Handball-WM: Hauptrunde
Rechenspiele sinnlos: Gegen Spanien geht es nur noch um den Gruppensieg

Köln -

Ein Handball-Klassiker erster Güte zum Abschluss der Hauptrunde, darauf hatten sich viele Fans im Land gefreut. Deutschland gegen Spanien, der alte Evergreen. Die Revanche für das teils desaströse EM-Aus vor einem Jahr in Varazdin. Zu früh gefreut. 

Dienstag, 22.01.2019, 17:50 Uhr aktualisiert: 22.01.2019, 18:48 Uhr
Ein echtes Team: Die deutschen Spieler feierten nach dem Sieg gegen Kroatien gemeinsam im Kreis.
Ein echtes Team: Die deutschen Spieler feierten nach dem Sieg gegen Kroatien gemeinsam im Kreis. Foto: dpa

Die Partie an diesem Mittwoch (20.30 Uhr) hat ihren Spannungsfaktor nahezu komplett eingebüßt. Die Iberer sind mit vier Minuspunkten draußen, die Deutschen stehen durch das 22:21 im Krimi gegen Kroatien neben Frankreich bereits als Halbfinalteilnehmer in Hamburg fest.

Es geht für den Gastgeber nun lediglich noch darum, ob er als Erster oder Zweiter in die Vorschlussrunde einzieht. Im Moment spricht bei je 7:1 Zählern die um fünf Treffer bessere Tordifferenz gegenüber der Grande Nation für die Deutschen. Ob und wie sie damit irgendwem aus dem Weg gehen können, ist völlig offen. Denn parallel ringen drei Skandinavier ums Weiterkommen.

Astronomisch gute Abwehr

„Ein Halbfinale gegen Dänemark wäre mein Wunsch“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer . Der Hintergrund ist logisch: Wer Weltmeister werden will, wird den Top-Favoriten wohl schlagen müssen. Und das ist vor eigenem Publikum wahrscheinlich einfacher als im Endspiel in Herning. „Wir hätten in Hamburg den Heimvorteil“, so DHB-Vize Bob Hanning. Doch die Dänen könnten bei einer recht deutlichen Niederlage gegen Schweden sogar noch rausfliegen. Die Norweger wiederum wären mit einem Sieg zuvor gegen Ungarn sehr wahrscheinlich weiter.

Handball-WM Deutschland-Kroatien 22:21

1/22
  • Deutschland jubelt, Kroatien am Boden: Mit einem 22:21-Sieg hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft den Einzug ins WM-Halbfinale perfekt gemacht. Kroatien dagegen hat keine Chance mehr auf den Titel.

    Foto: Marius Becker
  • Torwart Andreas Wolff (r.) umarmt Rückraumspieler Fabian Wiede, der zum Spieler des Spiels gewählt wurde.

    Foto: Marius Becker
  • 19.250 Zuschauer in der erneut vollen Lanxess Arena in Köln bejubeln – von den kroatischen Fans mal abgesehen – die deutsche Mannschaft.

    Foto: Federico Gambarini
  • Die Mannschaft von Trainer Christian Prokop ist durch den Sieg vorzeitig fürs WM-Halbfinale qualifiziert. Im letzten Hauptrunden-Spiel gegen Spanien (Mittwoch, 20.30 Uhr) können sie sich eine Niederlage erlauben.

    Foto: Marius Becker
  • Schockmoment: Früh im Spiel muss Deutschlands Spielmacher Martin Strobel verletzt raus.

    Foto: Federico Gambarini
  • Ohne große Gegnereinwirkung war der 32-Jährige umgeknickt und hat sich einen Kreuzbandriss und einen Innenbandriss im linken Knie zugezogen. Er fällt für den Rest des Turniers aus.

    Foto: Marius Becker
  • In der von Beginn an umkämpften Partie verdiente sich vor allem die erneut auf allerhöchstem Niveau agierende deutsche Defensive eine Bestnote.

    Foto: Federico Gambarini
  • Im Angriff haperte es dagegen. Deutschland leistete sich viele Fehlwürfe und scheiterte oft am starken kroatischen Torwart Marin Sego.

    Foto: Federico Gambarini
  • Das Spiel blieb lange Zeit ausgeglichen. Zur Pause stand es 11:11.

