Kunstturnen
Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen gewinnen an Barren und Reck Silber

London -

Sternstunde für die deutschen Turner im Millenium-Dome. Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen gewinnen an Barren und Reck jeweils Silber und sind Teil einer großen Show am Ufer der Themse.

Mittwoch, 08.08.2012, 07:08 Uhr

Kunstturnen : Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen gewinnen an Barren und Reck Silber
Krönte seine Leistung mit der Silbermedaille am Reck: Fabian Hambüchen. Foto: dpa

Bayerische Sportler heißen normalerweise Badstuber, Schweinsteiger oder Wasmeier. Wenn sich das neue Gesicht des deutschen Turnsports, geboren in München , korrekt vorstellt, dann klingt das so: „Ich heiße Marcel Van Minh Phuc Long Nguyen.“ Seit gestern könnte der 24-Jährige auch sagen: gestatten, zweifacher Silbermedaillengewinner. Nguyen („Lassen Sie einfach das ,g’ weg“, empfiehlt der Namensträger) hat im größten Kuppelbau der Welt die Turn-Welt ein bisschen auf den Kopf gestellt.

Im Milleninum Dome, der von außen wirkt wie ein riesiger mit Zahnstochern garnierte umgestülpter Vanillepudding, hatte er am vergangenen Mittwoch im Mehrkampf einen Sensation vollbracht. Mit derselben Unbekümmertheit holte sich der zweifache Barren-Europameister gestern auch an seinem Spezialgerät ab. „Ich bin hierher gekommen, um eine Medaille mitzunehmen, irgendwie. Nun ist es zweimal Silber geworden, unglaublich“, strahlt der perfekt frisierte junge Mann nach seiner mit 15,800 Punkten bewerteten Übung.

Nur der Chinese Feng Zhe fand mehr Gefallen bei der Jury. Gut, dass Hedy Nguyen, sprich Nujen, ihren Vierjährigen 1992 mit zum Mutter-Kind-Turnen nahm. Wer weiß, wo dieser sonst gelandet wäre. Aus Unterhaching kommen ja auch Bobpiloten und Eisstockschützen. Seinem vietnamesischen Vater, sagt Bundestrainer Andreas Hirsch, verdanke Marcel den „drahtigen Körperbau in asiatischer Leichtbauweise“. Diese Konstitution bewirkt, dass der Porsche-Fahrer am Barren Vollgas geben kann. „Marcels Übung hat keine Pause, er turnt viel dynamischer als seine Konkurrenten“, erläutert sein Trainer Valeri Belenki, mit dem Sowjetunion-Nachfolger GUS 1992 in Barcelona Mannschafts-Olympiasieger.

Marcel Nguyen - Werdegang eines Kunstturners

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  • Marcel Nguyen gewinnt olympisches Silber am Barren und im Mehrkampf.

    Foto: Friso Gentsch
  • Bei der EM in Montpellier gewann Nguyen 2012 die Goldmedaille.

    Foto: Friso Gentsch
  • Seit Juli 2007 gehört er zur Sportfördergruppe der Bundeswehr.

    Foto: Christian Wolff
  • Auch im Mehrkampf ist Nguyen häufig erfolgreich.

    Foto: Andrew Gombert
  • Seine Spezialdisziplin ist der Parallelbarren.

    Foto: Andrew Gombert
  • Marcel Nguyen turnt seit seinem vierten Lebensjahr.

    Foto: Friso Gentsch
  • Am 8. Juli 1987 wurde Marcel Nguyen in München geboren.

    Foto: ZDF

Fabian Hambüchen hatte sich im Mehrkampf als Wackelkandidat präsentiert. Nach drei verpatzten Übungen und einem Abgang am Reck war der Wetzlarer auf Platz 15 abgestürzt. „Das ist nicht das Ende“, kündigte er vor dem Reckfinale an, für das er ein „brutal hohes Niveau“ voraussah. Der 24-Jährige, fünfter von elf Finalisten, rotiert glänzend um die Stange, leistet sich beim Abgang nur einen kleinen Hopser“ und ballt die Faust. Die Halle, in der deutsche Fans in der Mehrheit zu sein scheinen, tobt.

Der Chinese Zou Kai führt zu diesem Zeitpunkt mit 16,366 Punkten. Hambüchen wartet angespannt auf die Wertung: 16,400, das ist im Moment Gold. Anschließend macht sich Epke Zonderland bereit, und was dann folgt, stellt alles in den Schatten. Der Vizeweltmeister von 2010 und Europameister von 2011 wird zum fliegenden Holländer, er besitzt mit seiner spektakulären Übung eindeutig die Lufthoheit über der Stange. Die Richter rechnen, Hambüchen hofft und ist kurz darauf der erste Gratulant. Zonderland wird für seine Flug-Show mit 16,533 Punkten belohnt, jetzt ist der blonde Sonnyboy der umjubelte Star im Millennium-Dome. „Diese Nummer macht ihm auf der ganzen Welt keiner nach“, meint Hambüchen und ist mit Silber „voll zufrieden“.

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