Fußball: Die DFB-Elf baut ab und verliert verdient
Dämpfer im Prestige-Duell

Hamburg -

Die Restaurierung der deutschen Nationalelf muss einen Moment warten, kurz innehalten. Tatsächlich verlor das Team von Bundestrainer Joachim Löw nach einem Fußball-Fest in Hamburg gegen die Niederlande mit 2:4 (1:0). Die beiden deutschen Treffer durch Serge Gnabry und Toni Kroos genügten nicht, für die Gäste trafen Frenkie de Jong, der deutsche Verteidiger Jonathan Tah (Eigentor), Donyell Malen und und Georginio Wijnaldum.

Samstag, 07.09.2019, 12:02 Uhr aktualisiert: 07.09.2019, 13:34 Uhr
Mit Köpfchen: Abwehrchef Niklas Süle klärt vor dem lauernden Niederländer Ryan Babel.
Während die Niederländer feiern, stehen die DFB-Spieler enttäuscht in Hamburg auf dem Platz Foto: dpa

Es war die erfolgreiche, eine eindrucksvolle Revanche für die Hinspiel-Niederlage in der EM-Qualifikation der Gruppe C im März, als ein Last-Minute-Treffer von Nico Schulz den deutschen 3:2 Erfolg gesichert hatte. Am Montag in Nordirland kann die DFB-Auswahl dennoch den durchaus positiven Trend im Jahr eins nach dem WM-Debakel fortschreiben.

„Wir sind weiser geworden“, hatte gerade Bonds­coach Ronald Koeman versucht, die Brisanz des deutsch-niederländischen Kräftemessen auf eine Art Normalmaß zu stutzen. Er, der 1988 nach dem EM-Halbfinale von Hamburg das Trikot von Olaf Thon in gegehässiger Siegerlaune durch den Schritt gezogen hatte. Heute: Nur keine hasserfüllte Fußballschlachten wie in den 70er und 80er Jahren mehr, keine dreckigen Partien analog zu den 90ern. Rivalität, gerne und viel, so Koeman. Also dann.

Über weite Strecken war es so wie früher, Oranje ließ den Ball zirkulieren, die Gastgeber rannten hinterher, untermalt wurde das mit 66 Prozent Ballbesitz in der Anfangsphase – ehe die DFB-Auswahl eiskalt zuschlug. Joshua Kimmichs Traumpass öffnete das Feld, und als Lukas Klostermann noch an Torwart Jasper Cillessen gescheitert war, nutzte Serge Gnabry die Zweitverwertungsrechte zur Führung.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Einzelkritik

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  • Neuer: Der Kapitän parierte Schüsse von Depay und Wijnaldum. Machtlos bei den Gegentoren. Hielt vorm 1:2 noch glänzend van Dijks Kopfball.

    Foto: Robert Michael
  • Ginter (rechts): Der Gladbacher verteidigte unsicher, klärte einmal stark gegen Malen (64.). Sein ungenaues Zuspiel leitete das 2:3 ein.

    Foto: Christian Charisius
  • Süle: Lange konnte der Abwehrchef klären. Vorm 1:2 ließ er van Dijk zum Kopfball kommen. Kam auch beim 2:4 in der Nachspielzeit zu spät.

    Foto: Christian Charisius
  • Tah (mittig): Der Leverkusener war total überfordert und unglücklich dazu. Grober Patzer beim 1:1. Dann unterlief ihm das Eigentor zum 1:2.

    Foto: Axel Heimken
  • Klostermann (rechts): Der Leipziger hatte Promes im Griff. Scheiterte vorm 1:0 freistehend an Cillesen. Ließ die Flanke von Babel vor dem 1:1 zu.

    Foto: Christian Charisius
  • Kimmich: Gute Leistung auf seiner Lieblingsposition. Giftig und mit vielen Ballgewinnen. Herausragender Pass vorm 1:0 auf Klostermann.

