„Ich bin jemand, der viel gibt“
DHB-Präsident Bernhard Bauer gilt als Hoffnungsträger des deutschen Handballs / Frische Ideen

Münster -

Mit ihm soll ein Ruck durch Handball-Deutschland gehen: Bernhard Bauer. Am 21. September beerbte der 62-jährige ehemalige politische Beamte seinen Vorgänger Ulrich Strombach als Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Sein erster Schachzug: Die Weltmeisterschaft 2019 findet in Deutschland und Dänemark statt. Am Donnerstag weilte Bauer im Rahmen einer DHB-Fachtagung im Institut für Sportwissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Redaktionsmitglied André Fischer hatte Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

Sonntag, 10.11.2013, 13:11 Uhr

Ein Schwabe mit Weitsicht: Bernhard Bauer, der neue Präsident des Deutschen Handball-Bundes.
Ein Schwabe mit Weitsicht: Bernhard Bauer, der neue Präsident des Deutschen Handball-Bundes. Foto: dpa

Herr Bauer , Sie sind in Neckarsulm geboren. Ein echter Schwabe also. Oft wird denen nachgesagt, sie seien ein geiziges Völklein. Ist dem so?

Bauer: Nein, ich bin nicht geizig. Ich bin aber auch keiner, der mit Geld groß um sich wirft. Ich bin jemand, der, so würde ich mich einschätzen, viel gibt.

In Ihrer Position ist es mitunter nicht unwichtig, vernünftig zu haushalten.

Bauer: Sicherlich, vernünftig haushalten ist den Schwaben, ohne dass sie geizig sein müssen, in die Wiege gelegt. Normalerweise sind wir Menschen, die mit dem auskommen, über was sie verfügen.

Sie haben vor Ihrem Amtsantritt gesagt, dass in Ihnen noch ein Feuer brennt. Welche Rauchzeichen haben Sie nach den ersten knapp sechs Wochen bislang gegeben?

Bauer: Also in dieser kurzen Zeit ein Fazit zu ziehen, das wäre schon ziemlich übermütig. Ich glaube aber sagen zu können, dass die sechs Wochen voll Arbeit waren. Ein paar kleine Schritte haben wir dennoch gemacht. Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2019 zusammen mit den Dänen ist ein erster Erfolg. Das war nicht einfach. Wir haben wirklich innerhalb kürzester Zeit Konzepte gemeinsam mit Dänemark erstellt und viele Gespräche geführt, um den Handball voranzubringen.

Beide Länder hatten ja auch eine Einzelbewerbung eingereicht.

Bauer: Das ist richtig. Wir hatten allerdings auch gesagt, dass wir uns diese WM durchaus mit einem Partner vorstellen können. Der Reiz liegt darin, anderen Ländern die Hand zu reichen, gerade als weltgrößter Handballverband zu sagen, wir machen mit euch gemeinsame Sache. Das ist eine Partnerschaft von zwei großen Handballnationen, die glaube ich beispielgebend sein kann für die Zukunft.

Nun hat das Interesse an der Nationalmannschaft der Männer zuletzt nachgelassen. Beim Supercup blieben viele Ränge leer.

Bauer: Natürlich hat jeder gerne volle Hallen, das ist keine Frage. Aber ich habe Verständnis für die Skepsis der Fans. Die Mannschaft hat die Olympiaqualifikation nicht geschafft, und auch die Europameisterschaft 2014 findet ohne deutsche Beteiligung statt. Ich denke, die Botschaft der Fans ist auch bei den Spielern angekommen und sie wissen, dass die Zuschauer erst wiederkommen, wenn sie gute Spiele abliefern.

In der Bundesliga wird Multikulti großgeschrieben. Die Rhein-Neckar Löwen haben einen Ausländeranteil von allein 68 Prozent. Wird eine Selbstbeschränkung nicht allerhöchste Zeit?

Bauer: Es ist immer ein vorschnelles Argument zu sagen, wir brauchen eine Quote oder eine Selbstbeschränkung. Man muss eines sehen: Die Handball-Bundesliga ist unbestritten die stärkste Liga der Welt. Das ist sie deshalb, weil sie in der Tat viele Weltklasse-Spieler in Deutschland halten kann. Und gleichzeitig ist es so, dass junge deutsche Spieler das Niveau unmittelbar hautnah erleben, auf dem sie spielen müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Und deshalb, glaube ich, brauchen wir ein Bündel von Maßnahmen, die diese Spieler an das international notwendige Niveau heranführen. Und da gibt es die Chance bei einer entsprechenden Ausbildung im Vorfeld. Hoffnungsvolle Talente müssen in den einzelnen Vereinen so entwickelt werden, dass sie später das Gesicht des jeweiligen Clubs sind.

Sie möchten Handball im Schulsport als dritte Kraft hinter Fußball und Leichtathletik etablieren. Wie ist da der Stand der Dinge?

Bauer: Das stimmt. Handball ist einer der größten Sportverbände. Deutlich größer als Basketball und Volleyball. Wir müssen erreichen, hinter Fußball und Leichtathletik die Sportart zu sein, die am weitesten in der Schule unterrichtet wird.

Es soll selbst Überlegungen geben, Handball im vorschulischen Bereich anzubieten.

Bauer: Ja, es gibt sehr wohl Überlegungen und Konzepte, Handball als koordinative Körperentwicklung mit in den Alltag der Kinder einzubauen.

Mit dem TV Emsdetten hat es ein Club aus dieser Region ins Oberhaus geschafft – und wird wahrscheinlich wie so viele Aufsteiger kläglich scheitern. Ist der Sprung zu groß?

Bauer: Ich glaube, das kann man nicht allgemein sagen. Es kommt auf die jeweiligen sportlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse an. Viele Aufsteiger haben bewiesen, dass sie mithalten können, ohne dass sie über ihre Verhältnisse investiert haben. Aktuell ist der Bergische HC ein gutes Beispiel.

Johann Wolfgang von Goethe hat von der schwäbischen Küche geschwärmt. Womit verwöhnen Sie Ihren Gaumen?

Bauer: Ein guter Schwabe isst am liebsten Rostbraten mit Spätzle.

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