Handball-WM
Große Euphorie um das deutsche Team

Berlin -

Volle Hallen, Millionen vor dem Fernseher: Deutschland ist im Handballfieber. Nach dem deutlichen Auftaktsieg gegen Südkorea erwartet das deutsche Team gegen Brasilien (Samstag, 18.15 Uhr) aber ein härterer Brocken.

Samstag, 12.01.2019, 13:00 Uhr
Am Tag danach ließ sich Bundestrainer Christian Prokop den Erfolg über Korea nicht kleinreden. Bereits an diesem Samstag bestreitet die deutsche Mannschaft ihr zweites WM-Spiel gegen Brasilien.
Am Tag danach ließ sich Bundestrainer Christian Prokop den Erfolg über Korea nicht kleinreden. Bereits an diesem Samstag bestreitet die deutsche Mannschaft ihr zweites WM-Spiel gegen Brasilien. Foto: dpa

Das WM-Fieber hat Deutschland schneller infiziert, als viele gedacht hatten. Nicht nur in der Hauptstadt, wo nahezu alle Vorrundentickets vergriffen sind und zum Auftakt gegen Korea (30:19) 13 500 Besucher in die Mercedes-Benz-Arena kamen. Nein, auch landesweit. Dafür sprechen sieben Millionen TV-Zuschauer in der Spitze am Donnerstag, über sechs Millionen im Schnitt und ein Marktanteil von fast 25 Prozent. DHB-Vize Bob Hanning erinnerte zudem daran, dass in den Fanzonen, wo der Nachwuchs selbst sportlich aktiv werden kann, die Stimmung wächst. „Die Euphorie ist nicht wegzudiskutieren. Das zeigt, dass Handball funktioniert.“

Dennoch wird vieles vom Erfolg der Gastgeber-Auswahl abhängen. Den nicht zu deutlichen Startsieg wollte sich Bundestrainer Christian Prokop auch am Tag danach nicht kleinreden lassen. „Souverän, geduldig, fokussiert, die Ruhe bewahrt“, so seine Einschätzung. „Wir hatten einen guten Mix. Dass man bei elf Toren vor einen Konzentrationsverlust hat und Chancen vergibt oder sich technische Fehler leistet, passiert.“ 17 Paraden gestatteten seine Schützlinge Koreas Keeper Jaeyong Park. „Aber das sollten wir nun hinter uns lassen.“

Handball-WM: Deutschland - Korea

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  • Deutschlands Patrick Wiencek wirft neben Koreas Park Young Jun.

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Deutschlands Steffen Weinhold (l) in Aktion gegen Koreas Park Dongkwang

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  • Seunghyun Seo (l) und Dongkwang Park (r) aus Korea im Kampf gegen Patrick Wiencek aus Deutschland.

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  • Uwe Gensheimer wirft.

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  • Deutschlands Steffen Fäth in Aktion gegen Koreas Kim Dongmyung.

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  • Deutschlands Patrick Wiencek kämpft mit Koreas Park Kwangsoon (l).

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  • Hendrik Pekeler (l) und Steffen Weinhold (r) aus Deutschland verteidigen gegen Kang Jeongu aus Korea.

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  • Deutschlands Patrick Groetzki in Aktion gegen Koreas Jo Taehun (l).

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  • Patrick Wiencek aus Deutschland verteidigt gegen Ri Yong Myong aus Korea.

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  • Deutschlands Patrick Groetzki (r) jübelt neben Hendrik Pekeler.

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  • Patrick Groetzki wirft gegen Koreas Park Jaeyong.

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  • Deutschlands Trainer Christian Prokop reagiert auf den Spielverlauf.

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  • Koreas Jo Taehun (l) wirft auf das Tor gegen Deutschlands Torwart Andreas Wolff.

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  • Tänzer zeigen eine Darbietung zur Eröffnung der WM.

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  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) hält eine Rede zur Eröffnung der WM.

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  • Uwe Gensheimer (r) und Patrick Wiencek jubeln.

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  • Das gemeinsame Team von Nordkorea und Südkorea steht vor dem Spiel auf dem Feld.

