Nationalmannschaft
Havertz im Fokus: Löws Platzsuche für den 100-Millionen-Mann

Kein Spieler war europaweit in diesem speziellen Transfersommer so teuer wie Kai Havertz. Im Chelsea-Trikot will der 21-Jährige zum Topstar reifen - und im Nationalteam langsam eine Position finden.

Dienstag, 06.10.2020, 18:25 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 18:28 Uhr
Soll im Nationalteam langsam eine Position finden: Kai Havertz.
Soll im Nationalteam langsam eine Position finden: Kai Havertz. Foto: Philipp Reinhard

Köln (dpa) - Jetzt ist Kai Havertz am Zug. Beim Test-Kick gegen die Türkei werden sich viele Blicke auf den teuersten Transfer dieses Corona-Sommers richten. Von Joachim Löw gab es eine Startgarantie.

Erstmals wird der 21-Jährige am 7. Oktober (20.45 Uhr/ RTL ) im Kölner Stadion als Profi des FC Chelsea im Nationaltrikot auflaufen. Es ist für Havertz, für den der Premier-League-Club inklusive Zulagen am Ende wohl bis zu 100 Millionen Euro an Bayer Leverkusen überweisen könnte, der Start in eine EM-Saison, in der er auch im DFB-Team wichtig(er) werden möchte: «Ich will überzeugen mit Leistung.»

Seit seinem kurzen Debüt vor zwei Jahren beim 2:1 gegen Peru kommt Havertz gerade mal auf sieben Länderspiele. «Ich bin noch jung und habe noch viele Jahre vor mir», bemerkte er in Köln. Aber er will sich dem Wettbewerb stellen: «Ich habe genug Selbstvertrauen, hier anzugreifen.»

Mehr als sein Talent konnte er im Elitekreis noch nicht andeuten. Es wird langsam Zeit, dass sich die Prophezeiung von Joachim Löw erfüllt. «Kai Havertz kann für die Nationalmannschaft ein prägender Spieler sein. Für ihn finden wir einen Platz, auf jeden Fall», sagte Löw im Herbst 2019. Passiert ist wenig. Den Platz suchen Havertz und auch Löw immer noch.

«Kai tut unserem Spiel in jedem Fall in spielerischer und technischer Hinsicht gut», sagte Löw. Gegen die Türken soll der torgefährliche Mittelfeldspieler das Offensivspiel lenken. Havertz ist ein Fußball-Juwel. In Leverkusen war er eine Führungskraft. In England will er zu einem internationalen Star reifen. «Für mich war es ein großer Schritt, meine Familie, mein Umfeld zu verlassen», berichtete er. In London ist alles neu für ihn, auch sportlich. «Es ist eine komplett andere Liga, intensiver und sehr anstrengend», sagte er nach seinen ersten Einsätzen in der Premier League.

Seinen ersten tollen Chelsea-Moment erlebte das «German Wunderkind», wie die BBC den 100-Millionen-Mann nannte, beim 6:0 im Ligapokal gegen den FC Barnsley. Drei Tore erzielte Havertz gegen den Zweitligisten. «Der Hattrick hat mir sehr gut getan», bekannte er vor dem Türkei-Spiel. Sein Trainer Frank Lampard schwärmte anschließend von einer «großartigen Nacht, die erste von vielen für ihn». Havertz sieht freilich bei sich «noch viel Potenzial nach oben».

Löw bewertet Havertz' Wechsel auf die Insel positiv. «Chelsea finde ich gut. Chelsea zählt aktuell nicht zu den Top 5 in Europa. Aber sie haben viele gute, junge Spieler und gute Pläne für die nächsten fünf Jahre», sagte der Bundestrainer. Bis 2025 läuft Havertz' Vertrag.

Beim jüngsten Neustart der Nationalelf nach dem Corona-Lockdown konnte Löw die Platzsuche und die Integration von Havertz nicht wie gewollt vorantreiben. Havertz schaute in der Nations League beim 1:1 gegen Spanien 90 Minuten zu. Und vor dem 1:1 gegen die Schweiz reiste der Jungstar nach London, um den Wechsel zu Chelsea fix zu machen.

Löw mied das Risiko. «Wenn es um solche Transferdimensionen geht, hätte es keinen Sinn gemacht. Vielleicht geht er dann anders in die Zweikämpfe», begründete Löw die besondere Behandlung von Havertz. Löws Entgegenkommen könnte Havertz nun mit Topleistungen begleichen.

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