Fußball-EM 2020
Bierhoff baut auf München-Faktor: «Da knallt es richtig»

Die Auslosung der EM-Gruppen hat bei Bundestrainer Löw und den Nationalspielern eine «Habt-acht-Stellung» ausgelöst. DFB-Direktor Bierhoff setzt trotz «extremer Drucksituation» auf den Heimvorteil in München - und er warnt vor einer «Delle» in der ferneren Zukunft.

Dienstag, 18.02.2020, 16:44 Uhr aktualisiert: 18.02.2020, 16:46 Uhr
Setzt bei der EM 2020 auf den Heimvorteil in München: DFB-Direktor Oliver Bierhoff.
Setzt bei der EM 2020 auf den Heimvorteil in München: DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Foto: Marius Becker

Dortmund (dpa) - Oliver Bierhoff hat einen Sommer-Traum. Die deutschen Fans sollen die von Joachim Löw radikal umgebaute und verjüngte Fußball-Nationalelf in den extrem herausfordernden Aufgaben zum Turnierstart mit zum Erfolg tragen.

«Der München-Faktor wird eine Rolle spielen», sagte der DFB-Direktor bei einem Medientalk der Direktion Nationalmannschaften und Akademie in Dortmund mit Blick auf den Heimvorteil in den Gruppenspielen gegen Weltmeister Frankreich (16. Juni), Titelverteidiger Portugal (20. Juni) sowie den noch nicht feststehenden dritten Vorrundengegner am 24. Juni.

Bierhoff bewertet es «eher positiv», in der Allianz Arena mit der Unterstützung des Publikums Schwung aufnehmen zu können für eine erfolgreiche EM-Endrunde. «Da knallt es richtig», prophezeite der 51-Jährige. Bierhoff hofft auf einen ähnlichen Effekt wie bei der WM 2006 in Deutschland. Damals wuchs ebenfalls ein junges deutsches Team um Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski an den Aufgaben und mit der leidenschaftlichen Unterstützung der deutschen Anhänger.

«Man geht anders zu so einem Turnier, wenn man weiß, die ersten drei Spiele habe ich hier im Stadion. Das erfüllt dich als Spieler mit Stolz und Freude», erläuterte Bierhoff im Deutschen Fußballmuseum. Es sei zwar «eine extrem hohe Drucksituation», aber eine, bei der jeder einzelne Spieler wisse, «dass man sich darin auszeichnen kann».

Die Auslosung der Hammergruppe F mit Deutschland, Frankreich, Portugal und einem Ende März noch zu ermittelnden Playoff-Gewinner (womöglich Island) habe bei den DFB-Verantwortlichen und bei den Nationalspielern schon Monate vor dem Turnierbeginn am 12. Juni eine «Habt-acht-Stellung» ausgelöst, bemerkte Bierhoff: «Man weiß, es gibt keinen leichten Start, sondern es geht direkt von 0 auf 100.»

Dieses Wissen bewertet der 51-Jährige auch als gut für die Vorbereitungsphase, die Bundestrainer Joachim Löw am 26. Mai in Seefeld in Tirol starten will. Vor der Nominierung des vorläufigen EM-Kaders nach der Bundesliga-Saison bleiben Löw nur noch die ersten Länderspielen des Jahres am 26. März in Madrid gegen Spanien und fünf Tage darauf in Nürnberg gegen Italien als Sichtungsmöglichkeit.

Die DFB-Auswahl gehe zwei Jahre nach dem historischen Vorrunden-K.o. bei der Weltmeisterschaft in Russland «nicht als Favorit» in die EM, erklärte Bierhoff. Trotzdem müsse eine deutsche Mannschaft immer in ein Turnier gehen mit dem Ziel, «das Größte» zu wollen: Den Titel.

Die Sportliche Leitung um Löw und Bierhoff ist sich aber bewusst, dass nach der Ausmusterung etlicher Weltmeister von Mats Hummels bis Thomas Müller sowie dem großen Verletzungspech im ersten Halbjahr der EM-Saison (Leroy Sané, Niklas Süle) von der neuformierten Mannschaft keine Wunderdinge erwartet werden darf. «Jogi ist mit seinen Trainern einen mutigen und konsequenten Schritt des Umbruches gegangen, der sehr gut gegriffen hat. Es macht echt Spaß mit der Truppe. Da wächst etwas heran», sagte Bierhoff. Er gab als Motto für 2020 aus: «Zurück in die Weltspitze ist weiter unser Ziel!»

Insbesondere der 1995er-Jahrgang um Joshua Kimmich, Serge Gnabry oder Leon Goretzka macht Mut für die Zukunft, die von Bierhoff und seinen Mitstreitern in der DFB-Akademie für die Zeit nach der Heim-EM 2024 jedoch düster betrachtet wird. «Wir haben ganz klar warnende Tendenzen erkannt», berichtete Bierhoff mit Blick auf die wenigen Talente in den Juniorenauswahlteams des DFB . «Es wird eine Delle geben», mahnte er. Aktuelle U21-Auswahlspieler kämen in England, Spanien oder Frankreich häufiger in den 1. Ligen zum Einsatz als in der Bundesliga, berichtete Stefan Kuntz in Dortmund. Besorgt sagte der Junioren-Nationalcoach: «Aus meiner aktuellen U21 ist keiner ganz kurz vor den Toren der Nationalmannschaft.»

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