Copa América
Außenseiter Venezuela will Messis Argentinier ärgern

Es gibt wenig zu essen, dauernd fällt der Strom aus, die politischen Gegner bekämpfen sich bis aufs Messer. Jetzt wollen die Fußballer aus Venezuela ihre Fans das Elend kurz vergessen lassen. Bislang hat sich das Team achtbar geschlagen, doch jetzt warten die Platzhirsche.

Donnerstag, 27.06.2019, 11:32 Uhr aktualisiert: 27.06.2019, 11:36 Uhr
Coach Rafael Dudamel will mit Venezuela Argentinien ärgern.
Coach Rafael Dudamel will mit Venezuela Argentinien ärgern. Foto: Gusatavo Ortiz

Rio de Janeiro (dpa) - Venezuela steckt in einer tiefen Krise, doch die Nationalmannschaft des südamerikanischen Landes lässt ihre Fans derzeit träumen.

In den Supermärkten gibt es kaum etwas zu kaufen, den Krankenhäusern gehen die Medikamente aus, zahlreiche Oppositionelle sitzen in Haft. Die Vinotinto (die Weinrote) hingegen ist bei der Südamerikameisterschaft auf der Erfolgsspur: Mit einem Sieg und zwei Unentschieden zieht das Team als Gruppenzweiter hinter Brasilien in das Viertelfinale der Copa América ein und trifft am Freitag in Brasilien auf die Argentinier um Superstar Lionel Messi .

«Die Lage im Land ist für unsere Spieler ein Impuls, denn wir wollen den Fans eine Freude bereiten», sagte der venezolanische Nationaltrainer Rafael Dudamel zuletzt. «Wir wollen, dass im Land Ruhe und Frieden herrscht. Wenn die Auswahl spielt, ist das ein schöner Moment, um die Venezolaner dazu einzuladen, sich zu einen.»

Tatsächlich verlaufen tiefe Gräben durch Venezuela. Seit Januar liefern sich der linke Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Radikale Regierungsanhänger und überzeugte Oppositionelle stehen sich unversöhnlich gegenüber. «Wir spielen eine wichtige Rolle für unser Land», sagte zuletzt der Verteidiger Mikel Villanueva. «Unsere Leute haben ein bisschen Freude verdient.»

In Venezuela hat Fußball neben Baseball und Basketball einen schweren Stand, die Nationalmannschaft ist das einzige Team aus dem südamerikanischen Fußballverband Conmebol, das sich noch nie für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Von den Spielern des aktuellen Copa-Kaders stehen nur zwei in der heimischen Liga unter Vertrag. Die meisten spielen bei mittelklassigen Clubs in Südamerika, Europa oder den USA.

Allerdings hat die Mannschaft in den vergangenen Jahren einen enormen Qualitätssprung hingelegt. «Es klingt paradox, aber die aktuelle venezolanische Auswahl ist eine der Besten der Geschichte, trotz der schlimmen Krise, die das Land gerade erlebt», hieß es kürzlich in der Sportzeitschrift «Marca».

Trainer Dudamel stützt sich neben wenigen erfahrenen Spielern wie Tomás Rincón und Salomón Rondón vor allen auf junge Talente aus den recht erfolgreichen Jugendteams, in denen er zuletzt viel Aufbauarbeit leistete. Die venezolanische U-20-Auswahl wurde 2017 sogar Vizeweltmeister.

Jetzt treffen die Underdogs von der Karibikküste also auf die Fußballgroßmacht Argentinien. Zwar liegt der letzte internationale Titel für die Albiceleste auch schon einige Jahre zurück, mit zwei Weltmeistertiteln und 14 Siegen bei der Copa América ist die Mannschaft von Trainer Lionel Scaloni trotzdem noch immer eines der erfolgreichsten Teams der Welt.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Venezolanern nicht. «Wir sind gekommen, um Hauptdarsteller in der Copa zu werden und uns erst am 7. Juli zu verabschieden», sagte Nationaltrainer Dudamel. Der Blick auf das Finale dürfte zwar etwas vermessen sein, doch auch die Argentinier wollen den Außenseiter nicht auf die leichte Schulter nehmen. «Venezuela ist ein komplizierter Gegner, der sehr gut im Gegenangriff ist. Wir werden versuchen, uns darauf vorzubereiten», sagte der Stürmer Sergio Agüero vom englischen Meister Manchester City.

Tatsächlich konnte Argentinien in den vergangenen drei Begegnungen mit Venezuela nicht gewinnen. Zweimal gelang der stolzen Selección nur ein Unentschieden gegen die Vinotinto, bei einem Freundschaftsspiel im März musste sie sich den Venezolanern sogar geschlagen geben.

Auch in der Gruppenphase der Copa América hatte sich Argentinien schwer getan. Die Albiceleste verlor gegen Kolumbien, schaffte gegen Außenseiter Paraguay gerade mal ein Unentschieden und gewann nur gegen die Gastmannschaft aus Katar. Messi will den unglücklichen Start hinter sich lassen und im Viertelfinale neu durchstarten. «Jetzt beginnt eine andere Copa», sagte er.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6726742?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F70865%2F
Umweltministerin Svenja Schulze verteidigt Klimaschutz-Paket
Umweltministerin Svenja Schulze verteidigt im Gespräch mit unserer Zeitung die Beschlüsse des Klimakabinetts.
Nachrichten-Ticker