Motorsport
Weltverbandschef für feste Formel-1-Kostenbremse

Nur eine Handvoll Formel-1-Teams ist finanziell sorgenfrei. Um einen Kollaps zu verhindern, will FIA-Boss Jean Todt eine feste Kostenbremse einführen. Für Kritik an den deutlich leiseren Turbomotoren hat der Franzose kein Verständnis.

Donnerstag, 03.04.2014, 14:04 Uhr

Sakhir (dpa) - Im Kampf gegen den finanziellen Kollaps mehrerer Teams hat sich Automobil-Weltverbandschef Jean Todt für eine feste Ausgabengrenze von 150 Millionen Euro in der Formel 1 ausgesprochen.

«Die größte Baustelle in der Formel 1 sind die hohen Kosten. Wir müssen sie reduzieren», sagte der Franzose dem Fachmagazin «Auto, Motor und Sport» in einem vor dem Großen Preis von Bahrain veröffentlichen Interview.

«Es ist einfach verrückt, wenn einige Teams 800 Leute anstellen und 300 Millionen Euro dafür ausgeben, damit zwei Autos im Jahr 40 000 Kilometer zurücklegen», erläuterte der frühere Teamchef von Rekordweltmeister Michael Schumacher bei Ferrari . «150 Millionen Euro. Die Königsklasse des Motorsports darf das kosten», betonte Todt. Von 2015 an soll die Kostenbremse für jeden Rennstall wirksam sein.

Mit einem Hinterzimmer-Coup Ende des vergangenen Jahres hatten die Spitzen der Formel 1 unter anderem auch eine grundsätzliche Entscheidung für eine Ausgabengrenze durchgebracht. «Die Rechteinhaber und die Teams müssen sich bis zum 30. Juni Gedanken machen, wie wir die Kosten reduzieren», sagte Todt, der seit 2009 Boss des Automobil-Weltverbands FIA ist. Bei einer einstimmigen Entscheidung sei dann der Weg ab 2015 frei.

Die Einführung der neuen Turbomotoren verteidigte Todt gegen Kritik von Chefvermarkter Bernie Ecclestone und Weltmeister Sebastian Vettel. «Die Welt ändert sich. Wir haben die Verantwortung, mit der Zeit zu gehen», sagte Todt. «Es ist wichtig, dass die Formel 1 ihren Benzinverbrauch mit innovativer Technik reduziert.» Dazu würde unter anderem auch die Energie-Rückgewinnung gehören. «Ich finde es inakzeptabel, wenn ein Formel-1-Auto in der heutigen Zeit 100 Liter Benzin für 100 Kilometer braucht», bekräftigte Todt.

Für den Ärger über die leiseren Motoren kann der 68-Jährige auch kaum Verständnis aufbringen. «Natürlich ist der Sound anders. Aber er war vor 30 Jahren mit den Turbomotoren der damaligen Generation auch anders.» Bei der Diskussion ist ihm «zu viel Emotion im Spiel.»

Eines vermeidet Todt nach eigenen Angaben aber unter allen Umständen. «Ich halte nichts davon, mich mit Bernie auf eine öffentliche Diskussion einzulassen», sagte er. «Wenn ich mit seinen Kommentaren nicht einverstanden bin, dann melde ich mich bei ihm direkt.»

Für Bahrain ist Medienberichten zufolge ein weiteres Treffen mit Ecclestone geplant. Auch Ferrari-Boss Luca di Montezemolo soll daran teilnehmen. «Autosport» zufolge will di Montezemolo unter anderem über mögliche Regeländerungen diskutieren.

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