Torwart-Legende
«Unglaublich»: Gaudi-Bursch Sepp Maier wird 75

Als «Katze von Anzing» wird Sepp Maier zu einer Torwart-Legende. Zum Titelruhm kommt sein komödiantisches Talent. Die Profi-Karriere endet jäh durch einen Autounfall. Zum Glück gibt's einen Lebensretter. Den Ruhestand verlebt Maier ohne die «Droge Fußball».

Donnerstag, 28.02.2019, 02:00 Uhr aktualisiert: 28.02.2019, 02:02 Uhr
Torwart-Legende Sepp Maier wird am 28. Februar 75 Jahre alt.
Torwart-Legende Sepp Maier wird am 28. Februar 75 Jahre alt. Foto: Andreas Gebert

München (dpa) - Die erste große Liebe im Leben von Sepp Maier war ein Fußball. Als zehnjähriger Knirps überredete er seinen älteren Bruder Horst unter Tränen, am Heiligen Abend die Geschenke zu tauschen: Lederball gegen Armbanduhr. «Da war für mich Weihnachten gerettet.»

Der spätere deutsche Jahrhunderttorwart nahm den Ball sogar mit ins Bett. «Fußball war für mich wie eine Droge», erzählte Maier viele Jahre später, als er längst ein Fußballstar beim FC Bayern München und Nationalspieler war. 95 Länderspiele bestritt er. Am heutigen Donnerstag wird die «Katze von Anzing», wie Maier genannt wurde, 75.

Ein großes Fest gibt's nicht. Den Geburtstag will er mit seiner Frau Monika «im kleinen Kreis» verbringen, in seiner zweiten Heimat Südtirol. «Wenn ich in München ein großes Fest feiern würde, wäre die Gästeliste doch arg lang.»

«75? Unglaublich!», antwortet Uli Hoeneß , als er auf Maiers runden Geburtstag angesprochen wird. Maier und Hoeneß haben viel gemeinsam erlebt. Sie feierten zusammen zahlreiche Titelgewinne mit dem FC Bayern und der Nationalelf. 1974 war ihr absolutes Triumphjahr: Deutscher Meister, Europapokalsieger, Weltmeister. «Es ist das Höchste, im eigenen Land Weltmeister zu werden», erklärte Maier.

Der am 28. Februar 1944 im niederbayerischen Metten geborene Maier zählt zu den Legenden des deutschen Fußballs. Er war Teil der berühmte Bayern-Achse Maier-Beckenbauer-Müller. Der Torwart, der als Junge ein berühmter Torjäger werden wollte, war jedoch mehr als ein Fußballer. Er war ein Gaudi-Bursch. Er wurde zum Karl Valentin des Fußballs ernannt. Maier war ein Torwart, der in einem Bundesligaspiel im Olympiastadion auch mal zwischendurch nach einer Ente hechtete. Maier besaß und besitzt komödiantisches Talent. «Ich kann auch grantig sein, aber meistens bin ich lustig und spaßig.»

Hoeneß erinnert sich «an viele schöne Geschichten mit dem Sepp, aber die können wir nur unter vier Augen besprechen». Besonders in den Trainingslagern sei es mit Maier «noch viel lustiger als heute» zugegangen. Als Reporter in Trainingscamps des FC Bayern noch beim Abschlussabend mit Mannschaft und Betreuerstab dabei sein durften, führte Maier gerne spätabends seine Späße oder auch Sketche auf.

In Spanien musste Ende der 1990er Jahre sogar der damalige Trainer Ottmar Hitzfeld bei einem kleinen Theaterstück eine Rolle übernehmen und sich auf das Kommando des Regisseurs und Hauptdarstellers Maier immer wieder vehement auf die Knie schmeißen. Es war eine Gaudi!

Maier erlebte gleich zwei Fußball-Karrieren. Die als Spieler begann mit dem ersten Profivertrag 1962 beim FC Bayern und 300 Mark Gehalt. Er hatte großen Anteil am Aufstieg des Münchner Vereins zur Nummer 1 in Deutschland und Europa. Er reihte Trophäe an Trophäe. Dreimal wurde der Torhüter zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt.

