Fußball: Nationalmannschaft
Löw hat Umbruch längst eingeleitet und vertraut Confed-Cup-Siegern

Münster -

Das Fußball-Wort der Woche lautet: „Umbruch“. Er wird lauter und lauter gefordert, je schlechter die Ergebnisse der deutschen Nationalmannschaft sind. Doch eigentlich ist er schon lange im Gange, nur oberflächlich betrachtet klammert sich Bundestrainer Joachim Löw an die Weltmeister von 2014.

Mittwoch, 17.10.2018, 15:20 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 14:12 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.10.2018, 15:20 Uhr
Die Confed-Cup-Sieger von 2017 mit Kapitän Julian Draxler bilden längst die Mehrzahl der Spieler in der DFB-Elf.
Die Confed-Cup-Sieger von 2017 mit Kapitän Julian Draxler bilden längst die Mehrzahl der Spieler in der DFB-Elf. Foto: Witters

Der Sommer 2017 hat die Erwartungshaltung in Fußball-Deutschland im Rückblick wohl mehr verändert als der Weltmeister-Titel von 2014. Weil die U 21 vor knapp eineinhalb Europameister wurde und ein oft als „B-Elf“ bezeichnetes Nationalteam in Russland den Confed-Cup gewann. Bundestrainer Joachim Löw sah sich fortan mit der Forderung konfrontiert, diese drei Mannschaften unter einen Hut zu bringen und zu einer Macht zu formen. Wie heute alle wissen, ist das nicht gelungen. Erst das desaströse WM-Aus 2018, nun der drohende Abstieg aus der Nations League. Eine genaue Betrachtung der einzelnen Kader lohnt sich aber. Denn der Vorwurf, der 58-Jährige habe zuletzt zu sehr auf seine Helden von Rio gesetzt und die nachrückende Generation vernachlässigt, ist nur in Teilen haltbar.

Aus dem Brasilien-Aufgebot von vor vier Jahren spielen die zurückgetretenen Miroslav Klose, Per Mertesacker, Philipp Lahm , Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski sowie Roman Weidenfeller, Ron-Robert Zieler, Erik Durm, Kevin Großkreutz, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Mario Götze, Christoph Kramer und André Schürrle schon lange keine Rolle mehr, Mesut Özil und Sami Khedira seit diesem Sommer. Zudem hört Routinier Mario Gomez, der 2014 fehlte, auf. Sieben Weltmeister waren zuletzt noch nominiert, bis auf Keeper und Kapitän Manuel Neuer ist keiner älter als 30. Toni Kroos, Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller haben oder hatten jedoch alle mit kleinen oder größeren Krisen zu kämpfen. Matthias Ginter (24) und Julian Draxler (25) wiederum zählen eigentlich noch zur jungen Generation.

Frankreich - Deutschland: Die DFB-Elf in der Einzelkritik

1/14
  • Manuel Neuer:

    Bei beiden Griezmann-Toren machtlos. Das 1:1 verhinderte der Kapitän zuvor noch mit einer tollen Fußabwehr gegen Mbappé (52.).

    Foto: Ina Fassbender
  • Matthias Ginter:

    Dreierkette kann der Gladbacher auch. Im Zweikampf meist Sieger. Hätte nach Eckball fast das 2:0 erzielt, Lloris hielt (24.).

    Foto: Jens Büttner
  • Mats Hummels:

    Lange stark und souverän. Klärte toll gegen Griezmann (9.). Die spielentscheidende Elfmeteraktion gegen Matuidi war unglücklich.

    Foto: Christophe Ena
  • Niklas Süle:

    Im Zentrum der Dreierkette konnte er dem Druck am Ende nicht standhalten. Zu spät gegen Giroud (45.). Überlaufen von Mbappé (52.).

    Foto: Ina Fassbender
  • Thilo Kehrer:

    Der Youngster von Paris Saint-Germain machte auf der rechten Seite vieles gut. Konnte die Flanke vorm 0:1 aber nicht unterbinden.

    Foto: Christophe Ena
  • Joshua Kimmich:

    Die Systemumstellung half ihm als Sechser. Eroberte den Ball vor dem Elfmeterangriff. Guter Konterpass auf Sané (19.). Starke Partie.

