Titel in Brasilien
Fünf Jahre nach WM-Triumph in Rio: Nur noch Vier sind dabei

13. Juli 2014, Rio de Janeiro, Maracanã-Stadion: Deutschland wird zum vierten Mal Weltmeister, und Bundestrainer Löw steigt in die höchste Erfolgssphäre auf. Fünf Jahre danach sind im DFB-Team noch vier WM-Helden dabei, einer hofft auf sein Comeback.

Freitag, 12.07.2019, 10:41 Uhr aktualisiert: 12.07.2019, 10:44 Uhr
Titel in Brasilien: Fünf Jahre nach WM-Triumph in Rio: Nur noch Vier sind dabei
Foto: Andreas Gebert

Berlin (dpa) - Joachim Löw ist noch im Sommerurlaub, in dem er auch seine gesundheitliche Rehabilitation weiter vorantreibt. Am Samstag kann der Bundestrainer noch einmal zurückdenken an die größte Sternstunde in seiner inzwischen 13-jährigen Zeit als Chef der bedeutendsten deutschen Fußball-Mannschaft.

Am 13. Juli 2014, um 19.04 Uhr Ortszeit in Rio de Janeiro und kurz nach Mitternacht in Deutschland hatte DFB-Kapitän Philipp Lahm den WM-Pokal aus den Händen der brasilianischen Staatspräsidentin Dilma Rousseff erhalten.

«Das ist eine Sache für die Ewigkeit. Es waren zehn Jahre harte Arbeit. Wir sind in dieser Zeit immer besser geworden. Das war einfach fällig», sagte Löw nach dem Triumph im Kultstadion Maracanã. Der eingewechselte Mario Götze bescherte der Nationalelf an jenem Sonntagabend mit seinem Treffer in der 113. Minute den 1:0-Finalsieg nach Verlängerung gegen Argentinien und dem ganzen Land den vierten Weltmeistertitel. Eine 24-jährige Durststrecke war beendet - Bundeskanzlerin Angela Merkel jubelte auf der Tribüne.

Fünf Jahre später haben Merkel und Löw noch immer ihren Job - und manch heftigen Sturm überstanden. Der Schwarzwälder Löw stieg auf eine Stufe, die zuvor nur Sepp Herberger, Helmut Schön und «Kaiser» Franz Beckenbauer erklommen hatten. Als erster Trainer überhaupt eroberte er mit einem europäischen Team die WM-Krone auf dem amerikanischen Kontinent. Fast eine halbe Million Fans in Schwarz-Rot-Gold bereiteten den Champions auf der Berliner Fanmeile einen rauschenden Empfang. Das Team fuhr in einem offenen Truck von Moabit zum Pariser Platz. «Jetzt haben wir das Scheißding hier endlich», rief Bastian Schweinsteiger mit dem Pokal der Menge zu.

«Ich glaube, dass wir schon das Potenzial haben, auch die nächsten Jahre in der Weltspitze sein zu können», verkündete der damals 54 Jahre alte Löw bei den Feierlichkeiten. Es folgten jedoch Jahre mit vielen Auf und Abs. Die zwölf Monate nach Rio verschenkten Löw und sein Team im anhaltenden Feiermodus, gestand der Bundestrainer später. Lahm und Weltklassestürmer Miroslav Klose hatten da schon ihre Nationalmannschaftskarriere beendet.

An anderen Weltmeistern hielt der zehnte Bundestrainer der DFB-Historie lange, mitunter zu lange fest. 2016 bei der EM in Frankreich scheiterte Deutschland im Halbfinale gegen die Gastgeber, WM-Held Schweinsteiger wurde dabei zur tragischen Figur. Zwei Jahre später in Russland gab es mit dem historischen WM-Vorrunden-Aus ein Debakel.

Das überstand Löw nur, weil seine Verdienste zuvor so groß waren. Die von ihm verkündeten «tiefgreifenden Maßnahmen» leitete er erst ein, als sein Team auch noch aus der neu geschaffenen Nations League abgestiegen war. Danach entzog er seinen Weltmeister-Spielern Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng das Vertrauen.

In die EM-Saison 2019/20 geht Löw nur noch mit vier Akteuren, die in der Erfolgsnacht vor fünf Jahren von Rio dabei waren: Torwart Manuel Neuer, Abwehrmann Matthias Ginter sowie die Mittelfeldspieler Toni Kroos und Julian Draxler. Neuer und Kroos standen in der magischen Nacht von Rio auf dem Rasen. Final-Torschütze Götze hofft noch auf ein Comeback im Adler-Trikot.

Nach einem 3:2 in den Niederlanden, einem 2:0 in Weißrussland und einem 8:0 gegen Estland geht es in der EM-Qualifikation für die vier verbliebenen WM-Helden von 2014 am 6. September in Hamburg gegen die Holländer weiter. Löw, der die jüngsten zwei Partien nach einem Sportunfall verpasste, treibt die Aussicht, das Gefühl eines großen Turnier-Triumphes noch einmal genießen zu dürfen. Wenn nicht bei der Europameiserschaft 2020, dann vielleicht bei der WM 2022 in Katar.

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