    Foto: Marius Becker
  • Dank zupackender Arbeit von Abwehrchef Patrick Wiencek und seinen Nebenmannen gelang es Deutschland, in der zweiten Halbzeit einen Vorsprung herauszuspielen.

    Foto: Federico Gambarini
  • Kroatiens Star Domagoj Duvnjak gelang gegen die starke deutsche Deckung nicht viel.

    Foto: Marius Becker
  • Auf der Gegenseite haperte es Mitte der zweiten Hälfte aber auch im deutschen Angriff.

    Foto: Federico Gambarini
  • Nach einer 18:15-Führung vergaben die Deutschen Chance um Chance.

    Foto: Marius Becker
  • Drei Minuten vor Schluss besorgte Igor Karacic die Führung für Kroatien: 20:19!

    Foto: Marius Becker
  • Doch Rückraum-Schütze Steffen Fäth glich postwendend aus.

    Foto: Federico Gambarini
  • Dann gelang Deutschlands Torwart Andreas Wolff eine seiner zahlreichen starken Paraden. Er leitete den Tempo-Gegenstoß ein, Hendrik Pekeler verwandelte:

    Foto: Marius Becker
  • Kroatiens Trainer Lino Cervar hadert mit einem Pfiff des Schiedsrichters: Der hatte ein Stürmerfoul der Kroaten gesehen, Ballbesitz Deutschland in der letzten Minute.

    Foto: Marius Becker
  • Und Uwe Gensheimer trifft zum 22:20 für Deutschland.

    Foto: Federico Gambarini
  • Kroatien gelingt noch der 21:22-Anschlusstreffer, doch dann ist Schluss.

    Foto: Marius Becker
  • Geschafft! Mit dem Sieg zieht Deutschland ins WM-Halbfinale ein.

    Foto: Federico Gambarini
  • Die Handballer genossen nach dem Sieg die Atmosphäre in der Kölner Arena. „Das war heute eine ganz harte Prüfung“, sagte Bundestrainer Prokop, „so eine Drucksituation zu bestehen, darauf bin ich unheimlich stolz.“

    Foto: Federico Gambarini
  • Das Halbfinale findet in Hamburg statt. Gegner am Freitag (20.30 Uhr, ARD) wird Dänemark, Schweden oder Norwegen sein.

    Foto: Federico Gambarini

Ein Herzschlagfinale ist also dort in Aussicht. In Köln kämpfen zumindest die Spanier nur noch um eine günstige Ausgangslage für ein Olympia-Ticket. Der Qualifikationsmodus ist kompliziert und führt über diverse Turniere. Nur der Weltmeister ist in Tokio 2020 sicher dabei. Ob Deutschland für diesen großen Wurf wirklich in Frage kommt? Die Partie gegen die Kroaten lieferte Hinweise auf ein klares Ja und zugleich Indizien für größere Zweifel daran. Der Abwehrblock um die Kieler Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek ist einfach astronomisch gut, dahinter spielt auch Keeper Andreas Wolff in starker Form.

Prokop verzichtet aufs Nachtreten

Doch die Problemzonen im Angriff traten auch am Montag wieder hervor, als auch noch die Variante über den Kreis weitgehend einschlief. Immerhin kommen zuverlässig Tore aus dem Rückraum, wenn auch nicht durch einen einzelnen Shooter und damit nicht in großer Zahl. Fabian Wiede findet mit seiner unkonventionellen Art immer besser rein, egal von welche Position aus. In Köln wurde er zum zweiten Mal zum besten Spieler des Tages gekürt. Das Selbstbewusstsein in einer Mannschaft, die nach dem Debakel des Vorjahres zweifelte, stritt und in der Kritik stand, könnte mittlerweile größer kaum sein.

„Wir spielen zu Hause. Die Mannschaften müssen eher Angst vor uns haben als wir vor ihnen“, sagt etwa Wiencek. Bundestrainer Christian Prokop hat die schweren Zeiten noch nicht vergessen, verzichtet aber auf ein Nachtreten: „Für uns ist das momentan die geilste Zeit im Job. Es ist schön, dass wir derzeit auf der Sonnenseite stehen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6339791?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F206%2F6267674%2F
Preußen sind gegen Großaspach frei vom ganz großen Druck
Sandrino Braun (l.) ist in der zweiten Saisonhälfte aus der Preußen-Elf nicht wegzudenken.
Nachrichten-Ticker