Olympia 2012
Druck der ersten Medaille: Gauß und Mager gefordert

London (dpa) - Beate Gauß hat keine Angst vor dem besonders großen Druck. Auf einem Hügel in Woolwich nimmt die Schützin am Samstag die erste Olympia-Medaille ins Visier.

Freitag, 27.07.2012, 12:07 Uhr

Olympia 2012 : Druck der ersten Medaille: Gauß und Mager gefordert
Die deutschen Sportschützinnen Beate Gauss (l-r), Sonja Pfeilschifter und Jessica Mager. Foto: Andreas Gebert Foto: dpa

Die Sehnsucht nach schnellem Edelmetall in der ersten Entscheidung der London-Spiele ist ein besonderer Ballast, doch Gauß freut sich auf den Start in der königlichen Artillerie-Kaserne. «Es ist mir eine Ehre, die Wettkämpfe für Deutschland zu eröffnen», sagte die Sportsoldatin, die 2009 und 2010 EM-Silber gewann.

Die psychische Belastung des möglichen ersten Medaillengewinns für Deutschland ist für die Schützen nicht neu. «Wir thematisieren dies schon und besprechen die Abläufe im Vorfeld. Es geht ja traditionell schon fast immer mit Luftgewehr Frauen los», sagte DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann. Und doch hat der Deutsche Schützenbund (DSB) diesmal alles anders gemacht. Nicht Europameisterin und Mitfavoritin Sonja Pfeilschifter geht in den ersten Wettbewerb, sondern neben Beate Gauß auch Jessica Mager .

«In Sydney, Athen und Peking ging es immer schief, da hatte Sonja die Medaille verpasst, schlechte Presse gehabt und der Druck war dann enorm. Am Ende blieb sie jedes Mal ohne Medaille, auch in ihrer Spezialdisziplin. Nun haben wir dank unserer guten zweiten Reihe andere taktische Möglichkeiten», betonte Gabelmann.

Beate Gauß, die vor ihrem Olympia-Start im Playboy («Das war etwas total Verrücktes.») blank zog und somit für reichlich Gesprächsstoff im Team sorgte, ist als WM-Sechste von 2010 keinesfalls chancenlos. Die Ammerbucherin und ihre Betreuer wissen um die Bedeutung des ersten Wettkampfes. «Da der Rummel im Umfeld von Olympia da besonders groß ist, wird mentales Training gemacht. In der Realität ist das alles sicherlich eine Stufe härter, da kann man viel reden im Vorfeld, man muss es einfach mal erlebt haben», sagte Gabelmann.

Gauß bleibt mit positivem Denken cool: «Ich arbeite mit meinem Mentaltrainer zusammen.» Zusätzliche Unterstützung bekommt sie in London von ihren Eltern und ihrem Heimtrainer und Freund Frank Köstel. «Ich will schon im Vorkampf recht hoch schießen, das Finale habe ich voll drauf», meinte die 27-Jährige, die während der Spiele in London am 10. August Geburtstag feiert.

Neben Gauß hat auch die drei Jahre jüngere Jessica Mager aus Solingen Medaillen-Ambitionen. Immerhin geht sie als WM-Fünfte ins Rennen. «Sie ist jederzeit für eine Überraschung gut», meinte Gabelmann, der die Leistungsdichte in dieser Disziplin enorm hoch einschätzt. Es sind sicherlich bis zu 35 Schützinnen am Start. Selbst ein Resultat von 398 Ringen kann im schlimmsten Fall nicht für eine Finalteilnahme reichen. Immerhin schafften schon 26 Athletinnen die Idealpunktzahl und den Weltrekord von 400 - auch Gauß und dreimal Pfeilschifter, die ihre Nichtnominierung immer noch nicht verdaut hat.

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