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Brasilien „eine ganz andere Aufgabe“

Das nächste Kaliber ist bereits um einiges größer und heißt schon am Samstag (18.15 Uhr, ZDF) Brasilien. „Eine ganz andere Aufgabe“ erwartet Prokop. „Diese Mannschaft ist körperlich sehr präsent, verteidigt im 5:1 oder manchmal sogar 3:3 und wird versuchen, die physische Überlegenheit auszuspielen. Aber wir wollen Schwung aufnehmen“, so der 40-Jährige. „Ich bin zuversichtlich, wir haben zwei Abwehrsysteme, die greifen, und spielen schon sehr gut über den Kreis. Insgesamt muss uns der Mix unberechenbar machen.“

Wie überzeugt er von seinem Weg ist, betont der Coach bei vielen Gelegenheiten. Die Botschaft: Wir haben ein Konzept, wir sind gereift und vor allem: Wir sind zusammengewachsen. Das war ja vor einem Jahr noch etwas anders. Aktuell klingt das alles vielversprechend. Auf dem Feld, in den Analysen, in der Außenwahrnehmung. Doch einen Stimmungskiller sollte sich die DHB-Auswahl gegen die Südamerikaner oder am Montag gegen Russland nicht erlauben.

Auf wen Prokop besonders setzt, stellte er in den vergangenen Tagen immer wieder heraus. Etwa auf Steffen Fäth halblinks. „Er war gegen Korea sehr wertvoll, gerade in Überzahl, aber auch mit seinen langen Wegen in die Mitte“, sagt der Trainer. „Er ist enorm wichtig und hat Fähigkeiten, die nur wenige Handballer mitbringen. Eine gute Alternative.“ Denn auf der Königsposition herrschte in den vergangenen Jahren zu oft Ebbe.

Der deutsche 16er-Kader für die Handball-WM 2019

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  • Torhüter: Andreas Wolff (THW Kiel)

    Foto: Monika Skolimowska
  • Torhüter: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin)

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris St. Germain)

    Foto: Axel Heimken
  • Linksaußen: Matthias Musche (SC Magdeburg)

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Rückraum links: Fabian Böhm (TSV Hannover Burgdorf)

    Foto: Peter Steffen
  • Rückraum links: Steffen Fäth (Rhein-Neckar Löwen)

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Rückraum Mitte: Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten)

    Foto: Marijan Murat
  • Rückraum Mitte: Fabian Wiede (Füchse Berlin)

    Foto: Andreas Gora
  • Rückraum rechts: Steffen Weinhold (THW Kiel)

    Foto: Peter Steffen
  • Rückraum rechts: Franz Semper (SC DHfK Leipzig)

    Foto: Peter Steffen
  • Kreisläufer: Hendrik Pekeler (THW Kiel)

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Rückraum links: Finn Lemke (MT Melsungen)

    Foto: Marijan Murat
  • Rückraum Mitte: Paul Drux (Füchse Berlin)

    Foto: Marijan Murat
  • Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen)

    Foto: Marijan Murat
  • Kreisläufer: Patrick Wiencek (THW Kiel)

    Foto: Monika Skolimowska
  • Kreisläufer: Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen)

    Foto: Monika Skolimowska
  • Trainer: Christian Prokop

    Foto: Axel Heimken

Auffällig oft lobt Prokop auch Kreisläufer Jannik Kohlbacher. „Was er an Sperren setzt, wie er für die Mitspieler rackert, das ist klasse. Er hat immer die richtige Drehung, er strahlt Ruhe und Überzeugung aus. Jannik braucht aber auch Leute, die ihn finden.“ Offenbar hat der Wechsel von der HSG Wetzlar zu den Rhein-Neckar Löwen den 23-Jährigen noch mal auf ein neues Level gehoben, speziell defensiv. „Wir müssen ihn in der Abwehr nicht mehr auswechseln“, sagt Prokop, der Kohlbacher immer öfter anstelle des einzigen Rechtsaußen Groetzki bringt.

Ankommen wird es aber auch auf andere am Samstag. Natürlich auch auf die Torhüter. „Wir brauchen ihre Paraden, um ins Tempospiel zu kommen. Die Brasilianer sind nämlich nicht ganz so ehrgeizig im Rückzugsverhalten“, sagt Prokop. Klingt nach einem Plan.

Handball-WM 2019: Ein Überblick

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  • Bereits zum siebten Mal ist die Handball-WM auf deutschem Boden: 1938 in Deutschland (Sieger: Deutschland); 1958 in der DDR (Sieger: Schweden); 1961 in der Bundesrepublik (Sieger: Rumänien); 1974 in der DDR (Rumänien); 1982 in der BRD (Sieger: Sowjetunion); 2007 in Deutschland (Sieger: Deutschland).

