TV-Experte
«Kein Besserwisser»: Klinsmann wieder nah dran an Löw

Jürgen Klinsmann rückt wieder nah ran an Joachim Löw und die deutsche Nationalmannschaft. Der Ex-Chef sieht seinen ehemaligen Assistenten beim Neustart durchaus unter besonderem Druck. RTL spielt mit zwei Rechtepakten nun ganz oben mit im Fußball-TV-Geschäft.

Dienstag, 19.03.2019, 14:21 Uhr
Nun als TV-Experte gefragt: Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann.
Nun als TV-Experte gefragt: Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) - Die neue TV-Rolle von Jürgen Klinsmann verspricht einige Brisanz: Ab sofort nimmt Joachim Löws Vorgänger den aktuellen Bundestrainer live und öffentlich unter die Lupe.

Als Deutschlands Chefkritiker Nummer eins aber sieht sich der ehemalige Weltmeister und Fußball-Revolutionär Klinsmann nicht. «Ich bin kein Kritiker, kein Besserwisser. Ich diskutiere gern über Fußball. Das, was wir sehen, werden wir sagen, ob es gut ist oder nicht gut», beschrieb der 54-Jährige seine Funktion als Fernseh-Experte.

« RTL ist eine schöne Aufgabe, auch um wieder mal nahe dran zu sein. Länderspiele sind immer Highlights. Dann weiß ich wieder mehr, was in Europa passiert», erklärte Klinsmann vor seinem ersten Einsatz beim Testspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch in Wolfsburg gegen Serbien. Möglich machten das Klinsmann-Engagement zwei Rechtepakete, die RTL beim europäischen Verband UEFA erwarb. Insgesamt 28 Spiele der DFB-Auswahl mit Qualifikationspartien für WM und EM sowie Testspiele sind darin enthalten.

Bei sieben Spielen bis zur EM-Endrunde 2020, die dann wieder von ARD und ZDF übertragen werden, wird Klinsmann den ausgerufenen Neustart seines einstigen Assistenten Löw mit dem Nationalteam öffentlich bewerten. «Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, Position zu beziehen», sagte der gebürtige Schwabe zwar. Doch schon seine Beschreibung des derzeitigen Zustandes der Nationalelf und des deutschen Fußballs insgesamt zeigt, dass Klinsmann auch nicht als Schönredner auftreten wird: «Das ist ein Pulverfass», erklärte der 108-malige Nationalspieler. Die Entwicklung seit einem Jahr sei «besorgniserregend».

Welche Prognose er für den Neustart des Löw-Teams wagen würde? «Mehr Hoffnung als Prognose», antwortete Klinsmann: «Die Hoffnung ist, dass richtig Feuer drin ist, dass die Mannschaft einfach richtig Elan zeigt und wirklich zu einem Neuanfang durchstartet.» Löw habe es «allemal verdient, den gravierenden Auftritt bei der WM in Russland zu korrigieren», betonte der Wahl-Amerikaner. «Fußball-Deutschland will wieder zur Créme de la Créme gehören. Da hast du immer eine Trainerdiskussion. Das weiß auch Jogi», sagte Klinsmann.

«Sie können mir glauben, dass ich verstehe, mit Druck umzugehen», räumte der DFB-Chefcoach einen Tag vor dem Länderspielauftakt 2019 ein. In seiner Position könne er «schon fühlen, was das bedeutet», ergänzte Löw. Dass man als Nationaltrainer von Ergebnissen abhängig sei, «ist klar», erklärte der 59-Jährige. «Die Ansprüche an mich selbst und die Mannschaft sind immer schon eminent hoch gewesen.»

Dass sich Löw, der von seinem Ex-Chef Klinsmann 2006 quasi in den Job des Bundestrainers geschoben wurde, mit der Ausmusterung seines Weltmeister-Trios Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng «selbst nochmals unter Druck setzt» sei normal, bemerkte Klinsmann. «Du musst Erfolg haben, egal was du tust. Jetzt noch viel mehr. Nicht nur als Nationalmannschaft bist du am Boden. Sondern der gesamte deutsche Fußball ist auf niedrigem Niveau.» Man müsse nicht alles anders machen: «Aber du musst schon fragen, warum fährt unser Zug so langsam und andere schießen an uns vorbei?»

RTL hofft auf einen Klinsmann-Effekt. «Die Werbewirksamkeit wird maßgeblich natürlich durch den Kern eines Events bestimmt, und das ist der Sport selbst», sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe der Deutschen Presse-Agentur. «Aber natürlich registriert die Werbewirtschaft immer positiv, wenn prominente und damit zugkräftige Protagonisten im Team sind.» Klinsmanns Popularität soll auch die TV-Fans anlocken.

Wirklich gute Experten sind immer Insider und Übersetzer für die Zuschauer zugleich», sagte Loppe: «Dabei geht es nicht nur um die Erklärung von Technik und Taktik, sondern vielmehr um Einordnungen auf Basis ureigener Erfahrungen. Sie waren und sind da, wo wir Fernsehleute niemals hinkommen werden. Das ist ein kostbarer Mehrwert.» Über die Kosten des gesamten RTL-Engagements redet niemand. Es gibt nur Schätzungen, wonach der Preis für eines der Fußballpakete mit der Nationalmannschaft knapp über 100 Millionen Euro liegen soll.

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