Fußball: Frauen-Nationalmannschaft
„Küken“ Lea Schüller wird erwachsen

Billerbeck -

Lea Schüller hat den kleinen Rückschlag, als sie kurz vor der EM in den Niederlanden aus dem deutschen Kader gestrichen wurde, längst verdaut. Die 21-Jährige ist auf dem besten Wege, sich in der Nationalmannschaft zu etablieren.

Donnerstag, 07.02.2019, 18:36 Uhr
Kampf ist Trumpf: Lea Schüller gibt nur ungern einen Ball verloren.
Kampf ist Trumpf: Lea Schüller gibt nur ungern einen Ball verloren. Foto: Witters

Der Hype um die kleinen Sticker entflammt jedes Jahr aufs Neue. „Bitte recht freundlich“ – wenn die Panini-Jungs im italienischen Modena vor Großereignissen ihren Druckmaschinen Feuer machen, sind die Schnappschüsse längst im Kasten. Lea Schüller hat ihr bestes Zahnpastalächeln im Januar ausgepackt. Beim Foto-Shooting mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in Marbella. Unter südspanischer Sonne bei angenehmen 16 Grad. Dorthin hatte Martina Voss-Tecklenburg, die neue Bundestrainerin, 30 Spielerinnen zum einwöchigen Lehrgang geladen. Ein Kennenlernen der anderen Art.

„Schön war’s“, sagt Schüller. Gerade 21. Und schon eine der Hoffnungsträgerinnen mit dem Adler auf der Brust. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die angehende Wirtschaftsingenieurin und Bundesliga-Spielerin der SGS Essen sich nicht auf den kultigen Klebe-Bildern für die Weltmeisterschaft in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) wiederfindet. Sieben Treffer in elf Länderspielen sind eine imposante Empfehlung – und wecken Begehrlichkeiten. Der VfL Wolfsburg soll seine Fühler ausgestreckt haben.

Rückblick: Juni 2017. Im Sporthotel „11“ der Klosterpforte in Marienfeld bereiten sich die deutschen Mädels auf die Europameisterschaft in den Niederlanden vor. Schüller ist mit 19 Jahren das Küken, lebt ihren Traum. Intensiv – kurz. Ex-Teamchefin Steffi Jones streicht sie bei der finalen Nominierungsphase aus dem 23er-Kader. Die Stürmerin ist raus. Den Boden unter den Füßen zieht ihr das nicht weg. Vielmehr sagt das Nesthäkchen: „Ich bin jung, kann warten.“ Das tut sie. Unter Interimscoach Horst Hrubesch blüht sie unbekümmert auf. In der WM-Qualifikation gegen Tschechien lässt sie es viermal klingeln – was für ein Tag. Wohltuend zurückhaltend erklärt sie: „Ich musste ja nicht viel machen, die Bälle wurden mir doch auf den Fuß gelegt.“ Das Lob kommt von oberster Stelle: „Lea hat das umgesetzt, was der Trainer von ihr erwartet hat.“ DFB-Präsident Reinhard Grindel ist begeistert. Nach dem peinlichen EM-Aus im Viertelfinale gegen Dänemark (1:2) am 30. Juli 2017 so etwas wie ein Signal des Aufbruchs. Und eine der Jüngsten marschiert vorne weg. Wird erwachsen.

Ja, Lea Schüller weiß, wo das Tor steht, ist mit ihren 1,73 Metern eine große, robuste Angreiferin – kopfballstark dazu. Wie das einstige „Ungeheuer“ Hrubesch. Vielleicht ein Grund, warum „der Horst“, wie Schüller kess sagt, „und ich auf einer Wellenlänge liegen“.

Nun werden die Karten neu gemischt. Voss-Tecklenburg genießt gerade bei den Bundesliga-Club ein hohes Ansehen. Weil sie die Dinge direkt anspricht. „Ich äußere meine Meinung klar, lasse mich aber überzeugen, wenn andere eine bessere Idee haben“, sagte sie 2015 in einem Interview mit der „FAZ“. Die ersten Eindrücke sind auch für Schüller durchweg positiv: „Sie ist toll. Hat einen enormen Erfahrungsschatz und Fußball-Sachverstand. Wir haben alle Spaß mit ihr – auch neben dem Feld.“ Die Spieler rufen sie Martina. So viel gibt Schüller preis. Ein Weg, um Vertrauen aufzubauen.

Die junge Angreiferin ist Feuer und Flamme, will sich reinhängen. Das kontinentale Kräftemessen bei den Franzosen wäre eine Premiere für sie bei den Frauen. Dem ordnet sie alles unter. All den Rummel um ihre Person blendet sie schlicht aus. „Das will ich nicht.“ Worte, in denen sich die kindliche Stimme wiederfindet. Schüller ist weit davon entfernt, dass ihr der Erfolg zu Kopfe steigt. Vielmehr bleibt sie der Basis treu. Im April besucht sie zusammen mit Teamkollegin Nina Brüggemann (25) ein Feriencamp für Mädchen in Billerbeck. Das leitet Fußballlehrer Markus Högner. Ab Sommer Schüllers Trainer in Essen. Ein zugezogener Billerbecker – ohne Panini-Ambitionen. Da hat ihm Schüller also was voraus.

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