Vorrunde
Reizthema Mittelstürmer spaltet Spanier

Gniewino (dpa) - Reizthema Mittelstürmer: Die Frage, ob der Titelverteidiger bei der Fußball-EM weiterhin ohne oder doch besser mit einer klassischen Nummer «9» antreten soll, spaltet die Spanier zwei Tage vor dem vorentscheidenden Gruppenspiel gegen Irland weiterhin in zwei Lager.

Dienstag, 12.06.2012, 15:06 Uhr

Vorrunde : Reizthema Mittelstürmer spaltet Spanier
Jesus Navas (l) war von Trainer del Bosque in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden. Foto: Leszek Szymanski Foto: dpa

Prominente Trainer, Fans und Spieler vertreten konträre Auffassungen. In einer Internet-Umfrage des spanischen Sportblattes «AS» votierten 91 Prozent der rund 27 000 Teilnehmer für eine echte Spitze und gegen das aktuelle System von Trainer Vicente del Bosque mit sechs Mittelfeldakteuren. Die Mehrheit plädierte dabei für Fernando Llorente. Der wuchtige, kopfballstarke Profi von Athletic Bilbao scheint bei del Bosque aber noch schlechtere Chancen als Fernando Torres ( FC Chelsea ) oder Alvaro Negredo ( FC Sevilla ) zu haben. Ob einer dieses Angriffs-Trios am Donnerstag von Beginn an auflaufen darf, ist völlig offen.

Bei der Pressekonferenz am Dienstag stellten sich die Spieler logischerweise hinter ihren Trainer. Mittelfeldmann Sergio Busquets vom FC Barcelona sagte im EM-Quartier im polnischen Gniewino : «Wir unterstützen die Entscheidung des Trainers. Wenn man nicht gewinnt, gibt es immer Diskussionen und Kritik.» Außenstürmer Jesús Navas vom FC Sevilla, der gegen die Italiener in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden war, pflichtete bei: «Die Entscheidung, so zu spielen, war richtig.»

Real Madrids Meistertrainer José Mourinho und Luis Aragonés, der die Selección 2008 in Wien zum ersten EM-Titel seit 44 Jahren geführt hatte, kritisierten Kollege del Bosque wegen seines Verzichts auf einen echten Stürmer gegen Italien heftig. Der Nationalcoach wehrte sich. «Cesc hat in dieser Saison bei Barça schon häufig als Stürmer gespielt.»

Del Bosque hatte beim hochklassigen 1:1 am Sonntag zwischen den beiden Gruppenfavoriten den offensiven Mittelfeldmann Cesc Fàbregas vom FC Barcelona anstelle des allgemein erwarteten Fernando Torres nominiert. Die brisante Personalie sorgte nicht nur für allgemeine Überraschung, sondern löste auch großes Unverständnis und helle Empörung aus.

«Ich war selbst am meisten überrascht, dass ich in der Startelf stand», hatte selbst Fàbregas nach der Partie gestanden. Den seit Monaten schwächelnden Torres vom Champions-League-Gewinner FC Chelsea wechselte der Trainer erst gut eine Viertelstunde vor Schluss ein. Allerdings vergab der Torschütze zum 1:0-Sieg gegen Deutschland im EM-Finale vor vier Jahren prompt zwei klare Chancen.

Del Bosque konterte inzwischen die Attacken seiner prominenten Kollegen. «Fàbregas spielte, weil er hervorragend trainiert hatte. In den vier Tests vor der Partie gegen Italien hat Cesc immer Angriffsspitze gespielt», sagte er. «Ich kenne seine Arbeit perfekt.» Mourinho hatte am Montag gestichelt: «Ohne Mittelstürmer wirkte die Mannschaft steril.» Aragonés stänkerte: «Ich hätte mit einem Mittelstürmer gespielt.»

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