Hallen-Titelkämpfe in Torun
Leichtathletik-EM: Kilometer schrubben im Auto

Profi-Fußball und Weltklasse-Wintersport im Freien sind inzwischen normal in der Pandemie. Die Leichtathletik wagt sich bei der Europameisterschaft unters Hallendach.

Mittwoch, 03.03.2021, 09:43 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 09:46 Uhr
Springt in Torun um eine EM-Medaille: Malaika Mihambo.
Springt in Torun um eine EM-Medaille: Malaika Mihambo. Foto: Soeren Stache

Frankfurt/Main (dpa) - Insgesamt 730 Sportler plus Betreuer, Funktionäre und Kampfrichter über vier Tage verteilt unter einem Hallendach: Was in Corona-Zeiten ungewöhnlich erscheint, findet von Donnerstag bis Sonntag bei der Hallen-EM der Leichtathleten statt.

Im polnischen Torun werden die Titelkämpfe mit einem strengen Hygienekonzept ausgetragen. 50 deutsche Teilnehmer, darunter Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo , sind dabei.

In Polen besagen die Vorschriften, dass zeitgleich maximal 150 Sportler an einem Ort sein dürfen. Dabei werden Betreuer und Mitarbeiter nicht gezählt. «Aber so viele werden es bei der Leichtathletik nicht, damit haben wir zum Glück kein Problem», versicherte Mateusz Bosiacki , Pressesprecher der Organisatoren, der Deutschen Presse-Agentur . Er rechnet damit, dass gleichzeitig etwa 40 oder maximal 60 Sportler in der Halle sind.

Das deutsche Team reist in Pkws an. «Wir wollen das Risiko einer Ansteckung minimieren, das ist für uns der sicherste Weg», sagt Annett Stein, Chef-Bundestrainerin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Für ihre Spitzenathleten sei die EM «sehr, sehr wichtig» - schließlich ist es die letzte internationale Meisterschaft vor den geplanten Olympischen Spielen in Tokio.

DLV-Asse wie Mihambo, Kugelstoß-Medaillenkandidatin Christina Schwanitz oder Topläuferin Gesa Krause kennen das Procedere mit langer Anreise, Testungen und Maskenpflicht (außerhalb des Aufwärmens und des Wettkampfs) längst von internationalen Meetings, wie es auch eines im Februar in Torun als EM-Generalprobe gab. Die deutschen Meisterschaften in Dortmund wurden ebenfalls mit einem ähnlichen Konzept und insgesamt 250 Teilnehmern durchgeführt. Nach DLV-Angaben war von 1000 Schnelltests kein einziger positiv.

Zuschauer sind natürlich nicht zugelassen. Polen verzeichnete zuletzt wieder ein steigendes Infektionsgeschehen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Dienstag gab es 7937 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Im gleichen Zeitraum starben 216 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Deutschland hat das Nachbarland mit seinen 38 Millionen Einwohnern als Risikogebiet eingestuft.

«Es wird nicht die Situation geben, dass Sportler gemeinsam mit Kampfrichtern und Medienvertretern untergebracht sind», sagte EM-Sprecher Bosiacki. Es werde aber durchaus so sein, dass Sportler aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam in einem Hotel wohnen.

Topstar der Veranstaltung ist der Stabhochsprung-Weltrekordler Armand Duplantis aus Schweden. Russische Athleten sind nicht dabei. Nach Angaben des nationalen Verbandes Rusaf konnten die individuellen Startgenehmigungen vom Weltverband World Athletics nicht rechtzeitig erteilt werden. Seit November 2015 ist Russland wegen des Skandals um flächendeckendes Doping suspendiert und darf seitdem nur unbelastete und als neutral eingestufte Athleten nach Prüfung durch World Athletics zu internationalen Wett- und Titelkämpfen schicken.

Im DLV-Team ruhen große Hoffnungen vor allen auf Mihambo. Die «Sportlerin des Jahres» wartet auf ihren ersten Sieben-Meter-Satz in diesem Winter und wollte im Training vor Torun «nochmal ordentlich reinhauen». Auch für die 27-Jährige von der LG Kurpfalz ist die EM ein wichtiger Testlauf mit Blick auf Tokio: «Nur wer im Winter auch maximale Spitzen setzt, kann das im Sommer abrufen.»

© dpa-infocom, dpa:210303-99-666297/2

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