    Foto: Daniel Reinhardt
  • Kroos: Laufstark, ballsicher - und nervenstark beim Elfmeter zum 2:2. Der Real-Star war fleißig. Eröffnete Reus eine Riesenchance (42.).

    Foto: Daniel Reinhardt
  • Schulz: Der Neu-Dortmunder spielt sich links fest. Defensiv solide, forsch im Vorwärtsdrang. Holte so auch den Handelfmeter raus (72.).

    Foto: Christian Charisius
  • Gnabry: «Gnabry spielt immer», sagte Löw. Gnabry trifft auch fast immer. Achtes Tor im neunten Länderspiel . Sehr aktiv, schnell und zielstrebig. De Ligt verhinderte seinen Doppelpack (50.).

    Foto: Axel Heimken
  • Reus: Der Dortmunder leistete viel Defensivarbeit. Kam nur begrenzt in Offensivaktionen. Vergab das 2:0, als er Cillessen anschoss.

    Foto: Robert Michael
  • Werner: Ersetzte Sané im Angriff. Seinen Torlauf aus der Bundesliga konnte er nicht ins DFB-Trikot übertragen. Ausgewechselt (61.).

    Foto: Christian Charisius
  • Gündogan: Kam nach einer Stunde für Reus. Spielte den Pass auf Schulz, der zum Elfmeter führte. Bewirkte aber nicht viel.

    Foto: Daniel Reinhardt
  • Havertz (links): Das Leverkusener Talent kam für Werner (61.), fand aber nicht richtig ins Spiel.

    Foto: Axel Heimken
  • Brandt (links): Kam wieder mal spät als Joker. Ohne Erfolg.

    Foto: Christian Charisius

Effektiv war das, der erste deutsche Angriff von Format bedeutete das 1:0. Gnabry, von Löw jüngst nach nur acht Länderspieleinsätzen in den Status des Unersetzlichen erhoben, rührte in Anlehnung an das virtuelle Spiel Fortnite seinen üblichen Torjubel an.

Die „Elftal“ spielte, ja, so kann man sagen, den schöneren Fußball, ballsicher, etwas selbstverliebt, selbstbewusst, auch mit zwei, drei Chancen. Wäre da nicht die DFB-Auswahl gewesen, konzentriert, zweikampfstark, den Gegner permanent nervend, bewusst defensiv ausgerichtet, allerdings auch ein gewagtes Manöver.

Manuel Neuer klärte früh gegen Memphis Depay, später köpfte Mathijs de Ligt neben das Tor. Löws Schützlinge kontrollierten die optische Überlegenheit der Gäste lange. Und kurz vor der Pause hätte Marco Reus eigentlich das 2:0 erzielen müssen, doch Cillessen hielt Holland im Spiel. Ein Wendepunkt.

Nach der Pause hatte Gnabry die erste gute Chance, de Ligt klärte auf der Linie. Und de Jong war auf der anderen Seite zur Stelle, um den Ausgleich zu markieren, weil Jonathan Tah ausrutschte und Nico Schulz zu spät kam. Das 1:1 hatte sich Holland hart erarbeitet.

Jetzt hatten die Niederländer richtig Oberwasser, ihr Druck hielt an. Der unglückliche Tah (66.) bugsierte nach einer Ecke den Ball ins eigene Tor, die Frage blieb, ob Ryan Babel zuvor im Abseits gestanden hatte.

Die deutsche Antwort? Prompt. Real-Star Toni Kroos (71.) verwandelte einen Handelfmeter sicher zum 2:2 – wer sonst als de Ligt war beteiligt, ihm tropfte das Spielgerät im überschaubaren Zweikampf mit Schulz an die Hand.

War es das? Nein, dieses Mal nicht. Die Offensivmaschinerie in orange-weiß setzte zum nächsten Schlag an, der eingewechselte Donyell Malen verwertete den Pass von Babel zur erneuten Führung, Georginio Wijnaldum stellte das 4:2 sicher.

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