Interview mit dem Schalker Kapitän Benedikt Höwedes
„Ich ging auf dem Zahnfleisch“

Gelsenkirchen -

Der FC Bayern steuert ungeniert seiner 25. Deutschen Meisterschaft entgegen, dahinter setzt an diesem Wochenende mit dem Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga das Hauen und Stechen um die Plätze ein. Borussia Dortmund setzt zur Aufholjagd an – und was macht der FC Schalke 04? Unser Redaktionsmitglied Jürgen Beckgerd sprach unter anderem darüber mit Schalkes Weltmeister Benedikt Höwedes.

Samstag, 31.01.2015, 08:01 Uhr

 
  Foto: Uwe Speck

Herr Höwedes , lassen Sie uns einen Blick auf die kommende Bundesliga-Rückrunde werfen: Was ist denn möglich für den FC Schalke 04 ?

Benedikt Höwedes: Viel. Wir haben den Anschluss nach oben geschafft, trotz des Verletzungspechs. Wir dürfen die Champions-League-Plätze nicht aus den Augen verlieren.

Sie haben nun einige Zeit mit dem „neuen“ Trainer Roberto Di Matteo zusammen gearbeitet. Wie ist nun Ihr persönlicher Eindruck vom Schweizer?

Höwedes: Unheimlich positiv. Er ist der ruhigere Typ, macht ein gut strukturiertes Training. Das imponiert mir. Und er lag mit der Einführung der Dreierkette in der Abwehr goldrichtig – auch aufgrund der Personalsituation.

Und der Schalker Neuzugang dieses Winters, Matija Nastasic: Wie macht der sich so?

Höwedes: Er macht einen richtig soliden Eindruck und wird unserem Spiel gut tun. Als Linksfuß könnte er für eine variablere Spieleröffnung stehen.

Sie sind nun jüngst zum Revierfußballer des Jahres gewählt worden, sind Weltmeister. Ihr Leben dürfte eng getaktet sein, kaum Pausen, kaum Zeit zum Luftholen und genießen. Spüren Sie Veränderungen nach dem WM-Turnier in Brasilien und dem folgenden Liga-Alltag?

Höwedes: Tatsächlich ging es nach Brasilien und drei Wochen Urlaub gleich von null auf 100. Alle drei Tage ein Spiel – da ging ich tatsächlich auf dem Zahnfleisch . Es war eine ungeheuer intensive Zeit. Die Winterpause tat gut. Und mit Familie und Freunden muss man ja nicht nur über Fußball reden.

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Hat diese Zeit nach der Weltmeisterschaft auch innerlich Spuren bei Ihnen hinterlassen?

Höwedes: Ich habe mich jedenfalls nicht geändert. Klar, man gewinnt nach der WM an Selbstvertrauen, auch an Selbstbewusstsein. Aber ich bin derselbe geblieben. Ich weiß, wo ich herkomme. Und ich bin weiter ehrgeizig und stelle mich weiter in den Dienst dieser Mannschaft.

Es geht weiter Schlag auf Schlag: Nun kommt in der Champions League Real Madrid . . .

Höwedes: Bis dahin müssen wir aber noch einige Bundesliga-Spiele bestreiten beispielsweise mit den Krachern gegen Bayern und Gladbach. Ja und dann kommt Real Madrid als eine der besten Mannschaften der Welt mit dem besten Spieler der Welt . . .

. . . im vergangenen Jahr ging es ja nicht so gut aus (1:6 und 1:3) . . .

Höwedes: Oh ja. Da ist im Hinspiel eine Traumblase geplatzt. Wir hatten geglaubt, wir könnten das Spiel machen. Das war naiv. Das wird auch nicht wieder passieren. Im Rückspiel haben wir uns, obwohl wir verloren haben, vernünftig verkauft.

Schalke hat mit Nastasic einen Neuen verpflichtet. Bedarf es darüber hinaus weiterer Verstärkungen des Kaders?

Höwedes: Das muss man situativ entscheiden und abwarten, wer von den Verletzten zurückkommt. Bei Jule (Julian Draxler) und Sead (Kolasinsac) sieht´s ja ganz gut aus. Joel (Matip) ist wieder da und Uchi (Atsuto Uchida) auch. Da kommen also ein paar Optionen. Man muss sehen, was da noch Sinn macht.

Die Mannschaft hatte und hat nach wie vor große Verletzungssorgen. Gibt es Gründe dafür?

Höwedes: Diese Frage stellen wir uns auch. Manchmal ist es einfach nur Pech, wie bei Ralf Fährmann, der fällt und sich eine Kreuzbandzerrung zuzieht. Es darf da aber kein Lamentieren geben. An einer Überforderung liegt es bestimmt nicht.

Der FC Bayern wurde arg gescholten wegen seines Auftritts in Katar und dem Spiel in Saudi-Arabien. Das war für einige Kritiker politisch inkorrekt. Sie waren auch in Katar zum Trainingslager. Darüber spricht man aber nicht. Sind diese und andere politischen Komponenten überhaupt Thema in der Mannschaft? Sollen Sportler sich politisch äußern?

Höwedes: Das Trainingslager in Katar war nie ein Thema, das ist die Aufgabe des Managements. Und es sollte sich auch kein Spieler darüber äußern. Das steht uns gar nicht zu. Andererseits gibt es natürlich politische Themen, zu denen auch Sportler Stellung beziehen sollten. Sie haben auch das Recht dazu.

Zurück zum Sportlichen – was geht noch in der Rückrunde für Schalke?

Höwedes: Wir haben es klar formuliert: Wir haben einen Champions-League-Platz im Blick. Davon sollten wir auch nicht abweichen.

Und was macht der Nachbar, die Borussia?

Höwedes: Da bin ich auch mal gespannt. Der Abstand ist aber nicht so groß, dass die Dortmunder nicht noch aufholen könnten. Die Mannschaft hat schon so viel Qualität. Es ist aber manchmal so: Da triffst du nur den Innenpfosten, und der Ball fliegt wieder raus.

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