Fußball: EM-Qualifikation
Deutschland bejubelt atemberaubenden Serge Gnabry

Frankfurt -

13 Tore in 13 Länderspielen – diese Quote ist allein schon aller Ehren wert. Serge Gnabry ist zweifelsohne der Shootingstar dieser deutschen Mannschaft, die mit dem 6:1 gegen Nordirland zum Ausklang des Länderspieljahres deutlich machte, dass sie ihre Krisenzeit fürs Erste überwunden hat.

Mittwoch, 20.11.2019, 14:26 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 16:17 Uhr
Sein drittes Tor: Serge Gnabry schiebt zum 4:1 ein.
Sein drittes Tor: Serge Gnabry schiebt zum 4:1 ein. Foto: Uwe Anspach/dpa

Mittendrin, als Michael O‘Neill eine Eloge auf den Gegner zum Besten gab, schlüpfte er vorbei und entschwand durch den Hinterausgang. Die Pressekonferenz des nordirischen Nationaltrainers war im vollen Gange, gerade referierte der 50-Jährige über den Gegner und ihn. Ihn? Das war Serge Gnabry , das neue deutsche Fußball-Wunderkind, das kurz zur Seite schaute, als O‘Neill kopfschüttelnd eher rhetorisch fragte: „Wie konnten ihn die Clubs in der Premier League übersehen? Wie konnten die englischen Top-Clubs, allen voran der FC Arsenal, Gnabry zurück nach Deutschland ziehen lassen. Diesen Brexit verstand O‘Neill so gar nicht.

Gemeint war das Jahr 2016, als der talentierte Kicker seine Zelte bei Arsenal und als Leihspieler von West Bromwich Albion abbrach, und in der Folge über Werder Bremen und die TSG Hoffenheim den Weg zu Bayern München fand. Wenn nun, nach der geschafften Qualifikation zur Europameisterschaft 2020, nach einem großen Gewinner in der deutschen Mannschaft gesucht wird, dann fällt an allererster Stelle der Name: Gnabry, Serge.

Wie auf Bestellung lieferte der 24-Jährige auch beim 6:1-Heimsieg zum Abschluss der EM-Qualifikation in der Gruppe C mit einem Dreierpack. In 13 Länderspielen hat er 13 Treffer erzielt, eine atemberaubende Quote, fast schon eine Hommage an den legendären Bomber der Nation, Gerd Müller, mit seinen 68 Toren in nur 62 Nationalelf-Einsätzen.

„Wir hatten ihn schon vor der WM 2014 im Blickfeld. Schon da hatte er bemerkenswerte Spiele für Arsenal gezeigt“, flog der Angreifer schon früh durch den Radar von Bundestrainer Joachim Löw . Die Ex-Nationalspieler und Londoner Profis Per Mertesacker und Mesut Özil, als der noch mit Löw kommunizierte, hatten Gnabry über den grünen Klee gelobt. Löws Analyse zum 24-Jährigen war ein Ritterschlag: „Er stellt verschiedene Ebenen in seinem Spiel her, ist immer anspielbar, lässt sich manchmal auch fallen, und sein Abschluss ist überragend. Das macht ihn so wertvoll für uns.“ Dass Leon Goretzka mit einem Doppelpack ebenfalls glänzend in Erscheinung trat, wollte Löw nicht verhehlen, denn: „Seine drei Tore in den letzten zwei Spielen sind sehr gut. Er ist eine feste Größe – wenn er gesund bleibt.“

Michael O‘Neill fand nicht nur Gnabry und Goretzka toll. Er machte das, was Löw nicht über die Lippen ging. „Das war ein brutaler Abend für uns. Die deutsche Mannschaft entwickelt sich rasant schnell.“ Er meinte das durch und durch positiv, die Reorganisation der DFB-Auswahl hatte es dem 50-Jährigen, der demnächst den britischen Zweitligisten Stoke City übernimmt, angetan. Im September „murkste“ sich die deutsche Auswahl durch Treffer von Marcel Halstenberg und eben Gnabry zum 2:0-Erfolg, jetzt war 90 Minuten Gala angesagt.

Nur nicht abheben wollte dann aber Löw. Er weiß um die Probleme für 2020, dass mit Abwehrchef Niklas Süle und Angreifer Leroy Sané (beide Kreuzbandriss) zwei vermeintliche Schlüsselspieler noch lange fehlen werden. Auch stört ihn die Pause bis Mitte März, wenn die EM-Präparation mit einem Länderspiel gegen Spanien beginnt. Gerne würde er seine DFB-Auswahl auch noch gegen ein Schwergewicht wie Europameister Portugal oder Top-Favorit Belgien antreten sehen. Aber: „Warten wir noch die Auslosung ab.“ Ob es dann schon für den großen Wurf bei der EM reicht? Nordirlands Coach O‘Neill hat zumindest da seine Zweifel: „Vielleicht kommt für diese junge deutsche Mannschaft das Turnier zu früh. Aber das Team wird sich in den nächsten vier bis sechs Jahren in der Weltspitze etablieren.“ Vielleicht irrt sich O‘Neill, er hatte auch für Frankfurt ein Duell auf Augenhöhe erwartet.

Nur hat Löws Mannschaft 2019 mehr Hausaufgaben erledigt als erwartet. Vielleicht schlüpft Deutschland durch die Hintertür in den Kreis der EM-Favoriten. Unmöglich? Nein, unmöglich ist mit Typen wie Serge Gnabry rein gar nichts.

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