Der geborene Optimist
Trotz Torflaute und Leistungstief: Thomas Müller bleibt ganz cool

Évian -

Ganz Deutschland macht sich Sorgen um Stürmer Thomas Müller – der lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und strahlt Zuversicht aus.

Mittwoch, 06.07.2016, 07:07 Uhr

Der geborene Optimist : Trotz Torflaute und Leistungstief: Thomas Müller bleibt ganz cool
Szenen einer (bislang denkwürdigen) EM aus Sicht der Nummer 13: Thomas Müller will seine chronische Torlosigkeit am Donnerstag beenden. Foto: Witters

Mats Hummels fehlt. Sami Khedira fehlt. Mario Gomez fehlt. Bastian Schweinsteiger womöglich auch. Und wenn man die Dinge konsequent zu Ende denkt, wie es Teammanager Oliver Bierhoff am Dienstag tat, kommt man auch noch auf Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan und Marco Reus. Sie fehlen schließlich auch. Bei so viel Pech könnte glatt jemand auf die Idee kommen, jetzt in Fehde mit Fortuna zu ziehen. Oder zu klagen über diese Geißel.

Der Weltmeister ist weit entfernt davon. Er bleibt auch vor dem Halbfinale am Donnerstag gegen Gastgeber Frankreich in Marseille unerschütterlich positiv. Thomas Müller ging da am Dienstag wieder einmal voran. „Verletzungen, Sperren und Ausfälle sind doch etwas ganz Normales im Fußball“, sagte er gelassen. „Außerdem waren wir in der Breite noch nie so gut aufgestellt.“

Müller, Star beim FC Bayern , steht wie kein anderer für den gelebten Optimismus im Kader von Joachim Löw. Dabei ist die EM nun wahrlich nicht sein Turnier. Immer noch wartet er auf seinen ersten Treffer. Zwei Mal hat er schon die Stangen getroffen, einmal flog ein italienisches Abwehrbein in letzter Sekunde in die Bahn seines Schusses.

Müller raufte sich den Schopf, aber das war kein Zeichen von Frust. Der neben Manuel Neuer vermutlich ehrgeizigste deutsche Spieler in Frankreich macht das ja immer, selbst, wenn ihm Kleinigkeiten nicht gelingen. Und noch etwas macht Müller. Er steht immer wieder auf.

Der inzwischen 26-Jährige, als unerschrockener Lausbub Torschützenkönig der WM 2010 in Südafrika, zeichnet sich durch Vieles aus. Ganz besonders durch seine Körpersprache. Müller lässt niemals die Schultern hängen. Müller verzweifelt nicht. Auch nicht in Frankreich. Er läuft, rackert und sucht unermüdlich seinen Moment. Ob er ihn noch findet? Er glaubt dran, alle anderen auch. Sein Problem: Nach langer Saison mit den Bayern wirkt er etwas überspielt.

Das passt zur laufenden Debatte. Nach dem frühen Aus der Engländer, die in kompletter Mannschaftsstärke in der Premier League beschäftigt sind, zwei Pokalwettbewerbe bestreiten und keine Winterpause haben, sowie dem sehr überschaubaren Niveau dieser Titelkämpfe insgesamt, wird über eine mögliche Überbelastung der Profis diskutiert.

Müller macht mit und erklärt: „Wenn wir es ins Endspiel schaffen, habe ich drei Wochen Urlaub und renne dann beim FC Bayern, der früher beginnt, schon wieder hinterher.“ Auf den Punkt gebracht: Nach der EM ist vor der Saison. Ein ermüdender Kreislauf. „Ich bin fit, körperlich geht das“, so Müller.

Das Problem seien die fehlenden mentalen Ruhepausen. Und die Tendenz zu noch mehr Spielen. „Sehr bedenklich“, meint Thomas Müller – und beschreibt die Lage sehr anschaulich: „Du kommst nach oben, holst einmal Luft und dann wirst du schon wieder nach unten gedrückt. Ich will nicht klagen, aber so ist das.“

Vor dem Halbfinale zetert Müller nicht. Weder über die eigene Situation noch über die Personal-Misere. „Egal, wer spielt. Wir werden keinen großen Qualitätsverlust haben. Es ist ja für die, die neu reinkommen, auch eine Chance.“

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