmotor des deutschen Spiels musste schon nach 15 Minuten zur Reparatur: Sah nach Adduktorenproblemen aus. 

    Foto: Witters
  • Toni Kroos - Note: 3:

    Der Stratege hatte in seinem 70. Länderspiel wieder wahnsinnig viele Ballkontakte. An diesem Abend ein Mann der kleinen Pässe in der Defensive. Kaum zündende Akzente nach vorne. Verwandelte seinen Elfmeter sicher. 

    Foto: Witters
  • Thomas Müller - Note: 4,5:

    Mögen hätt‘ er schon wollen, aber dürfen hat er sich nicht getraut. Der Fußball-Valentin ist weiter vom Glück verlassen. Irgendwie ein Schatten seiner Selbst, und als er nach einem Billardangriff plötzlich
    aussichtsreich den Ball auf dem Fuß hatte, da freute sich Buffon über die Rückgabe. Gleiches gilt fürs Elfmeterschießen. 

    Foto: dpa
  • Mesut Özil - Note: 2,5:

    Die Explosion des Hochbegabten: Brachte mit seinem Tor in der 65. Minute alle Kritiker zum Schweigen. Der Mann, der den Italien-Fluch besiegte und damit in die Geschichtsbücher Einzug hielt. Ach so: Spielte auch sonst gut und schlug ein, zwei seiner Zauberpässe. Verlud Buffon im Elfmeterschießen, schoss aber an den Pfosten. 

    Foto: dpa
  • Mario Gomez - Note: 2,5:

    Fremdelte zunächst mit diesem Viertelfinale. Kämpfte sich aber rein in die Partie und gilt mit einem genialen Zuspiel auf Hector als Initiator des Führungstreffers. Hatte kurz darauf das 2:0 machen können. Statt Tor hieß es Kabine: Raus mit Oberschenkelproblemen in der 72. Minute.

    Foto: Witters
  • Bastian Schweinsteiger - Note: 3,5:

    Früher als erwartet kam der Kapitän aufs Feld. 119. Länderspiel. Fügte sich auch gleich wieder mit einem Tor ein. Zählte nur nicht: Der Mittelfeldspieler hatte sich in Bud-Spencer-Manier Zugang zum Ball verschafft. Mühte sich durch das Spiel, und schoss im Elfmeterschießen über das Tor. 

    Foto: Witters
  • Julian Draxler - Note: 2,5:

    Der Held des Achtelfinales musste zunächst zurück auf die Bank. Kam kurz vor Ende der regulären Partie. Hatte vor allem in der zweiten Hälfte der Verlängerung einige starke Offensivaktionen. Mit Schmackes im Elfmeterschießen. 

    Foto: dpa

 

Manchmal ist Fußball ein Drama, bei dem nicht einmal der Regisseur weiß, wie es ausgeht. Das macht den Lieblingssport auf unserem Planeten so faszinierend. Der Zuschauer berauscht sich am Schicksal der Protagonisten und schlüpft selbst in ein Trikot, ohne zu wissen, was es ihm verheißt und wie der Abend endet: Glücksrausch oder Tragödie.

Deutschland steht im Halbfinale. Vor der Partie mit den Verteidigungskünstlern aus Italien haben alle Spieler und auch der Bundestrainer gesagt, dass es im Viertelfinale keinen härteten Gegner habe geben können. Was im Umkehrschluss bedeutet: Das schwerste Stück des Weges ist geschafft. Genau daran wird der Weltmeister fortan gemessen. Seit Samstag um kurz vor Mitternacht ist er Favorit auf den Turniersieg. Aber noch lange nicht am Ziel. Und da spielt es keine Rolle, wie Gary Lineker das so sieht.

EM-Viertelfinale: Deutschland - Italien

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  • Diese Elf bekam vorm Anpfiff das Vertrauen von Bundestrainer Joachim Löw (hintere Reihe, v.l.): Manuel Neuer , Toni Kroos, Mats Hummels, Mario Gomez, Sami Khedira, Jerome Boateng; (vordere Reihe, v.l.) Jonas Hector, Joshua Kimmich, Benedikt Höwedes, Thomas Müller und Mesut Özil.

    Foto: dpa
  • Vor Beginn der Partie legten die Mannschaften eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags in Bangladesch ein.

