Handball: Weltmeisterschaft
Hamburg gebucht – Köln steht Kopf

Köln -

Deutschland steht im Halbfinale der Handball-Weltmeisterschaft. Das ist die tragende Erkenntnis nach einem nervenaufreibendem 22:21-Sieg gegen Kroatien. Die deutsche Handball-Party geht weiter ...

Montag, 21.01.2019, 22:24 Uhr aktualisiert: 22.01.2019, 09:30 Uhr
Zwei Zeitstrafen vor der Pause, aber dennoch vorne wie hinten stark: Hendrik Pekeler (r.), hier gegen Luka Stepancic
Abpfiff! Deutschlands Trainer Christian Prokop (l.) jubelt zusammen mit seinen Spielern über den vorzeitigen Einzug ins WM-Halbfinale. Foto: dpa

Viel mehr hätten die deutschen Handballer das Publikum nicht auf die Folter spannen können. Ein Krimi, gerade in der Schlussviertelstunde, war das. Am Ende jubelte der Gastgeber. Danach hatte es kurzzeitig nicht ausgesehen. 22:21 (11:11)! Das Halbfinale ist gebucht, das große Ziel erreicht, Hamburg am Freitag sicher. Ob gar mehr geht? An diesem Abend unwichtig. Eine Steigerung im Angriff wäre dazu zwingend. Mittwoch gegen Spanien (20.30 Uhr) geht’s nur noch um den Gruppensieg. Die Party am Rhein fand früher statt als geplant. Allerdings mischten sich auch nachdenkliche Töne in die allgemeine Ekstase. Denn Martin Strobel verletzte sich schwer.

Was diesmal anders war: Auch der Gegner brachte Lärm in die Halle, von München aus waren viele Kroaten mit an den Rhein gekommen. Ohrenstöpsel waren für sanfte Gehörgänge keine verkehrte Wahl.

Strobel scheidet aus

Die Anfangsphase gestaltete sich schwierig für die Hausherren. Gegen eine 5:1-Deckung war es nicht leicht, Lücken zu finden. Dass es körperlich zuging, überraschte aber keinen. Erstmals brutal wurde es, als Luka Stepancic am Kreis Strobel zu Boden riss und ohne Strafe davon kam. Der Regisseur aber musste mit Verdacht auf eine schwere Knieverletzung vom Platz getragen werden.

Martin hat die Nationalmannschaft mit großem Einsatz auf den Weg gebracht. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Wir spielen jetzt auch für ihn.

Handball-Bundestrainer Christian Prokop

Später stellte sich heraus, dass der 32-Jährige sich einen Kreuzbandriss und einen Innenbandriss im linken Knie zugezogen hat. Er fällt für den Rest des Turniers und weit darüber hinaus aus. In den nächsten Tagen sollen die gerissenen Bänder operiert werden.

Wer Strobels Platz im Kader einnimmt, stand zunächst nicht fest. Gegen Kroatien war nach der Verletzung zunächst Paul Drux im Aufbau gefordert.

Handball-WM Deutschland-Kroatien 22:21

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  • Deutschland jubelt, Kroatien am Boden: Mit einem 22:21-Sieg hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft den Einzug ins WM-Halbfinale perfekt gemacht. Kroatien dagegen hat keine Chance mehr auf den Titel.

    Foto: Marius Becker
  • Torwart Andreas Wolff (r.) umarmt Rückraumspieler Fabian Wiede, der zum Spieler des Spiels gewählt wurde.

    Foto: Marius Becker
  • 19.250 Zuschauer in der erneut vollen Lanxess Arena in Köln bejubeln – von den kroatischen Fans mal abgesehen – die deutsche Mannschaft.

    Foto: Federico Gambarini
  • Die Mannschaft von Trainer Christian Prokop ist durch den Sieg vorzeitig fürs WM-Halbfinale qualifiziert. Im letzten Hauptrunden-Spiel gegen Spanien (Mittwoch, 20.30 Uhr) können sie sich eine Niederlage erlauben.

    Foto: Marius Becker
  • Schockmoment: Früh im Spiel muss Deutschlands Spielmacher Martin Strobel verletzt raus.

    Foto: Federico Gambarini
  • Ohne große Gegnereinwirkung war der 32-Jährige umgeknickt und hat sich einen Kreuzbandriss und einen Innenbandriss im linken Knie zugezogen. Er fällt für den Rest des Turniers aus.

    Foto: Marius Becker
  • In der von Beginn an umkämpften Partie verdiente sich vor allem die erneut auf allerhöchstem Niveau agierende deutsche Defensive eine Bestnote.

    Foto: Federico Gambarini
  • Im Angriff haperte es dagegen. Deutschland leistete sich viele Fehlwürfe und scheiterte oft am starken kroatischen Torwart Marin Sego.

    Foto: Federico Gambarini
  • Das Spiel blieb lange Zeit ausgeglichen. Zur Pause stand es 11:11.

    Foto: Marius Becker
  • Dank zupackender Arbeit von Abwehrchef Patrick Wiencek und seinen Nebenmannen gelang es Deutschland, in der zweiten Halbzeit einen Vorsprung herauszuspielen.