Maier stellte auch einen Rekord für die Ewigkeit auf: Er stand 13 Jahre ohne Unterbrechung in der Bundesliga im Tor. Zwischen dem 20. August 1966 und dem 9. Juni 1979 verpasste er keine Sekunde in 442 Ligaspielen für den FC Bayern (von insgesamt 473).

Der Tag, der sein Leben jäh veränderte, war der 14. Juli 1979. Ein heftiges Gewitter, Aquaplaning, ein schwerer Autounfall. «Zu dieser Zeit habe ich gedacht, mir kann nichts passieren. Übermütig war ich», gestand Maier in einem sehr persönlichen Film zu seinem Geburtstag im Bayerischen Fernsehen.

Auch in diesem schicksalhaften Moment war Hoeneß an Maiers Seite. «Er hat mir das Leben gerettet, was ich ihm nie vergessen werde. Uli hat mich damals aus dem Krankenhaus geholt und zu einem Spezialisten gebracht», schilderte Maier vor zehn Jahren in einem dpa-Interview. Lungenriss, Zwerchfellriss, Leberriss, akute Lebensgefahr. Eine Notoperation rettete Maier, der später verriet: «Einen Tag länger hätte ich damals nicht mehr überlebt.»

Maiers ehrgeiziges Ziel, ins Bayern-Tor zurückzukehren, scheitert jedoch. Der damalige Trainer Pal Csernai plant nicht mehr mit ihm. Mit 36 hört Maier auf. Hoeneß war damals gerade Manager geworden. «Der ehrliche Ratschlag war: Sepp, ich glaube nicht, dass du es noch mal zur alten Klasse schaffen kannst.» Maier sah es ein.

Und tauchte später doch wieder auf. Erst machte ihn Teamchef Franz Beckenbauer 1988 zum Torwarttrainer der Nationalmannschaft. 1990 wurden sie gemeinsam in Italien Weltmeister. Später übernahm Maier den Job auch beim FC Bayern, als erster Torwarttrainer überhaupt in der Bundesliga. Erst leitete Maier den Belgier Jean-Marie Pfaff an, später Oliver Kahn. Hoeneß habe 1994 zu ihm gesagt: «Sepp, du wirst jetzt fest angestellt. Ich habe den Oliver Kahn aus Karlsruhe geholt. Schleif ihn zum Diamanten.» Maier erfüllte Hoeneß' Auftrag.

«Sepp war total verlässlich», äußerte Kahn über seinen Lehrer. Beim DFB musste Maier 2004 auf Drängen von Jürgen Klinsmann gehen. Maier hatte sich vor der WM 2006 im Zweikampf Kahn gegen Jens Lehmann für seinen Schützling eingesetzt. Maier sprach von einer «linken Tour», die er dem damaligen Bundestrainer Klinsmann jahrelang übel nahm.

Im Mai 2008 nahm Maier gemeinsam mit Kahn Abschied vom FC Bayern. Er ging - damals 64 Jahre alt - mit Wehmut. Trotzdem sei er im Herzen immer «ein Roter» geblieben. Fußball ist nicht mehr primär in seinem Leben. Maier spielt Golf. Er geht gerne wandern. Und er reist viel mit seiner zweiten Frau. Kontakte zu Hoeneß oder Kahn pflegt er auch noch. Und mit einer Prognose, die er im dpa-Interview zu seinem 65. Geburtstag abgab, könnte er ein Jahrzehnt später richtig liegen.

Auf die Frage zur Zukunft von Oliver Kahn im Fußball, sagte Maier 2009: «Nein, Torwarttrainer wird er nie machen. Er hat die Geduld nicht, die ich mit ihm haben musste. Ich sehe Oliver Kahn eher im Management - oder gleich als Präsident.» Da passt es, dass der alte Weggefährte Hoeneß den 49-jährigen Kahn aktuell dazu auserkoren hat, beim FC Bayern in nicht mehr ferner Zukunft Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge zu werden.

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