Handball
Sorgen auf halblinks: Handball-WM-Kader hat ein Loch

Der letzte Spieltag der Handball-Bundesliga vor der WM-Pause hatte es noch einmal in sich: Die Rhein-Neckar Löwen behaupteten sich mit Mühe beim HSV Hamburg. Bundestrainer Dagur Sigurdsson muss Hiobsbotschaften hinsichtlich seines WM-Kaders verkraften.

Sonntag, 28.12.2014, 14:12 Uhr

Frankfurt (dpa) - Diesen Jahresabschluss in der Handball-Bundesliga hatte sich Bundestrainer Dagur Sigurdsson sicher anders vorgestellt.

Dass er bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag mit seinen Füchsen Berlin erneut verloren hatte und auf Rang zehn abrutschte, das hatte er bis zum Sonntag einigermaßen verdaut. Doch dass er mittlerweile keinen Spieler mehr für die halblinke Position in seinem WM-Kader hat, das tut dann doch weh. Finn Lemke vom TBV Lemgo zog sich beim 33:30-Erfolg seiner Mannschaft gegen MT Melsungen einen Mittelhandbruch zu. Und auch Göppingens Tim Kneule sowie Jacob Heinl aus Flensburg laborieren an Verletzungen - noch ist unklar, ob sie für die WM ab 15. Januar in Katar fit werden.

«Wir haben auf dieser Position wirklich die Seuche. Aber wir werden für die WM eine Mannschaft hinbekommen», meinte Nationalteam-Manager Oliver Roggisch am Samstagabend in Hamburg beim Spiel «seiner» Rhein-Neckar Löwen, die beim HSV mit 26:25 gerade so gewannen. Aber zunächst war auch Roggisch ratlos. «Jeder, der halblinks spielen kann, ist jetzt eine Option», sagte der frühere DHB-Kapitän. Zunächst nominierte Sigurdsson Fabian Böhm von HBW Balingen-Weilstetten nach.

Aber auch Michael Kraus kommt wieder ins Spiel. Der Routinier von Frisch Auf Göppingen gehört im Gegensatz zu Böhm nicht zum WM-Kader, der sich am Sonntag in Frankfurt zu einem dreitägigen Lehrgang traf. Doch Kraus bewies mit zwölf Treffern bei der 33:36-Niederlage am Freitag gegen den SC Magdeburg seine derzeit starke Form. «Ich spiele immer gern für Deutschland», bemerkte der ehemalige Hamburger.

Für dessen früheres Team war der Abschluss des Handball-Jahres 2014 dann doch versöhnlich. 12 036 Zuschauer in der ausverkauften O2-World feierten ihren HSV trotz der unglücklichen 25:26-Niederlage gegen die Löwen. Und Kapitän Pascal Hens bedankte sich artig: «Wir sind froh, dass wir solche Fans haben.»

An der Unterstützung durch den Anhang hatte es nicht gelegen, dass die Hamburger den Tabellenzweiten nur am Rande einer Niederlage hatten. Vielmehr waren es die beim HSV herrschenden Rahmenbedingungen, die den möglichen Erfolg verhinderten. Denn nach dem Beinahe-Lizenzentzug im Sommer ticken die Uhren beim deutschen Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013, der mit 20:24 Punkten auf dem elften Platz in die WM-Pause geht, anders.

Die Zeiten, in denen sich Weltklassespieler wie die französischen Gille-Brüder, der Kroate Domagoj Duvnjak oder der Spanier Joan Cañellas auf dem Feld den Ball zupassten, sind vorbei. Jetzt sind es Nachwuchshoffnungen wie Alexander Feld, die das Heft in die Hand nehmen müssen. Gegen die Löwen gelangen dem 21-Jährigen sieben Tore.

Christian Fitzek freute sich über ein «tolles Spiel vor einer Riesenkulisse», doch richtig zufrieden war der HSV-Geschäftsführer nicht. So fällt auch die Halbjahresbilanz des 53-Jährigen eher durchwachsen aus: Negativ seien vor allem die Heimniederlagen gegen Wetzlar, Balingen und Lemgo gewesen, positiv das zurückgewonnene Vertrauen bei Sponsoren und Fans. «Wir müssen uns bei vielen Menschen bedanken. Wir haben bis heute nicht alles, aber vieles richtig gemacht, auch wenn einige Entscheidungen wehgetan haben.»

Damit meinte Fitzek die Entlassung Christian Gaudins Mitte Dezember. Bei der Entscheidung über einen neuen Trainer will sich der HSV Zeit lassen. «Wir werden uns im Januar in Ruhe mit den Gremien und Jens Häusler zusammensetzen», sagte Fitzek. Auch wenn Häuslers Vertrag aus arbeitsrechtlichen Gründen fristgerecht zum 30. Juni gekündigt wurde, ist nicht ausgeschlossen, dass der Interimscoach bis Saisonende als Chef weitermachen darf. «Ein unbefristeter Vertrag als Trainer ist im Profisport absolut unüblich und soll bei Jens angepasst werden», so Fitzek. «Sehr unglücklich» fand Häusler den Zeitpunkt der Kündigung, «aber hier geht es darum, wie wir in Zukunft zusammenarbeiten werden. Dafür setzen wir uns Anfang des Jahres zusammen», fügte er hinzu.

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