    Foto: Ina Fassbender
  • Toni Kroos:

    Spielfreudiger als zuletzt. Die Jungen taten ihm gut. Übernahm Verantwortung beim Elfmeter. Lief aber beim 1:1 nicht richtig mit.

    Foto: Ina Fassbender
  • Nico Schulz:

    Der Hoffenheimer ging links engagiert zu Werke, besonders offensiv. Behauptete sich auch in einem Laufduell mit Mbappé (60.).

    Foto: Ina Fassbender
  • Timo Werner:

    Dem Leipziger taten zwei schnelle Angreifer an der Seite gut. Viel auf den Flügeln unterwegs. Die Torgefahr sucht er weiter.

    Foto: Ina Fassbender
  • Serge Gnabry:

    Der Münchner löste seinen Spezial-Auftrag gut. Ließ sich oft aus der Spitze fallen. Gute Pässe, zwang Lloris zur Parade (68.).

    Foto: Ina Fassbender
  • Leroy Sané:

    Die Startelf-Chance nutzte der Tempodribbler. Holte mit Glück den Handelfmeter heraus. Schlechtes Konterzuspiel als Werner (19.)

    Foto: Ina Fassbender
  • Thomas Müller:

    Kam erst in den Schlussminuten für Gnabry. Ohne Aktion.

    Foto: Ina Fassbender
  • Julian Draxler:

    Löste Sané in der Schlussviertelstunde ab. Konnte in seiner Wahlheimat aber nichts Entscheidendes bewirken.

    Foto: Ina Fassbender
  • Julian Brandt:

    Nach dem Rückstand brachte ihn Löw, aber als Joker konnte er nicht stechen.

    Foto: Patrick Seeger

Beide gehörten – wie auch Mustafi noch – im Vorjahr auch zum 21-köpfigen Confed-Cup-Team. Aus dem zählen die Keeper Marc-André ter Stegen, Bernd Leno, Kevin Trapp sowie Joshua Kimmich, Jonas Hector, Antonio Rüdiger, Niklas Süle, Julian Brandt, Emre Can, Leon Goretzka, Sebastian Rudy und Timo Werner regelmäßig zum DFB-Team oder sind sogar Stammspieler. Das sind also 14 der Gewinner von St. Petersburg. Der 30-jährige Sandro Wagner hat seine DFB-Laufbahn beleidigt beendet, Marvin Plattenhardt stand zwischendurch sogar im WM-Kader. In dem fehlte Lars Stindl (wie auch Can) nur aus Verletzungsgründen. Kerem Demirbay ist dauerhaft angeschlagen, Amin Younes und Benjamin Henrichs durchliefen Formtiefs.

Blieben die U-21-Europameister. Von denen haben sich bisher allenfalls Serge Gnabry und Thilo Kehrer im A-Team etabliert. In der Bundesliga kommen aktuell Yannick Gerhardt, Waldemar Anton, Niklas Stark, Mahmoud Dahoud, Maximilian Arnold, Maximilian Philipp, Mitchell Weiser und Dominik Kohr ständig zum Einsatz, für Benfica Lissabon schafft das Torhüter Odisseas Vlachodimos. Auch wenn vielen von ihnen noch die Konstanz fehlt, bieten sich Löw hier einige potenzielle Alternativen für die Zukunft. Aber weiter als Hummels, Kroos oder Müller sind die Talente natürlich noch nicht.

Den Umbruch mit Hilfe der Confed-Cup-Gewinner hat Löw also schon länger eingeleitet, über Umwege stießen Nico Schulz, Jonathan Tah oder jüngst Mark Uth dazu. Vielleicht gelingt das demnächst auch Philipp Max. Von den Weltmeistern sind nicht erst seit Dienstag nur noch wenige im Boot, geschont wurden 2017 allenfalls neun oder zehn von ihnen. Der nächste Schritt wäre der Einbau der Junioren-Europameister des Vorjahres. Auch in der derzeitigen U 21 drängen sich mittelfristig Akteure wie Maximilian Eggestein, Arne Maier oder Florian Neuhaus auf. Vermutlich wird Löw aber weiter sehr behutsam vorgehen.

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