    Foto: Federico Gambarini
  • Kroatiens Star Domagoj Duvnjak gelang gegen die starke deutsche Deckung nicht viel.

    Foto: Marius Becker
  • Auf der Gegenseite haperte es Mitte der zweiten Hälfte aber auch im deutschen Angriff.

    Foto: Federico Gambarini
  • Nach einer 18:15-Führung vergaben die Deutschen Chance um Chance.

    Foto: Marius Becker
  • Drei Minuten vor Schluss besorgte Igor Karacic die Führung für Kroatien: 20:19!

    Foto: Marius Becker
  • Doch Rückraum-Schütze Steffen Fäth glich postwendend aus.

    Foto: Federico Gambarini
  • Dann gelang Deutschlands Torwart Andreas Wolff eine seiner zahlreichen starken Paraden. Er leitete den Tempo-Gegenstoß ein, Hendrik Pekeler verwandelte:

    Foto: Marius Becker
  • Kroatiens Trainer Lino Cervar hadert mit einem Pfiff des Schiedsrichters: Der hatte ein Stürmerfoul der Kroaten gesehen, Ballbesitz Deutschland in der letzten Minute.

    Foto: Marius Becker
  • Und Uwe Gensheimer trifft zum 22:20 für Deutschland.

    Foto: Federico Gambarini
  • Kroatien gelingt noch der 21:22-Anschlusstreffer, doch dann ist Schluss.

    Foto: Marius Becker
  • Geschafft! Mit dem Sieg zieht Deutschland ins WM-Halbfinale ein.

    Foto: Federico Gambarini
  • Die Handballer genossen nach dem Sieg die Atmosphäre in der Kölner Arena. „Das war heute eine ganz harte Prüfung“, sagte Bundestrainer Prokop, „so eine Drucksituation zu bestehen, darauf bin ich unheimlich stolz.“

    Foto: Federico Gambarini
  • Das Halbfinale findet in Hamburg statt. Gegner am Freitag (20.30 Uhr, ARD) wird Dänemark, Schweden oder Norwegen sein.

    Foto: Federico Gambarini

Kampf auf Biegen und Brechen

Viele Fouls und Unterbrechungen, dazu Diskussionen – es war ein echter Kampf auf Biegen und Brechen. Im Rückraum fand Fabian Wiede , der erneut für den aber genesenen Steffen Weinhold halbrechts begann, schnell ins Geschehen. Auch ohne Taktgeber Strobel, das war ein gutes Signal. Die Deckung, jetzt nicht mehr im 6:0 formiert, griff beseelt zu.

Wenn Patrick Wiencek seine großen Hände mal nicht am bulligen Zeljko Musa hatte, forderte er das Publikum auf, noch mehr mitzugehen (erst recht nach seinem Wurf ins leere Tor zum 10:8), was schwer möglich war. Bester Qualitätsbeweis für die Abwehr: Superstar Domagoj Duvnjak traf in der 24. Minute erstmals.

Der Arm der Referees ging oft nach oben, wenn Kroatien in Ballbesitz war. Deutschland war das bessere Team, ließ aber viel liegen und kassierte viel zu oft zwei Minuten. Allein Hendrik Pekeler und Patrick Groetzki doppelt vor der Pause und am Ende auch noch gleichzeitig. Da war der Vorsprung binnen 120 Sekunden zu einem Rückstand geworden (10:11/29.).

Chancen kläglich vergeben

Das Dilemma der DHB-Auswahl setzte sich nach der Pause in Person von Patrick Groetzki fort, der gleich drei freie Abschlüsse wieder kläglich vergab. Immerhin erzielten Fabian Böhm und Kai Häfner nun auch mal leichte Tore. In Kombination mit der überragenden Abwehr ergab das eine Drei-Tore-Führung (18:15/46.).

Nur neun Minuten später aber stand es 18:19. In Reihe versagten vor dem Kasten die Nerven, Keeper Marin Sego bedankte sich. Ein völliger Offensivblackout. Ein Nervenspiel. Schon wieder. Erst Wiede beendete den Spuk. 19:19 (26.).

Pekeler besorgte im Gegenstoß wieder die 21:20-Führung (29.). Als die Unparteiischen ein Offensivfoul der Kroaten sahen, hatten die Hausherren plötzlich alle Trümpfe in der Hand. Uwe Gensheimer machte 40 Sekunden vor dem Ende alles klar. Nicht zu fassen. Etwas Hektik noch, dann der Abpfiff. Was für ein Finish! Die Halle, zwischendurch versteinert, stand Kopf.

► Wer wird der deutsche Halbfinal-Gegner? In der Hauptrundengruppe II deutet sich ein Herzschlagfinale zwischen Gastgeber Dänemark und Schweden, die am Mittwoch aufeinander treffen, und Norwegen an. Verliert der Ausrichter sein letztes Spiel, kommt es zu einer Konstellation, in der eines der drei Länder mit acht Punkten das Halbfinale verpasst. Es würde das Torverhältnis zählen.

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