Jan Gudorfs besonderer Job
Als Werkstudent bei Schalke 04: Ohne Leidenschaft geht es nicht

Münster -

Studenten fahren in den Semesterferien Taxi oder sie kellnern irgendwo in einer Kneipe. Ein gängiges Klischee, das in den 1970 und 80er Jahren ganz sicher einen großen Wahrheitsgehalt hatte. Dass es im Zeitalter der Digitalisierung auch anders geht – mal abgesehen von Studierenden, die ihr Ding „dual“ durchziehen –  beweist die Tatsache, dass eine ganze Reihe von Firmen die Mitarbeit von Hochschülern bereits während ihrer Studienzeit in Anspruch nehmen, als Werkstudenten nämlich. Jan Gudorf macht diesen Job sogar bei „seinem“ Fußballverein.

Samstag, 02.02.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 02.02.2019, 15:36 Uhr
Hat sich den FC Schalke 04 auf seine Fahnen geschrieben: Jan Gudorf
Hat sich den FC Schalke 04 auf seine Fahnen geschrieben: Jan Gudorf Foto: Tim Rehbein

Nur mal angenommen: Clemens Tönnies und Christian Heidel hätten die Nase voll von den ständigen Niederlagen ihrer Mannschaft und hätten sich entschlossen, Trainer Domenico Tedesco zu entlassen. Nach vier Punkten in diesem Jahr vielleicht ein wenig abwegig, aber mal angenommen. Wer würde es als Erster erfahren? Genau, Jan Gudorf.

Zugegeben, es müsste schon an einem Freitag geschehen, denn an den anderen vier Tagen der Woche ist der gebürtige Borghorster an der Sporthochschule in Köln unterwegs. Dort studiert der 23-Jährige Sportjournalismus und arbeitet in dieser Mission beim FC Schalke 04 als Werkstudent, zuständig für Soziale Medien.

Twitter , Facebook und Co.

Und bekanntermaßen – selbst der aktuelle US-Präsident macht es so – gehen die wichtigsten Dinge heutzutage zuallererst über Twitter und Co. in den Äther und an die Öffentlichkeit. Genau diese Kanäle bedient der Jungspund aus Borghorst. „Na ja“, grinst der junge Mann ein wenig verlegen, „wenn diese Entscheidung gefallen sein sollte, geht sie zuerst an unseren Mediendirektor Thomas Spiegel und dann an Marco Niesner. Das ist mein Chef im Bereich Soziale Medien. Aus dem offiziellen Pressetext, der auf der Schalker Homepage platziert wird, formuliere ich dann einen Tweet“, beschreibt Gudorf den formellen Ablauf auf der Geschäftsstelle des Bundesligisten.

Bei den Spielen am Wochenende ist mein Blick zu 80 Prozent auf den Laptop gerichtet.

Jan Gudorf

20 Stunden arbeitet der Borghorster in der Vorlesungszeit – in der Regel freitags und an den Spieltagen – beim Revierclub und bedient die sozialen Kanäle Twitter, Facebook, Instagram und Snapchat. In den Semesterferien macht er das Ganze in Vollzeit. Was ganz schön anstrengend sein kann, vor allem bei weniger gutem Wetter. „Bei den Spielen am Wochenende ist mein Blick zu 80 Prozent auf den Laptop gerichtet“, erzählt er. „Bei den Heimspielen sitzen wir zu dritt oberhalb der Pressetribüne: Einer macht den Liveticker, einer twittert und einer schreibt für die Homepage. Ich bediene den Twitter-Account.“ Einen Gesamteindruck vom Spiel seiner Schalker, den kann er sich frühestens später in der Sportschau verschaffen. Das ist das Prozedere.

