Fußball: Uefa-Pokal 1997
Schalkes Eurofighter, die Könige von San Siro

Münster -

20 Jahre ist es her, dass der FC Schalke 04 durch einen Sieg im Elfmeterschießen bei Inter Mailand den Uefa-Pokal gewann. Der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Und vor allem ein Tag, der in besonderer Erinnerung bleibt. Eine Rückblende.

Freitag, 19.05.2017, 17:05 Uhr

Der Pott im Pott:  Trainer Huub Stevens (mit Pokal) und Manager Rudi Assauer (mit Zigarre) beim Autokorso durch das Parkstadion.
Der Pott im Pott:  Trainer Huub Stevens (mit Pokal) und Manager Rudi Assauer (mit Zigarre) beim Autokorso durch das Parkstadion. Foto: Witters

Für den FC Schalke 04 ist die Erinnerung an den 21. Mai 1997 mehr als eine gedankliche Reise ins Zurück. Es ist nicht weniger als der Blick auf die sportliche Auferstehung des Vereins, der wenige Jahre zuvor vor dem Ruin stand. Finanziell am Abgrund waren sie damals, zerrüttet die Bilanzen, chaotisch die Vereinsführung, bis Rudi Assauer 1993 den als Skandal-Club verschrienen Verein als Manager übernahm. Vier Jahre später steht S04 auf Europas Fußball-Thron. Schalke gewinnt nach Elfmeterschießen gegen den haushohen Favoriten Inter Mailand .

Schon wieder ein Auswärtsspiel

Inter-Trainer Roy Hodgson vor dem Finale in Mailand

Marc „Kampfschwein“ Wilmots verwandelt den entscheidenden Strafstoß, zuvor hat Jens Lehmann den ersten Mailänder Elfer von Ivan Zamorano pariert. Endstand 4:1, rund 25.000 mitgereiste Schalker flippen aus. Vor dem Spiel hat Inter-Trainer Roy Hodgson noch vor sich hingeflucht: „Schon wieder ein Auswärtsspiel.“

Noch immer werden auf Schalke die Helden von 1997 besungen.

Auch 20 Jahre später werden auf Schalke noch immer die Helden von 1997 besungen. Foto: dpa-Archiv

Das Uefa-Cup-Finale vor 20 Jahren ist immer noch das Ereignis auf Schalke. In San Siro wurden Könige geboren, denen immer noch gehuldigt wird. Der Mythos Schalke erhielt eine galaktische Dimension – „Eurofighter“ genannt. Der „Pott“ kochte, zumal Borussia Dortmund exakt eine Woche nach dem Schalker Triumph nachlegte und die Champions League gewann. Es waren herrliche Fußball-Zeiten im Revier.

„Die Null muss stehen“

Huub Stevens prägte sein geschichtsträchtiges „Die Null muss stehen“ – in allen sechs Heimspielen des Uefa-Cups blieben die Schalker ohne Gegentor. Die zweifellos spielerisch limitierte Elf musste sich aufs Verteidigen konzentrieren – und es klappte prima mit Mike Büskens und Johan de Kock, Thomas Linke und Yves Eigenrauch gegen das Mailänder Star-Ensemble mit Giuseppe Bergomi, Ciriaco Sforza, Ivan Zamorano oder Youri Djorkaeff.

Die Schalker Eurofighter mit dem Uefa-Cup

Die Schalker Eurofighter mit dem Uefa-Cup Foto: dpa-Archiv

Geboren wurden damals auch die heute noch gültigen Hymnen „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ und die (so die Überlieferung) von den Spielerfrauen gereimte Moritat vom Durchmarsch bis ins Finale: „Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon ...“ Brügge, Valencia, Teneriffa, zum Schluss Inter Mailand. Sowieso.

Beginn der Schalke-Renaissance

Für Schalke war der Tag damals im Mai die Inkarnation einer Fußballgeneration, wie sie Jahrzehnte lang nicht bestand – und die ungeachtet dessen das Selbstverständnis dieses Vereins begründet hat. Von da an ging es bergauf. Bis auf wenige Ausnahmen spielten die Gelsenkirchener fortan im internationalen Geschäft. Der 21. Mai 1997 begründete eine Schalke-Renaissance.

Tickets für die Begegnung im Giuseppe-Meazza-Stadion waren kaum zu bekommen, vor allem nach dem 1:0-Hinspielerfolg. Da erhielt die Treue zum „Lieblings-Italiener“ plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

Mailand in Königsblau

In der Nacht zum Mittwoch kommt die Kolonne im Ruhrgebiet ins Rollen. Es gibt nur eine Richtung: ab in den Süden. In der Schweiz wird es in den Morgenstunden des 21. Mai eng. An der Grenze wird jeder durchgewunken, der aussieht, als sei er auf dem Weg nach Mailand. Tausende sind unterwegs, eine Karawane, geschmückt mit königsblauen Schals, Fahnen, Trikots. An den Rastplätzen werden Stehplätze fürs Frühstück knapp. Es ist ein gigantisches Happening, das sich bis zum Mailänder Duomo fortsetzt.

Schalke-Fans vor dem Mailänder Dom

Schalke-Fans vor dem Mailänder Dom Foto: dpa-Archiv

Selbst der riesige Domplatz, wo sich die Schalker verabredet haben, scheint für die Massen zu klein zu sein. Die Sonne scheint, das Bier fließt in Strömen, blau-weiße Fahnen, wohin das Auge blickt.

Im Stadion: Die Carabinieri sind ein anderes Kaliber als die Bundespolizei daheim. Mit Gewehren (!) bewaffnet stehen sie Spalier, bei manchen Schalke-Fans macht sich angesichts der Restriktionen Unmut breit. Es bleibt ruhig.

Uefa-Cup 1997

Uefa-Cup 1997: Das Final-Rückspiel in Mailand Foto: WN-Grafik

Das Spiel ist eine einzige Nervenschlacht. Das Schalker Bollwerk hält, die Null steht. Fünf Minuten vor Schluss schießt Ivan Zamorano das 1:0 für Inter, der Vorsprung ist dahin. In der Schlussminute sieht Salvatore Fresi Rot, trotz Überzahl gelingt den Schalkern kaum noch etwas Konstruktives. Es reicht zum Elfmeterschießen. Dann: grenzenloser Jubel, Mailand in Königsblau. Schalke ist wieder wer.

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