Fußball: WM-Qualifikation
Bundestrainer Löw pfeift auf die Systemfrage und setzt auf Variabilität

Stuttgart -

Die deutsche Nationalmannschaft ist weiter auf dem besten Wege zur Weltmeisterschaft in Russland. Das nicht erst nach dem 6:0 gegen Norwegen, in dem die DFB-Elf mit der Erfolgstaktik 4-2-3-1 auftrumpfte. Eine Systemfrage nach seinen Experimenten aber lässt Bundestrainer Löw nicht aufkommen.

Dienstag, 05.09.2017, 17:09 Uhr

Starke Leistung gegen Norwegen: Thomas Müller blühte beim 6:0 gegen Norwegen regelrecht auf.
Starke Leistung gegen Norwegen: Thomas Müller blühte beim 6:0 gegen Norwegen regelrecht auf. Foto: dpa

Plötzlich schlug Joachim Löw die Hände über dem Kopf zusammen. „Um Himmels Willen, nein“, rief der Bundestrainer. Die Frage, ob die Rückkehr zum 4-2-3-1 die Erfolgsformel für die 6:0-Demontage gegen die Norweger gewesen sei, ließ ihn kurz aufstöhnen. Zwar hatten die 90 Minuten zuvor genau diesen Eindruck vermittelt, weil langjährige Leistungsträger wie Mesut Özil und Thomas Müller regelrecht aufblühten, doch es passt vorne und hinten nicht ins Mantra des Chefcoaches, sich auf eine Anordnung festzulegen. „Es ist unabdingbar, dass wir Plan A und Plan B haben. Für unser Spiel im letzten Drittel spielt das System überhaupt keine Rolle. Wir sind unabhängig davon in die Zwischenräume gekommen, hatten super Laufwege, haben Löcher gerissen, waren ständig im Sechzehner, immer präsent.“

Gerade seit der EM 2016 (und phasenweise auch davor) hatte Löw oft experimentiert. Den Confed-Cup holte sein Team im 3-5-2-Format, aber auch alles andere wurde mal ausprobiert. So homogen und reif wie in Schwaben in der klassischen Variante war sein Ensemble jedoch selten aufgetreten. „Ja, wir haben brillant kombiniert, hatten einen anderen Spirit als zuletzt, viel Dynamik. Und wir haben das Tempo hochgehalten.“ Für die ausstehenden Quali-Partien in Nordirland, wo der DFB den Sack zumachen möchte, und gegen Aserbaidschan kündigte Löw aber weitere Testfelder an. Ein Remis in Belfast würde die finale Zulassung für die WM bedeuten. Der Anspruch ist natürlich ein anderer. Zehn Spiele, zehn Siege – das ist in dieser Gruppe durchaus ein Maßstab. Das frühzeitige Ticket für Russland wurde am Montag nur verfehlt, weil die Briten eben auch eine vorzügliche Serie spielen und 19 von 24 möglichen Punkten holten. „Sie sind eine Heimmacht“, befand der Bundestrainer. „Und sie haben wie wir erst zwei Gegentore kassiert. Das sagt schon alles.“ Übrigens beide gegen Deutschland.

Am 5. Oktober kommt es zum Vergleich. Auch dann garantiert bei fantastischer Stimmung. Die Atmosphäre an alter Wirkungsstätte beeindruckte Löw nach den Vorkommnissen in Prag sichtlich. „Hier in Stuttgart haben wir erlebt, wie schön der Fußball sein kann. Das war ein tolles Publikum, das jeden Spieler unterstützt und seinen Teil zum Sieg beigetragen hat.“

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