DHB-Vizepräsident
Der Strippenzieher: Hanning liebt und lebt Handball

Bob Hanning gilt als mächtigster Mann im deutschen Handball. Der Vizepräsident Leistungssport hat die Entwicklung in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt - und sich dabei nicht nur Freunde gemacht. Und auch abseits des Parketts polarisiert er.

Mittwoch, 23.01.2019, 13:28 Uhr aktualisiert: 23.01.2019, 13:32 Uhr
Mächtiger Mann beim DHB: Vizepräsident Bob Hanning.
Mächtiger Mann beim DHB: Vizepräsident Bob Hanning. Foto: Monika Skolimowska

Köln (dpa) - Der extravagante Modegeschmack von Bob Hanning entlockt Andreas Michelmann nur ein Schmunzeln. «Wenn du die A-Seite haben willst, musst du auch die B-Seite mitnehmen», sagt der Boss des Deutschen Handballbundes über das schräge Outfit des von ihm geschätzten Vizepräsidenten Leistungssport.

Viel wichtiger ist Michelmann die Feststellung: «Er hat den Handball extrem nach vorn gebracht und wird dies auch weiter tun.» Die bunten und sündhaft teuren Pullover, die Hanning bei seinen öffentlichen WM-Auftritten trägt, sind in diesen Tagen der Hingucker und das wohl am meisten diskutierte Thema abseits des Parketts. Hanning polarisiert dabei - genauso wie er das in der Handballszene schon immer getan hat. «Er ist immer bereit für spektakuläre Aktionen und prescht gerne mit neuen Ideen nach vorn. Egal, ob die Leute das gut finden oder nicht. Meine Aufgabe ist es dann, den Laden zusammenzuhalten», sagt Michelmann in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur .

Dass der Laden so läuft, wie er das tut, liegt vor allem an Hanning. Der nur 1,68 Meter große Macher zieht im Verband die Fäden, seit er 2013 das Amt angetreten hat. «Wenn ich seine Rolle mit einer Spielerposition erklären würde, dann wäre das Aufbau und Kreis. Er dirigiert und geht in die Spitze», sagt Michelmann.

Seine Konsequenz hat Hanning im Laufe der Jahre viele Widersacher beschert. Das nimmt er billigend in Kauf, denn er will vor allem eines: Den Handball professioneller und populärer machen. Dazu sind ihm alle Mittel recht. «Er ist absolut handballverrückt, sehr erfolgsorientiert und sehr empathisch gegenüber denen, die Leistung bringen wollen», charakterisiert Michelmann den 50-Jährigen. «Und er ist natürlich extrovertiert.»

Konventionen scheren Hanning überhaupt nicht. So überwarf sich der Manager des Bundesligisten Füchse Berlin nach seinem Amtsantritt erst mit dem damaligen DHB-Präsidenten Bernhard Bauer und dann mit Deutschlands Handball-Ikone Heiner Brand. Der Weltmeister-Trainer von 2007 bescheinigte seinem ehemaligen Co-Trainer nach dem Bruch eine «narzisstische Persönlichkeitsausprägung».

Kritik ficht Hanning jedoch nicht an - zumindest vermittelt der mit Ex-Sprintstar Katrin Krabbe liierte Funktionär in der Öffentlichkeit diesen Eindruck. Zum Teil zieht er sie sogar bewusst auf sich. Getreu dem Motto: Auch eine negative Schlagzeile ist eine Schlagzeile.

Das Spiel mit den Medien beherrscht Hanning perfekt - auch bei der Heim-WM. Kaum hatte er Bayern-Profi Franck Ribéry in der Goldsteak-Affäre kritisiert, erschien er zur deutschen Auftakt-Pressekonferenz im auffälligen Versace-Pulli. Der Handball war schon vor dem WM-Anpfiff in aller Munde.

Böse Zungen behaupten, Hanning tue das aus Selbstzweck. Er selbst sieht sich bei allem, was er tut, im Dienst des Handballs. Unbestritten ist, dass Hanning stets mit Herzblut bei der Sache ist. «Unser Sport ist bodenständig, nahbar, manchmal mit etwas Gold besetzt in den Pullovern, ansonsten auch ganz chic», sagt Hanning mit einem Augenzwinkern über seine Lieblingssportart.

Die hat er in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt. 2014 setzte er Dagur Sigurdsson als Bundestrainer durch, unter dem zwei Jahre später der sensationelle EM-Triumph gelang. Nach dem Abgang des Isländers holte er Christian Prokop für eine Ablöse von 500 000 Euro vom Bundesligisten SC DHfK Leipzig ins Amt und hielt an ihm auch nach der desaströsen EM 2018 fest.

Heute sieht sich Hanning in seiner Meinung über Prokop bestätigt. «Er ist fachlich hoch versiert, menschlich hoch kompetent und will gemeinsam Großes erreichen», sagt Hanning und stellt zufrieden fest: «Jetzt sind wir konzeptionell genau dort, wo ich hinwollte.»

Die Rückkehr in die Weltspitze stand von Anfang an auf seinem Plan - mit dem großen Ziel Olympia-Gold 2020. Die Chance darauf hat sich die DHB-Auswahl mit dem Einzug ins WM-Halbfinale erhalten. «Erfolg ist planbar, wenn es die richtigen Leute tun», sagt Hanning. «Wenn man alles dafür tut - und die Mannschaft, der Trainer und das Umfeld haben dies getan - ist die Wahrscheinlichkeit, Erfolg zu haben, natürlich größer. Das haben wir hinbekommen.» Er selbst hat daran einen wesentlichen Anteil.

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