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  • Einen schweren Stand hatte Deutschlands Nachwuchs-Hoffnung Joshua Kimmich (r.) - hier im Duell mit dem Italiener Mattia De Sciglio.

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  • Hiobsbotschaft für Bundestrainer Joachim Löw: Mittelfeldspieler Sami Khedira musste frühzeitig in der ersten Halbzeit bereits verletzungsbedingt ausgewechselt werden.

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  • Für Sami Khedira (l.) kam Bastian Schweinsteiger ins Spiel.

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  • Sieht gefährlich aus: Artistisch fliegt der Italiener Stefano Sturaro (r.) heran - Jonas Hector ist ebenfalls auf den Ball fixiert.

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  • Löw in Gefahr: Der deutsche Bundestrainer wird in seiner Coaching-Zone beinahe vom italienischen Spieler Emanuele Giaccherini umgegrätscht...

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  • ...alles gut - Italiens Emanuele Giaccherini (2.v.l.) und Bundestrainer Joachim Löw mit einer fairen Geste.

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  • Im Fokus des Schiedsrichters: Deutschlands Abwehrmann Mats Hummels (M.) schirmt den Ball vor seinem Gegenspieler ab.

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  • Klare Sache: Schiedsrichter Viktor Kassai lässt sich von seiner Entscheidung nicht abbringen.

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  • Blickpunkt Tor: Italiens Keeper Gianluigi Buffon (M.) packt sicher zu, während...

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  • ...sein Gegenüber Manuel Neuer (l.) mit einem resoluten Befreiungsschlag für klare Verhältnisse vor seinem Kasten sorgt.

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  • In heikler Mission: Deutschlands Mittelfeldstratege Bastian Schweinsteiger versucht einen Gegenspieler „abzuschütteln“.

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  • Gegenwehr: Deutschland Stürmer Thomas Müller (l.) versucht das Abspiel von Mattia De Sciglio zu verhindern.

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  • Doppelte Flugeinlage: Benedikt Höwedes (r.) und der Italiener Graziano Pelle (M.) haben abgehoben...

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  • Ungläubig und missmutig reagieren italienische Spieler auf eine Verwarnung gegen ihr Team.

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  • In der 65. Spielminute endete die Torflaute in dieser Partie: Mesut Özil erzielte das 1:0 für Deutschland.

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  • Nachdem deutschen Führungstor war die Freude bei der DFB-Elf groß...

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  • ...doch die Freude hielt nicht lang an: In der 77. Spielminute verursachte Jerome Boateng (r.) durch ein Handspiel einen Elfmeter gegen sein Team.

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  • Die Elfmeter-Chance nutzte der Italiener Leonardo Bonucci eiskalt.

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  • Die Partie war stets umkämpft, der Einsatz auf beiden Seiten war unter anderem athletisch und beachtlich. In dieser Szene versucht Deutschlands Stürmer Mario Gomez (M.) den Ball zu behaupten.

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  • Nach der regulären Spielstand stand es 1:1. In der kurzen Pause stimmte Bundestrainer Joachim Löw seine Spieler auf die Verlängerung ein.

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  • Abnutzungskämpfe: Thomas Müller (r.) und Giorgio Chiellini im Verbal-Duell.

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  • In der Verlängerung konnte kein Team mehr den entscheidenden Treffer erzielen.

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  • So musste Bundestrainer Joachim Löw (r.) nach 120 gespielten Minuten seine Elfmeter-Schützen benennen.

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  • Gegenseitige Wertschätzung: Der deutsche Keeper Manuel Neuer (r.) umarmt vor dem Elfmeterschießen den italienischen Torhüter Gianluigi Buffon.

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  • Kollektives Bangen, das....

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  • ...sich gelohnt hat, denn nachdem Manuel Neuer den Elfer von Matteo Darmian gehalten hatte....

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  • ...verwandelte Jonas Hector den entscheidenden Elfmeter zum Sieg für Deutschland.

    Foto: Christian Charisius
  • Auf die Plätze.....fertig....und los....zum Jubeln!

    Foto: dpa
  • Grenzenlose Freude beim DFB-Team nach dem Erreichen des EM-Halbfinales.

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