    Foto: Franz-Peter Tschauner
  • Der Start war nicht leicht: Mit seinem ersten Turnier erlitt Trainer Christian Prokop 2018 Schiffbruch. Das frühzeitige Aus bei der EM in Kroatien wurde begleitet von einigen Misstönen. Innerhalb der Mannschaft waren viele nicht mit dem Führungsstil des heute 40-Jährigen einverstanden. Oftmals ignorierten die Profis sogar Anweisungen. Viele erwarteten im Frühjahr seinen Rauswurf.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • Der DHB hielt an Prokop fest, der einräumte zu schnell zu viel gewollt und verändert zu haben. Seitdem ist Ruhe im Karton. Das Miteinander passt wieder. Aber der Druck auf Prokop ist immens. Das Halbfinale als Ziel auszugeben, war mutig, aber bei einer Heim-WM alternativlos. Verpasst Deutschland die Vorgabe knapp oder mit Pech, überzeugt aber insgesamt, wird ihm dieser Maßstab nicht um die Ohren fliegen. Ein Auftritt wie im Vorjahr dürfte aber sein Aus bedeuten.

    Foto: Axel Heimken
  • Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson prägte vor drei Jahren den Begriff der „Bad Boys“. So nannte sich erst die deutsche Mannschaft selbst und nach dem EM-Titel in Breslau das ganze Land seine Helden. Der Name von damals ist abgehakt. Das Team von 2019 möchte eine eigene Erfolgsgeschichte schreiben.

    Foto: Jens Wolf
  • Ex-Weltmeister Oliver Roggisch ist Teammanager der Nationalmannschaft und nah an den Spielern dran. Seit Anfang des vergangenen Jahres sitzt er beim DHB auch auf der Trainerbank und nimmt dort vor allem koordinierende Aufgaben wahr. Gleichzeitig tritt er vor und nach den Spielen als gefragter Interview-Partner auf, bezieht Stellung und ist nach seiner aktiven Laufbahn eines der Gesichter der Nationalmannschaft geblieben.

    Foto: Fabian Stratenschulte
  • Die ersten drei jeder sechsköpfigen Vorrundengruppe kommen weiter und bilden mit den drei Teams der Parallel- eine Hauptrundengruppe, für die die beiden Ergebnisse gegen die ebenfalls qualifizierten Konkurrenten mitgenommen werden. Nach drei weiteren Partien für jeden stehen die beiden Erstplatzierten im Halbfinale. Für die jeweiligen Sieger ist der Pokal dann zum Greifen nah.

    Foto: Marius Becker
  • Sechs Arenen, vier in Deutschland, zwei in Dänemark, bilden den Rahmen für die WM. Die Vorrunde A mit ihren 15 Partien wird in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin ausgetragen (13.000 Plätze), parallel spielt die Gruppe B in der Münchener Olympiahalle (12.463). Die Hauptrunde I wird in der Kölner Lanxess-Arena (19.500) ausgetragen, beide Halbfinals in der Hamburger Barclaycard-Arena (13.000).

    Foto: Oliver Berg
  • Auf dänischer Seite bietet die Royal Arena in Kopenhagen (14.500) den Spielort für die Vorrunde D und den Präsidenten-Cup sowie der Jyske Bank Boxen in Herning (15.000) die Stätte für die Gruppe C, die Hauptrunde II und die Finalspiele.

    Foto: Frank Rumpenhorst
  • Eine WM ist im Prinzip immer auch eine verkappte EM. Denn die Dominanz der europäischen Länder im Handball ist eklatant. Seit 1938 das erste globale Turnier ausgetragen wurde, standen mit einer einzigen Ausnahme immer Länder Europas auf dem Podium. Die französischen Handballer sind mit sechs Titeln Rekord-Gewinner. Viermal siegten Schweden und Rumänien. Deutschland feierte drei Titel (1938, 1978, 2007).

    Foto: Michel Euler
  • Top-Favorit der Handball-WM ist Titelverteidiger Frankreich. Ebenfalls stark eingestuft werden die Spaniern und Kroaten um Superstar Domagoj Duvnjak (Foto). Mit-Gastgeber Dänemark gehört ebenfalls zum Kreis der Favoriten. Kandidaten fürs Halbfinale sind Schweden und Norwegen.

    Foto: Toni Albir
  • Die Ex-Handball-Weltmeister Markus Baur (Foto) und Dominik Klein analysieren als Experten die Partien der deutschen Mannschaft im TV. ARD und ZDF zeigen alle Spiele der Deutschen live. Eurosport strahlt zudem 15 Begegnungen ohne DHB-Beteiligung aus. Alle Spiele gibt’s zudem im Netz bei sportdeutschland.tv – auch auf Abruf.

    Foto: A2931 Bernd Weißbrod
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