Poker um TV-Rechte
Verschwinden die Formel-1-Rennen im Pay-TV?

Zwischen dem Verkauf der teuersten Fußball-Rechte läuft der TV-Poker um die Formel 1. Was bedeutet das für die Motorsport-Fans? Droht das britische Modell, das Weltmeister Lewis Hamilton deutlich kritisiert?

Montag, 17.02.2020, 10:38 Uhr aktualisiert: 17.02.2020, 10:40 Uhr
Formel-1-Pilot Sebastian Vettel (l) spricht mit dem TV-Moderator Kai Ebel von RTL vor einem Formel-1-Grand-Prix.
Formel-1-Pilot Sebastian Vettel (l) spricht mit dem TV-Moderator Kai Ebel von RTL vor einem Formel-1-Grand-Prix. Foto: David-Wolfgang Ebener

Berlin (dpa) - Motorsport-Liebhaber in Deutschland sind verwöhnt. Seit fast drei Jahrzehnten gibt es ohne zusätzliche Kosten ein Rundum-Sorglos-Paket für Formel-1-Fans bei RTL . Doch das muss nicht so bleiben - der Poker um die TV-Rechte läuft derzeit.

Wenn es nach RTL geht, bleibt es auch ab der Saison 2021 so, wie es ist: Alle Rennen laufen frei empfangbar beim Kölner Privatsender. «Wir befinden uns in Gesprächen», sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer der Deutschen Presse-Agentur: «Die Formel 1 ist und bleibt eines der populärsten und meist gesehenen seriellen Sport-Formate.»

Und wer ist die Konkurrenz? ARD und ZDF wollen sich öffentlich nicht äußern. Die öffentlich-rechtlichen Sender lassen allerdings durchblicken, dass das Interesse an der Formel 1 sich in sehr überschaubaren Grenzen hält. Und die Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe und Eurosport hielten sich zuletzt bei teuren Sportrechten zurück.

Was erstaunlich ist, denn die Formel 1 hat sich nach dem Hype der Michael-Schumacher-Jahre auf einem beachtlichen Quoten-Niveau stabilisiert. Im Jahresdurchschnitt aller 21 Formel-1-Übertragungen kam RTL im Vorjahr auf 4,05 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 23,2 Prozent. Auf ähnlichen Zuspruch hofft der Sender auch in der neuen Saison, deren Vorbereitung am Mittwoch mit dem Start der Testfahrten in Barcelona beginnt. Außerhalb des Fußballs gibt es vergleichbare Zuschauerzahlen nur beim Biathlon.

Dass es einen Rückgang von knapp 500.000 Zuschauern im Vergleich zum Vorjahr gab, lag an der Rückkehr von Sky. Im letzten TV-Poker war der Pay-TV-Sender ausgestiegen. Erst nach Protesten vieler Kunden hatte Sky nach einem Jahr Pause wieder Rechte gekauft. Oder wie Geschäftsführer Holger Enßlin es ausdrückte: «Damit hören wir auf die Wünsche zahlreicher unserer Kunden.» Sky kam zuletzt auf einen Saisondurchschnitt von rund 470.000 Zuschauern pro Rennen.

«In der Summe ist die Zuschauerzahl in Deutschland gegenüber dem Vorjahr gleich groß geblieben», sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe zur Bilanz 2019: «Die Zuschauer, die uns gegenüber dem Vorjahr fehlen, sind ins Pay-TV gegangen.»

Und womöglich gehen ab 2021 zumindest einzelne Rennen exklusiv ins Pay-TV, so wie es in mehreren Länder bereits der Fall ist. Oder sogar alle Rennen, wie in Großbritannien und Irland? Dort bekommen Fernsehzuschauer die Formel 1 seit Sommer 2019 nur noch dann live zu sehen, wenn sie ein Sky-Abonnement besitzen. Zuvor waren die Rennen 40 Jahre lang im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt worden. Die einzige Ausnahme nach der neuen Regelung ist der Große Preis von Großbritannien, der auch weiterhin im Free-TV übertragen wird.

Weltmeister Lewis Hamilton hält von diesem Exklusiv-Vertrag wenig. «Das ist definitiv nicht cool», sagte Hamilton. «Die Fans machen den Sport zu dem, was er ist. Je mehr man sie beinahe aussperrt oder daran hindert es zu sehen, desto schlechter wird auch das Geschäft für die Inhaber.» Den umstrittenen Deal hatte allerdings noch Bernie Ecclestone abgeschlossen, nicht der jetzige Formel-1-Eigner Liberty Media.

Die Formel 1 ist zweifelsohne auch hierzulande für andere Pay-Anbieter wie DAZN oder Amazon attraktiv. Die Frage ist nur, wie viel Geld für Motorsport in den Kassen ist nach dem teuren Poker um die Champions League im Dezember und der gerade begonnenen Ausschreibung der Fußball-Bundesliga-Rechte, die noch viel teurer sind.

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