Olympia 2012
Aigner wirbt für «coolen Sport» Kanuslalom

London (dpa) - «In Zukunft wird jeder 15 Minuten berühmt sein» - die Prophezeiung von PopArt-Ikone Andy Warhol ist für Hannes Aigner noch nicht wahr geworden. In London kann der Augsburger das nun ändern und sich und seine Nischensportart Kanuslalom in den Fokus rücken.

Dienstag, 31.07.2012, 11:21 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 31.07.2012, 11:18 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 31.07.2012, 11:21 Uhr
Olympia 2012 : Aigner wirbt für «coolen Sport» Kanuslalom
Hannes Aigner will seinem Kanuslalom zu mehr Popularität verhelfen. Foto: Orestis Panagiotou Foto: dpa

Mit einer Olympia-Medaille in der Kajak-Entscheidung am Mittwoch auf dem Wildwasser-Kanal im Lee Valley White Water Centre ist ihm erhöhte Aufmerksamkeit gewiss. Zumindest kurz. «Vielleicht ändert sich da was. Aber ich bin da nicht so optimistisch, dass da jetzt auf einmal jeder Wettkampf übertragen wird», sagte der EM-Dritte.

Hannes Aigner weiß, dass es schwierig ist, den Teufelskreis aus fehlender Fernsehpräsenz und dem Wunsch nach einem Mehr an Popularität zu durchbrechen. Dabei hat Kanuslalom bestes TV-Potenzial: Spektakuläre Aktionen und packende Rennen. «Viele meiner Freunde, die auch überhaupt nichts mit dem Sport zu tun haben, sagen, das wäre ein cooler Sport, den wir gern öfter im Fernsehen sehen könnten», berichtete der 23-Jährige..

Kanuslalom mangelt es zudem an Stars, die wie einst Boris Becker eine Sportart medial aus dem Dornröschenschlaf wachküssen. «Das liegt daran, dass es wenig im Fernsehen kommt. Wenn es dann mal kommt, kennt man da niemanden. Wenn man beim Skifahren sieht, ah, da fährt die Maria Riesch, dann kann man sich auch irgendwie mit der identifizieren und auch mitfiebern», sagte er. «Das ist bei uns nicht der Fall. Wenn man eine Sportart nur einmal im Jahr sieht - und mittlerweile ist es ja so, dass nicht einmal ein WM-Finale übertragen wird -, kann man als Zuschauer auch wenig sagen. Wenn da irgendjemand fährt, würde es mich wahrscheinlich auch nicht interessieren.»

Gerade Aigners Disziplin Kajak gehört zu den goldträchtigen deutschen Disziplinen bei Olympischen Spielen. Von den bisher sechs Entscheidungen seit 1972 haben viermal Deutsche gewonnen: Siegbert Horn (Leipzig/1972), Oliver Fix ( Augsburg /1996), Thomas Schmidt (Augsburg/2000) und Alexander Grimm (Augsburg/2008). Was wie beste Werbung für den Sport aussieht, hat nach Ansicht des Sportsoldaten und BWL-Studenten eine nicht zu unterschätzende Kehrseite: Keine Konstanz und somit wenig Möglichkeiten, dass sich Namen in den Köpfen festsetzen können.

So schaltete Aigner in der nationalen Qualifikation Grimm aus. «Das ist ein Zeichen dafür, dass der Erfolg sehr kurzlebig ist, wenn der Olympiasieger von 2008 in der Qualifikation vier Jahre später nur noch Fünfter wird», erklärte Aigner und schlussfolgerte für sich: «Da weiß ich dann auch, dass das vielleicht die einzige Chance ist, die ich jetzt habe.»

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