Leichtathletik
Deutsche Sprint-Staffeln wollen WM-Medaillen

Dabeisein ist alles. Diese Devise galt jahrelang für die deutschen Sprint-Staffeln der Männer. Nach Topzeiten vor der Leichtathletik-WM in Moskau träumen Martin Keller, Julian Reus und Co. von WM-Bronze. Auch das Frauen-Quartett hat eine gute Medaillenchance.

Freitag, 16.08.2013, 15:08 Uhr

Verena Sailer will mit der 4x100-Meter-Staffel eine WM-Medaille gewinnen. Foto: Michael Kappeler
Verena Sailer will mit der 4x100-Meter-Staffel eine WM-Medaille gewinnen. Foto: Michael Kappeler Foto: dpa

Moskau (dpa) - Als Einzelläufer rennen Deutschlands Sprinter der Weltspitze hinterher, in den Staffeln streben sie Hand in Hand bei der Leichtathletik-WM dennoch nach Medaillen.

Wie geht das? Mit perfekten Stabwechseln! «Damit kann man sieben Zehntel bis eine Sekunde gewinnen und mit Teams der Weltklasse mithalten», erklärte Frauen-Bundestrainer Thomas Kremer . Für die Teams aus den USA und Jamaika wird das wohl nicht reichen, Bronze aber ist nicht ausgeschlossen.

«Das erste Ziel ist das Erreichen des Finals, und wenn wir es schaffen sollten, haben wir gute Chancen», sagte Ex-Europameisterin Verena Sailer. Die Vorzeigeläuferin aus Mannheim gehörte zusammen mit Tatjana Pinto (Münster) schon zum Quartett, das bei den Olympischen Spielen 2012 in London Platz fünf erreichte und bei der WM 2009 Bronze in 42,87 Sekunden holte.

«Ich freue mich, dass die Läuferinnen eine Medaille nicht ausschließen», sagte Kremer über ein Team, das eine gute Gemeinschaft ist. «Die Damen verstehen sich sehr gut, da ist Angst kein Thema.» Damit ist die Furcht vor dem Misslingen der Stabwechsel gemeint. 60 bis 80 Mal haben die Vier - zu denen noch Yasmin Kwadwo und Inna Weit gehören - die Übergabe vor der WM mit Höchstgeschwindigkeit geübt.

«Da gibt es überhaupt keine Angst. Wir haben trainiert, um dieses Risiko zu vermeiden», versicherte Sailer. «Wenn wir pünktlich loslaufen, kann nichts passieren.» An die schnellen Frauen aus den USA und Jamaika werden die Deutschen im Normalfall nicht herankommen können, vielleicht aber ermöglicht ihnen das Spezialtraining, auf Rang drei zu rennen. «Es liegen zehn andere Länder auf unserem Niveau, da müssen wir schon im Vorlauf alles geben», forderte Kremer.

Bei den London-Spielen hatte sich nämlich die Männer-Staffel verkalkuliert. «Wir waren vorher in 38,02 Sekunden einen deutschen Rekord gelaufen und sind mit 38,37 Sekunden nicht ins Olympia-Finale gekommen», erinnerte sich Männer-Bundestrainer Roland Stein an die zu gemächliche Gangart im Halbfinale. Vor der WM ist sein Quartett mit Julian Reus (Wattenscheid), Martin Keller (Leipzig), Sven Knipphals (Wolfsburg) und Lucas Jakubczyk (Berlin) in Weinheim 38,13 Sekunden gelaufen - mit 38,12 Sekunden war Trinidad und Tobago 2012 Olympia-Dritter geworden.

«Wir sind Dritter der Weltrangliste, vielleicht holen wir ja WM-Bronze», hofft der 26-jährige Keller, der zuletzt mit 10,07 Sekunden den deutschen Rekord von Frank Emmelmann (10,06) gestreift hatte. Auch Reus hatte sich in der Saison auf 10,09 Sekunden gesteigert und an der Bestmarke gekratzt.

«Wenn wir volle Kanne ablaufen, dann kann die Post abgehen», prophezeite Reus. «Ich hätte auch nichts dagegen, den Stab im Finale als Zweiter oder Dritter zu übernehmen und keinen mehr vorbeizulassen», lautet der Wunsch von Schlussläufer Keller. Optimismus demonstrierte auch Knipphals: «Wir sind eingespielt, die Wechsel sicher und jeder von uns kann 120 bis 130 Meter durchknattern. Da können wir volles Brett ablaufen.»

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