Interview mit dem Bundestrainer der Springreiter
Otto Becker: „Wir sind nicht abgestürzt“

London -

War es Gottvertrauen oder Leichtsinn, dass sich Otto Becker am Montagmittag noch vor der dritten Qualifikation für das Einzelfinale den Fragen der Journalisten stellte? Nach dem Aus mit der Mannschaft hätten schließlich auch die Einzelreiter patzen können. Der Bundestrainer Springreiten arbeitete jedenfalls das überraschende Scheitern seiner erfolgsverwöhnten Reiter vom Vortag auf. Unterdessen wurde gestern bekannt, dass die Deutsche Reiterliche Vereinigung eine Vertragsverlängerung mit dem Sendenhorster anstrebt. Unser Redakteur Jürgen Beckgerd stellte die Fragen und Antworten des Bundestrainers zusammen.

Dienstag, 07.08.2012, 19:08 Uhr

Interview mit dem Bundestrainer der Springreiter : Otto Becker: „Wir sind nicht abgestürzt“
Nachdenklich: Springreiter-Bundestrainer Otto Becker. Foto: dpa

Herr Becker , wie war Ihre Stimmung heute morgen nach dem Ausscheiden der Mannschaft?

Otto Becker: Ganz ehrlich? Noch beschissener als gestern.

Und die in der Mannschaft?

Otto Becker: Die Reiter waren gefasst, sie haben ja noch eine Aufgabe vor sich und wollen sich für das Einzel qualifizieren. Ich bleibe aber dabei: Das war gestern bestimmt kein Desaster, das wir da erlebt haben. Es war halt schlecht verteilt; ein Null-Fehler-Ritt und wir wären im Finale. Kein Vorwurf an die Mannschaft. Pferde und Reiter sind gut gesprungen, aber bei der Leistungsdichte im Feld war das eben nicht gut genug.

Es wurde von einer Blamage und einer Enttäuschung gesprochen und geschrieben . . .

Otto Becker: ...das ärgert mich auch, was da alles zu lesen war. Wir sind nicht abgestürzt. Wir wollten den Erfolg, aber nicht um jeden Preis.

Mussten Sie Ihre Reiter gestern moralisch etwas aufrichten?

Otto Becker: Sie sind erfahren genug, damit umzugehen. Aber es stimmt schon, die Stimmung war gedrückt.

Lag das Scheitern Ihrer Meinung nach an der Vorbereitung oder an den vielen Ausfällen im Vorfeld der Spiele?

Otto Becker: Auf dem Papier hatten wir ausreichend Reiter. Wir wollten halt auch nicht über-sichten. Bei Carsten-Otto Nagels Pferd war‘s doch nur ein läppisches Zahnproblem. Hätte man mir im März gesagt, dass es deswegen ausfällt, hätte ich gelacht. Hinzu kamen ja dann auch noch Ludger Beerbaum, Philipp Weishaupt und Marco Kutscher .

Eine Frage von Glück oder Pech?

Otto Becker: Man hätte das Glück zwingen können, aber es reichte eben nicht. Dass Christian ( Ahlmann ) so ein Missgeschick passiert (12 Fehlerpunkte am Sonntag, d. Redaktion), war ja nicht zu erwarten. Da sind mehrere Dinge zusammengekommen. Es war der falsche Tag. Heute wäre es in Ordnung gewesen, da bin ich mir sicher. Im Nationenpreis sind auch andere gut geritten, beispielsweise Cornet Obolensky von Marco Kutscher in Gera . Marco Kutscher und Cornet Obolensky haben Sie nach dem CHIO ausgemustert.

War das im Nachhinein ein Fehler? Haben Sie die Richtigen mitgenommen?

Otto Becker: Im Nationenpreis gilt ‚safety first‘. Nach der Sache in Aachen hatten wir Zweifel. Hätten wir ihn nominiert, und er wäre wie in Aachen (CHIO) gegangen, hätte ich die Presse danach nicht lesen mögen.

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