Die Mannschaft gut dastehen lassen

Rote und Gelbe Karten, Auswechselungen und natürlich die Tore werden von dem Studenten an die Fangemeinde von rund 750 000 Followern weitergegeben. Etwa 580 000 sind es bei Instagram, 2,8 Millionen bei Facebook. „Bilder, die ich von unseren Fotografen aus der Arena bekomme, kurze Meldungen und, klar, Gifs, das ist mein Arbeitsmaterial.

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Die Arena „Auf Schalke“ ist bei den Heimspielen am Wochenende das Betätigungsfeld von Jan Gudorf. Foto: Tim Rehbein

Natürlich versuchen wir, unsere Mannschaft dabei gut dastehen zu lassen. Also ein ,Kopf hoch‘, wenn ein Gegentor gefallen ist zum Beispiel.“ Darauf musste der junge Borghorster in der laufenden Saison häufiger zurückgreifen, als ihm lieb war.

Erstes Spiel in Schweinfurt

Vor allem ab November ist der Job „für die Finger eine echte Herausforderung“, denn wenn gespielt wird, sitzen auch Jan Gudorf und seine Kollegen open air und kommentieren am Laptop. Sein bislang schönstes und irgendwie auch aufregendstes Erlebnis war im August 2018 das Pokalspiel der Schalker in Schweinfurt.

„Das war zudem mein erstes Spiel als Werkstudent und hatte irgendwie Charme. Nach vier Stunden Fahrt waren wir endlich vor Ort und sind mit dem Auto fast aufs Spielfeld gefahren, und das ohne Akkreditierung. Wir wurden wie Vips behandelt. Leider hatten wir dort aber keine Internetverbindung“, erinnert sich der Borghorster an die Partie, bei der ein abschließendes Gewitter noch dafür sorgte, dass die Schalker Social-Media-Crew „so richtig den Hintern nass bekam“. Immerhin gewannen die Königsblauen mit 2:0, sonst wäre die ganze Bande noch knurriger ins Ruhrgebiet zurückgefahren.

Bei Wind und Wetter

Anhänger der Blau-Weißen ist der Borghorster übrigens seit der Grundschule, Mitglied aber erst seit 2011 – wie übrigens viele Borghorster. Die Fangemeinde im Münsterland ist groß.

Man muss schon mit dem Herz und mit Leidenschaft dabei sein, wenn man so etwas macht.

Jan Gudorf

Bevor ihm ein Vertrag als Werkstudent angeboten worden war, absolvierte er ein dreimonatiges Praktikum auf der Geschäftsstelle am Ernst-Kuzorra-Weg. Sein journalistisches Rüstzeug holte er sich als freier Mitarbeiter der Lokalzeitung in Steinfurt. Germania Horstmar, Preußen Borghorst, SV Wilmsberg, das waren – unter anderem – die Vereine, bei denen sich Gudorf als Berichterstatter bei Wind und Wetter seine Lorbeeren verdiente. Angenehmer waren im Herbst und Winter die Termine in der Halle bei den Handballern des Turnerbunds Burgsteinfurt. Aber weil der 23-Jährige sämtliche Termine mit dem Rad erledigte, konnte es sein, dass er auf dem Weg zurück in die Redaktion doch noch eine Dusche abbekam.

Mit Herz und Leidenschaft

Auch wenn sein Herz für den Bundesliga-Club aus Gelsenkirchen schlägt: Ob er den Job wohl wirklich „ein Leben lang“ machen möchte? Gudorf zieht die Stirn in Falten: „Zu Borussia Dortmund könnte ich nicht wechseln. Man muss schon mit dem Herz und mit Leidenschaft dabei sein, wenn man so etwas macht.

Aber das Geschäft im Fußball ist so schnelllebig, und die technische Entwicklung schreitet so schnell voran, dass ich diese Frage jetzt gar nicht so beantworten könnte.“ Vorläufig muss er das auch nicht, denn sein Studium dauert noch ein paar Semester. Solange wird er „auf Schalke“ aktiv sein und die virale Fangemeinde mit Gifs und Jubel versorgen.

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